Apothekendichte

Seit der letzten Ausgabe des Gesundheitsberichts, dem größtenteils die Zahlen aus Dezember 2010 zugrunde lagen, ist die Zahl der öffentlichen Apotheken in Hessen von 1.614 auf 1.530 gesunken. Die Tendenz zu sinkenden Zahlen findet sich im gesamten Bundesgebiet wieder (-4,9 %); in Hessen tritt sie allerdings stärker zu Tage (-5,5 %). Hinsichtlich der Zahl der zu versorgenden Einwohner pro Apotheke befindet sich Hessen bezogen auf das Bundesgebiet etwa im Durchschnitt: Rechnerisch steht 3.988 Einwohnern eine Apotheke zur Verfügung (Bund: 4.000; EU: 3.200).

Wie in der Statistik aus dem letzten Gesundheitsbericht 2011 zeigt sich die Tendenz zur Konsolidierung weiterhin vor allem in den Städten und dicht besiedelten Gebieten. In den größeren Städten hat sich die Zahl der von einer Apotheke zu versorgenden Einwohner stark erhöht, liegt aber noch immer 10 % unter dem Landesdurchschnitt (Ausnahme: Offenbach). Ganz wird sich diese Diskrepanz nie nivellieren, da die Infrastruktur in Großstädten immer besser bleiben wird als in ländlichen Gegenden.

Inzwischen findet man aber auch in den Landkreisen eine Reduzierung der Apothekendichte: Spitzenreiter sind der Odenwaldkreis, der Kreis Darmstadt-Dieburg und der Wetteraukreis mit über 4.500 zu versorgenden Einwohnern. Dies war zu erwarten, da mit der Reduzierung der Zahl an Landarztpraxen auch eine Reduzierung der Apothekenzahl einhergeht. Auch wenn in vielen anderen strukturarmen Gegenden die Apothekendichte (noch) im Landesdurchschnitt liegt, hat die Bevölkerung aufgrund der geringen Besiedelungsdichte größere Entfernungen zur nächsten Apotheke zurückzulegen. Es soll darauf hingewiesen werden, dass auch innerhalb der Kreise die regionale Verteilung große Unterschiede aufweist: Die scheinbar recht hohe Apothekendichte im Kreis Fulda liegt in der Häufung der Apotheken in der Kreisstadt begründet: 26 der 58 Apotheken im Kreis liegen in deren Stadtbereich.

(Gesundheitsbericht 2015)

Entwicklung der Apothekendichte im Land Hessen

In den letzten 5 Jahren zeigt sich ein minimales Wachstum in der hessischen Bevölkerung. Ein Teil davon geht auf die Korrektur durch den Mikrozensus im Jahr 2012 zurück, dennoch ist dies insgesamt ein gutes Zeichen für den Standort Hessen, wenn man an den Geburtenrückgang in Deutschland und die daraus resultierenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen denkt. Ein wichtiges Anliegen des HMSI ist die Gesundheitsversorgung in unserem Bundesland. Hierbei spielt die sichere Arzneimittelversorgung eine große Rolle, die laut ApoG den Apotheken obliegt. Vergleicht man die Anzahl der Apotheken im Land Hessen innerhalb der letzten 6 Jahre, so sieht man einen fast kontinuierlichen Rückgang der Anzahl an Apotheken in Hessen. Während es 2010 in unserem Bundesland insgesamt 1 614 Apotheken verteilt gab, finden sich derzeit noch 1 512 Apotheken (Stand Januar 2016). Damit steigt die die Zahl der Einwohner, die eine Apotheke mit Arzneimitteln zu versorgen hat, eine Tendenz, die im gesamten Beobachtungszeitraum (die letzten 23 Jahre) zu verfolgen ist. Insgesamt hat sich insbesondere die Reduzierung der Apothendichte in den kreisfreien Städten fortgesetzt, wodurch sich die Zahl der zu versorgenden Einwohner mehr und mehr an die der Landkreise angleicht. Auffällig ist hier vor allem die Stadt Offenbach, die eine starke Abnahme in der Zahl der Apotheken aufweist. Hier muss beobachtet werden, ob die Versorgung durch die benachbarten Kreise (Frankfurt, Offenbach Landkreis) aufgefangen wird. Es muss allerdings beachtet werden, dass es sich bei den Erhebungen um Schlaglichter zu einem bestimmten Zeitpunkt handelt, die z.T. auf sehr geringen Datenmengen beruhen. Inzwischen hat sich die Situation im Offenbach durch Eröffnung einer weiteren Apotheke etwas entspannt (Stand 2. August 2016: 5073 Einwohner/Apotheke). Die Gesamtbeobachtung über mehrere Jahre hinweg ist allerdings bemerkenswert.

