Wandel der Formen des Zusammenlebens

Für die Gesundheitsberichterstattung sind Haushaltsstrukturen u. a. deshalb relevant, weil sich aus ihnen Versorgungsbedarfe und ein Inanspruchnahmeverhalten von Gesundheitsdienstleistungen ableiten lassen. Denn es wird davon ausgegangen, dass in Familienstrukturen eher Pflege- und Betreuungsaufgaben übernommen werden als in Einzelhaushalten, die frühzeitiger auf professionelle Hilfe angewiesen sind.

Veränderungen der Haushaltsgröße bzw. deren Struktur spiegeln den Wandel familiärer Lebensformen und des generativen Verhaltens wider. In Deutschland hat sich – vor allem in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts – die Haushaltsstruktur deutlich gewandelt. Mit einem kontinuierlichen Rückgang der Kinderzahl hat auch die durchschnittliche Haushaltsgröße abgenommen. Während im Jahr 1950 die durchschnittliche Anzahl der Personen pro Haushalt bei 3 Personen lag, lebten im Jahr 2003 durchschnittlich 2,15 Personen und im Jahr 2013 noch ­

2,06 Personen in einem Haushalt. Die Anzahl der Privathaushalte in Hessen verdoppelte sich gegenüber 1950 auf 2,94 Millionen im Jahr 2013. Allein in den letzten zehn Jahren stieg dabei die Anzahl der Haushalte um rund 80.000, obwohl sich die Bevölkerungszahl insgesamt kaum verändert zeigt. Im Jahr 2013 waren rund 39 % aller Haushalte Einpersonenhaushalte: Gegenüber 2003 ist die Zahl um 13 % gestiegen (Abb. 39).

Entwicklung der Haushaltsgröße in Hessen zwischen 2003 und 2013
Entwicklung der Haushaltsgröße in Hessen zwischen 2003 und 2013  Foto: Hessisches Statistisches Landesamt (Bericht Haushalte und Familien), Darstellung der HA Hessen Agentur GmbH.

Nicht selten werden vorwiegend im großstädtischen Raum selbst bei Bindung an einen festen Lebenspartner bis in die mittleren Altersstufen hinein getrennte Einpersonenhaushalte geführt. Damit korrespondierend sind das Heiratsalter (erste Eheschließung) und ebenso das Alter der Frau bei der Geburt des ersten Kindes gestiegen. Statistiken der letzten zehn Jahre zeigen, dass die Anzahl der Familien mit mehreren Kindern weiterhin abnimmt: Der Anteil an Familien mit drei oder mehr Kindern reduzierte sich von 12 % (2003) auf 11 % (2013), der von Familien mit einem Kind stieg entsprechend von 51,2 % auf 52,2 %. Aber nicht nur die Haushaltsgröße verändert sich, auch die Bindungsmuster sind vielfältiger geworden. Neben die Ehe treten Lebensgemeinschaften mit Kindern und alleinerziehenden Personen als bedeutende soziale Beziehungsmuster.

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