Entwicklung der ausländischen Bevölkerung in Hessen

Die gesundheitlichen Risiken von Personen mit Migrationshintergrund – zu diesen zählen neben den zugewanderten und in Deutschland geborenen Ausländerinnen und Ausländern auch Spätaussiedler/-innen und Eingebürgerte sowie deren in Deutschland geborene Kinder – unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen der deutschen Bevölkerung mit vergleichbarem Sozialstatus. Es gibt allerdings einzelne Befunde für positive und negative Abweichungen: Zum Teil zeigen manche Bevölkerungsgruppen günstigere Gesundheitsstatistiken (günstigeres Morbiditäts- und Mortalitätsprofil) aufgrund des „Healthy Migrant Bias“. So haben türkische Staatsangehörige beiderlei Geschlechts eine niedrigere Mortalität durch Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebserkrankungen als die deutsche Vergleichsbevölkerung.1 Herkunftsbedingt gibt es offenbar auch ein anderes Krankheitsprofil und Infektionsrisiko. Die Einstellung zum eigenen Körper unterscheidet sich kulturell ebenso wie die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Zusätzlich zum kulturellen Hintergrund bedingen der Sozialstatus, der ­Bildungsstand und die Sprachkenntnisse unter Umständen einen schlechteren Zugang zum Gesundheitswesen.

Im Jahr 2013 hatte jeder fünfte Einwohner Deutschlands einen Migrationshintergrund (16,5 Millionen Personen). Unter den Flächenländern wies dabei Hessen mit Baden-Württemberg den höchsten Migrantenanteil von rund 28 % auf, dies mit weiter ansteigender Tendenz. ­

In Hessen leben aktuell rund 1,7 Millionen Migrantinnen und Migranten, von denen weniger als die Hälfte (43 % bzw. 727.000 Personen) eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen. Diese Personen stellen eine vergleichsweise junge Bevölkerungsgruppe dar. Im Jahr 2013 hatte nahezu die Hälfte aller Kinder im Alter bis neun Jahre einen Migrationshintergrund. Bei Personen im Rentenalter traf dies nur auf jede neunte Person zu.

Unterschieden nach Kontinenten haben die meisten Zugewanderten eine europäische Herkunft (Abb. 40). Die wichtigsten Herkunftsländer der in Hessen lebenden Migrantinnen und Migranten sind dabei die Türkei, Polen und Italien (Abb. 41).

Kontinentale Herkunft der Migrantinnen und Migranten in Hessen
Kontinentale Herkunft der Migrantinnen und Migranten in Hessen  Foto: Die Gruppe der „Personen mit Migrationshintergrund im weiteren Sinne“ umfasst insgesamt 1,678 Mio. Personen. Darunter sind rund 57.000 Personen mit nicht durchgängig bestimmbarem Migrationshintergrund. Die in der Abbildung dargestellten 1,621 Mio. Personen sind Personen mit Migrationshintergrund im engeren Sinne gemäß Mikrozensus. Quelle: Statistisches Bundesamt (Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2013, Fachserie 1 Reihe 2.2), Darstellung der HA Hessen Agentur GmbH.
Große Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund in Hessen
Große Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund in Hessen  Foto: Statistisches Bundesamt (Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2013, Fachserie 1 Reihe 2.2), Darstellung der HA Hessen Agentur GmbH.

Die Zuwanderung erreicht dabei seit 2009 jährlich neue langjährige Höchstwerte. In regionaler Hinsicht konnte vor allem das Rhein-Main-Gebiet vom Bevölkerungsanstieg profitieren. Die derzeitigen Flüchtlingsbewegungen und ihr Effekt auf die dargestellten Bevölkerungsstatistiken und die daraus resultierenden Gesundheitsbedarfe können hier noch nicht berücksichtigt werden.

Fußnote
  1. RKI: Staatsangehörigkeitsspezifische Sterblichkeitsanalyse 1980 – 1997.
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