Ansonsten ist die Entwicklung im städtischen Bereich für die Arzneimittelversorgung der Gesamtbevölkerung prinzipiell nicht problematisch, auch wenn inzwischen die gleiche Zahl an Menschen von einer Apotheke versorgt werden müssen wie in dünner besiedelten Gebieten. In ländlichen Gebieten ist die Entfernung zu den nächstgelegenen Apotheken auf Grund der niedrigeren Besiedelungsdichte sehr viel größer als im städtischen Bereich, was die Arzneimittelversorgung beschwerlicher macht, vor allem für ältere immobile Menschen. Auf die geographische Verteilung bezogen ist immer noch eine Häufung in den Großstädten und den Subzentren zu erkennen. Für eine detailliert Betrachtung ist außerdem die Skala der Kreisebene vielfach zu grob; so liegen z.B. in der Kreisstadt Fulda (65.500 Einwohner) 21 der 58 Apotheken des gleichnamigen Landkreises (entspricht 1 Apotheke für 3119 Einwohner), während im Umland (wozu z.B. die Rhön gehört) die Apotheken dünn gesät sind (217.000 Einwohner, eine Apotheke für 4096 Einwohner). Erfreulich ist die Entwicklung in den weitläufigen Landkreisen Werra-Meißner-Kreis und Vogelsberg-Kreis.

Die Gründe für die Reduktion der Gesamtzahl an Apotheken sind vielschichtig: Neben der beschriebenen Entwicklung im städtischen Bereich spielt in ländlichen Gebieten der Rückgang der Zahl der Arztpraxen eine Rolle. Dort versuchen die Apotheker, diese Entwicklung durch zusätzliches Engagement aufzufangen (Botendienste, Versendung der Arzneimittel, Rezeptsammelstellen). Das System ist allerdings zunehmend strapaziert. Weiterhin ist bundesweit eine Tendenz zur Zweiteilung der Apothekenlandschaft zu erkennen: große Apotheken, die über Filialapotheken verfügen und neben der ambulanten Versorgung vielerlei weitere Dienste anbieten (Heimversorgung, Krankenhaus-Versorgung usw.) gegenüber kleinen 1-Mann/Frau-Betrieben, die den vermehrten Anforderungen der modernen Arzneimittelversorgung nur bedingt gewachsen sind und z.T. nicht mehr rentabel sind. Sicherlich haben sich auch durch die Kostendämpfungsmaßnahmen auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei der Arzneimittelversorgung verschlechtert.

Die Konkurrenz der Online-Bestellungen ist nur bei den nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln spürbar, für den keine Festpreisregelung existiert. Seit es in Deutschland erlaubt ist, Arzneimittel zu versenden (seit 2004), zeigt sich ein kontinuierliches Wachstum dieses Marktsegments. Onlineapotheken treten immer häufiger in der Öffentlichkeit auf beispielsweise mit Werbespots oder Online Pop-ups. Desweitern ist es weniger zeitraubend schnell per Klick ein Medikament zu besorgen, als es in der Stadt zu kaufen. Auch ältere immobile Personen sind vermehrt online. Da aber die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel etwa 80% des Apothekenumsatzes (Quelle: ABDA) und auch den größten Teil des Gewinns ausmacht, wird darin bisher keine bedrohliche Konkurrenz zu den öffentlichen Apotheken gesehen. Dies könnte sich ändern, wenn der EUGH in einem im Herbst erwarteten Urteil die Preisbindung der Arzneimittel in Deutschland in Frage stellt. Die ortsnahe Apotheke muss durch schnelle Notfallversorgung und Beratung der Patienten ihre Kunden binden und sich die neuen Medien zur pharmazeutischen Betreuung zu Nutze machen (z.B. durch Videoberatung immobiler Patienten).

Als Fazit bleibt, dass von den Apothekenschließungen bisher vermehrt der im städtische Bereich betroffen ist und – auch auf Grund des besonderen Engagements der Landapotheken – die Arzneimittelversorgung in den dünner besiedelten Gebieten derzeit noch gewährleistet ist. Die Zahl der Apotheken liegt bei der in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ähnlich wie im ärztlichen Bereich bereiten insbesondere die Landkreise Sorge, deren Versorgung nicht durch Nachbarkreise aufgefangen werden kann (selbstversorgende Kreise).

(Gesundheitsbericht 2016)

Apothekendichte in den hessischen Land und Stadtkreisen
Apothekendichte in den hessischen Land und Stadtkreisen  Foto: Apothekendichte in Hessen (erstellt nach Angaben der Landesapothekerkammer Hessen)

Entwicklung der Apothekendichte in den hessischen Landkreisen

Entwicklung der Apothekendichte in den hessischen Landkreisen
Entwicklung der Apothekendichte in den hessischen Landkreisen  Foto: E. Weitzel Hessisches Ministerium für Soziales und Integration V 4A, Landesapothekerkammer Hessen, Hessischer Statistiker Landesamt
© Copyright 2018-2020 - Hessisches Ministerium für Soziales und Integration