Hessen
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Bevölkerungsentwicklung

Demografische Daten sind eine wichtige Grundlage für die Gesundheitsberichterstattung und die auf ihr basierende gesundheitspolitische und wirtschaftliche Prioritätensetzung. Unter anderem spielt hier das steigende Lebensalter, das Geschlecht und die Zugehörigkeit zu bestimmten sozioökonomischen Gruppen eine Rolle. Mehr und mehr wirkt sich auch die geografische Verteilung der Bevölkerung in den verschiedenen Regionen in Hessen auf die gesundheitlichen Versorgungsstrukturen aus. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich der demografische Wandel landesweit nicht gleichmäßig, sondern regional und lokal differenziert vollzieht. Damit auch künftig eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige medizinische und pflegerische Gesundheitsversorgung möglich ist, sind Lösungen notwendig, die sich aus der regionalen Entwicklung der Demografie und Morbidität der Bevölkerung ergeben. Der „Hessische Pakt zur Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung für die Jahre 2012 bis 2014“1 sowie der inhaltlich erweiterte Hessische Gesundheitspakt 2.0 für die Jahre 2015 bis 20182 sollen die Instrumente sein, um ein solches auf die regionalen gesundheitlichen Bedürfnisse angepasstes medizinisches Versorgungs- und Gesundheitsförderungsangebot zu entwickeln.

Strukturelle Änderungen in den Lebensverhältnissen, wie der Anstieg der Anzahl der Privathaushalte, der Trend zu kleineren Haushalten oder die steigende Anzahl der Unverheirateten, werden die Nachfrage nach gesundheit­lichen Versorgungstrukturen beeinflussen.

Alle diese in dem Kapitel zur Bevölkerungsentwicklung dargestellten demografischen Angaben zum Stand, zu den Trends, der Struktur und der Entwicklung der Bevölkerungszahl geben den Kontext zu den Darstellungen des Gesundheitszustands der hessischen Bevölkerung in den einzelnen Lebensphasen der vorherigen Kapitel dieses Berichts und erlauben deshalb Rückschlüsse auf den Bedarf und die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen in Hessen.

Durch die demografische Entwicklung wird mit einer Zunahme von Patientinnen und Patienten mit chronischen und mehrfachen Erkrankungen zu rechnen sein, die ein interdisziplinäres Zusammenwirken der Gesundheits- und Pflegeberufe zunehmend erforderlich machen wird. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich der demografische Wandel landesweit nicht gleichmäßig, sondern regional und lokal differenziert vollzieht. Damit auch künftig eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige medizinische und pflegerische Gesundheitsversorgung möglich ist, sind Lösungen notwendig, die sich aus der regionalen Entwicklung der Demografie und Morbidität der Bevölkerung ergeben.

Zusammenfassung

Zum 31.12.2014 lebten in Deutschland rund 81,2 Millionen Menschen.3 Diese Größenordnung hat sich seit Mitte der 1990er Jahre nur wenig verändert, sie hängt vom Zusammenspiel dreier grundlegender demografischer Prozesse ab:

  • der Entwicklung der Geburten,
  • den Sterbefällen,
  • der Bilanz der Zu- und Abwanderungen.

Das Bild vom demografischen Wandel in Deutschland wird vor allem geprägt von der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung. Gemäß Studien des Max-Planck-Instituts für Demografie erhöht sich die Lebenserwartung von Neugeborenen jährlich um zwei bis drei Monate. Die Wahrscheinlichkeit eines 80-Jährigen, 100 zu werden, ist heute im Vergleich zum Jahr 1950 um das 20-Fache höher.4 Nach der allgemeinen Sterbetafel 2010/2012 für Deutschland beträgt die Lebenserwartung Neugeborener im Jahr 2015 für Jungen 77,72 Jahre, für Mädchen 82,73 Jahre.5 Diese wird sich nach den Prognosen der aktuellen 13. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes6 bis 2060 auf einen Korridor von 84,8 bis 86,7 Lebensjahren für Jungen und 88,8 bis 90,7 Lebensjahren für Mädchen erhöhen. Im Gegenzug gehen die Prognosen davon aus, dass die Geburtenrate mit 1,4 Kindern pro Frau auf niedrigem Niveau konstant bleibt. Sie ist weder hoch genug, um die Alterung der Bevölkerung zu kompensieren, noch, um die Sterbefälle auszugleichen. Hierzu wären rechnerisch 2,1 Geburten pro Frau erforderlich. Die Folge ist, dass der Anteil der Älteren in Deutschland kontinuierlich wächst und die Bevölkerung insgesamt schrumpft. Heute sind rund 20 % der Bevölkerung älter als 65 Jahre. Annahmen der 13. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung gehen davon aus, dass bereits in gut 20 Jahren rund 28 % der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein wird, im Jahr 2060 sogar 33 %. Auch der Anteil der Hochbetagten wächst kontinuierlich. Ende 2013 lebten in Deutschland rund 4,4 Millionen Menschen über 80 Jahre, dies entsprach 5 % der Bevölkerung. Ihre Zahl wird bis 2030 um gut 40 % wachsen und 2060 mit insgesamt 9 Millionen etwa doppelt so hoch sein wie heute. Abhängig vom Wanderungssaldo in Deutschland schätzt das Statistische Bundesamt eine Rückgang der Bevölkerungszahl bei 1,4 Geburten pro Frau bis 2060 von heute 82 Millionen auf zwischen 67,5 bis 74,8 Millionen. Menschen.

Vor dem Hintergrund des steigenden durchschnittlichen Lebensalters sowie des generellen Bevölkerungsrückgangs gewinnen Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention immer mehr an Bedeutung.

Im Folgenden wird die demografische Entwicklung in Hessen dargestellt. Grundlegende Quelle sind die Daten der Hessen Agentur. Diese hat im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung für alle 426 hessischen Kommunen Daten und Indikatoren zum demografischen Wandel zusammengestellt und in diesem Rahmen flächendeckend kleinräumige Bevölkerungsvorausschätzungen vorgenommen.7

Fußnote
  1. www.verwaltung.hessen.de 
  2. www.soziales.hessen.de 
  3. Statistisches Bundesamt, www.destatis.de  (siehe Pressemitteilung Nr. 353 vom 24.9.2015).
  4. Vaupel, J. W. · v. Kistowski, K. G, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock 2005: Der bemerkenswerte Anstieg der Lebenserwartung und sein Einfluss auf die Medizin.
  5. Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 143 vom 22. April 2015, www.destatis.de 
  6. Statistisches Bundesamt, 13. Koordinierte Bevölkerungsvoraus­berechnung, Wiesbaden 2015, www.destatis.de 
  7. Studie der HA Hessen Agentur GmbH „Bevölkerungsvorausschätzung für Hessen und seine Regionen als Grundlage der Landesentwicklungsplanung“, Wiesbaden 2015, www.hessen-agentur.de
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