Ambulante ärztliche Gesundheitsversorgung

Im ambulanten Versorgungssektor wird die vertragsärztliche Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten durch die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung sichergestellt. Die Kassenärztliche Vereinigung ist nach § 77 Abs. 5 SGB V eine rechtsfähige Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung, der alle Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten angehören. In Deutschland gibt es 17 Kassenärztliche Vereinigungen, je Bundesland eine, in Nordrhein-Westfalen zwei. Laut § 99 SGB V haben die Kassenärztlichen Vereinigungen für die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung einen Bedarfsplan nach Maßgabe der Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aufzustellen und jeweils der Entwicklung anzupassen. Auf der einen Seite soll der Bedarfsplan eine ausreichende und flächendeckende Versorgung mit niedergelassenen Ärzten gewährleisten, auf der anderen Seite dient der Bedarfsplan auch der Regulierung, um eine Überversorgung in bestimmten Fachgebieten zu verhindern.

Der aktuelle Bedarfsplan der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen basiert auf der Bedarfsplanungsrichtlinie 2013. Demnach gibt es vier Versorgungsebenen, die jeweils regional unterschiedliche Planungsbereiche aufweisen: Für die hausärztliche Versorgung sind als Planungsbereiche die 67 Mittelbereiche Hessens maßgebend. Nicht so kleinräumig wird die allgemeine fachärztliche Versorgungsebene geplant. Hierunter zählen z. B. Frauenärzte, Augenärzte und Kinderärzte. Die Planungsbereiche sind auf dieser Ebene identisch mit den 26 Landkreisen bzw. kreisfreien Städten Hessens. Für die Versorgungsebene der spezialisierten fachärztlichen Versorgung werden als Planungsbereiche Raumordnungsregionen herangezogen. In Hessen gibt es mit Nord-, Mittel- und Osthessen sowie Rhein-Main und Starkenburg fünf Raumordnungsregionen. Die Planung der gesonderten fachärztlichen Versorgung geschieht für das Gebiet der Kassenärztlichen Vereinigung, also auf Ebene Hessens. Jeweils differenziert nach Planungsbereichen und Fachrichtungen werden Versorgungsgrade berechnet. Steigt der Versorgungsgrad über 110 %, gilt der Planungsbereich als überversorgt und es wird seitens der Kassenärztlichen Vereinigung eine Zulassungsbeschränkung angeordnet. In Tab. 23 bis Tab. 26 ist zum Stand 13. Februar 2014 für die verschiedenen Versorgungsebenen dargestellt, welche Planungsbereiche überversorgt sind und in welchem Planungsbereich Niederlassungen von Ärzten möglich sind.

Zulassungsbeschränkungen auf der Grundlage des Bedarfsplans 2015 spezialisierte fachärztliche Versorgungsebene
Zulassungsbeschränkungen auf der Grundlage des Bedarfsplans 2015 spezialisierte fachärztliche Versorgungsebene  Foto: Kassenärztliche Vereinigung Hessen, Beschluss Landesausschuss 26.11.2015, Datenstand 1.10.2015.
Zulassungsbeschränkungen auf der Grundlage des Bedarfsplans 2015 gesonderte fachärztliche Versorgungsebene
Zulassungsbeschränkungen auf der Grundlage des Bedarfsplans 2015 gesonderte fachärztliche Versorgungsebene  Foto: Kassenärztliche Vereinigung Hessen, Beschluss Landesausschuss 26.11.2015, Datenstand 1.10.2015.
Zulassungsbeschränkungen auf der Grundlage des Bedarfsplans 2015 hausärztliche Versorgungsebene
Zulassungsbeschränkungen auf der Grundlage des Bedarfsplans 2015 hausärztliche Versorgungsebene  Foto: Kassenarztliche Vereinigung Hessen, Beschluss Landesausschuss 26.11.2015, Datenstand 1.10.2015.
Zulassungsbeschränkungen auf der Grundlage des Bedarfsplans 2015 allgemeine fachärztliche Versorgungsebene
Zulassungsbeschränkungen auf der Grundlage des Bedarfsplans 2015 allgemeine fachärztliche Versorgungsebene  Foto: * geöffnet fur Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. ** geöffnet fur arztliche Psychotherapeuten. Quelle: Kassenarztliche Vereinigung Hessen, Beschluss Landesausschuss 26.11.2015, Datenstand 1.10.2015.

Im Bereich der ambulanten Versorgung wurden im Jahr 2013 von den ambulanten Ärztinnen und Ärzten in Hessen über 37 Millionen Fälle behandelt, wobei 46 % der Behandlungsfälle auf Hausärztinnen und Hausärzte entfielen. Es folgen mit weitem Abstand Gynäkologinnen und Gynäkologen mit gut 3,7 Millionen Fällen, Internisten (2,1 Millionen), Augenärztinnen und Augenärzte (2,1 Millionen) sowie Kinderärztinnen und Kinderärzte und Orthopädinnen und Orthopäden (jeweils rund 1,9 Millionen) (Tab. 27).

Tab. 27: Anzahl der Behandlugnsfälle gemäß Bedarfsplanungsrichtlinie (2013) 

Fachgebiete Behandlungsfällie (arztbezogen) Fachgebiete Behandlungsfälle (arztbezogen)
Hausärzte (inkl. hausärztl. Internisten)
17.007.484 Nervenärzte, Neurologen, Psychiater (Doppelzulassung)
1.052.915
Gynäkologen
3.746.911Urologen 922.448
Internisten (fachärztliche Versorgung)
2.158.345 Psychotherapeuten 429.761
Augenärzte2.123.349 Nuklearmedizin306.551
Kinderärzte (haus- und fachärztliche Versorgung)
1.940.000 Anästhesisten 214.493
Orthopäden 1.888.156 Ärzte für physikal. und rehabilitative Medizin
83.412
Hautärzte 1.686.500 Kinder- und Jugendpsychiater
37.061
HNO-Ärzte
1.393.891
Radiologen 1.196.379
Chirurgen
1.055.524 Gesamt37.243.180

Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Hessen 2013, Darstellung der HA Hessen Agentur GmbH.

 

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