Arzneimittelversorgung

Laut Apothekengesetz obliegt den Apotheken die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln. Auch wenn man dabei vor allem das Bild der Offizin einer öffentlichen Apotheke vor Augen hat, gibt es noch andere Bereiche, in denen sie tätig sein müssen, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden.

Die Versorgung der Krankenhäuser mit Arzneimitteln erfolgt entweder durch eine eigene Krankenhausapotheke, durch eine andere Krankenhausapotheke oder durch eine öffentliche Apotheke. In Hessen gibt es (nur) noch 23 Krankenhausapotheken, die wiederum eine ganze Reihe von Krankenhäusern versorgen. Hinzu kommen 65 krankenhausversorgende öffentliche Apotheken.

Auch Alten- und Pflegeheime müssen mit Arzneimitteln versorgt werden, vor allem wenn die Bewohner nicht mehr selbst dazu in der Lage sind. Apotheken können Arzneimittellieferverträge mit Heimen abschließen; die freie Apothekenwahl bleibt allerdings erhalten. 619 Apotheken in Hessen sind in dieser Hinsicht tätig.

Eine Sonderform stellt die Versorgung mit onkologischen Zubereitungen dar. Da die Patienten ambulant behandelt werden, muss es eine flächendeckende Versorgung mit diesen individuell hergestellten und nur kurz aufzubewahrenden Infusionslösungen geben. Normalerweise muss eine Apotheke in der Lage sein, die rezeptierten Arzneimittel selbst herzustellen. Da die (Steril-)Herstellung von Onkologika eine sehr aufwendige Ausrüstung und der Umgang mit den hochtoxischen Produkten besondere Arbeitsschutzmaßnahmen erfordert, ist in diesem Sonderfall eine Spezialisierung der Apotheken möglich. In Hessen gibt es noch 45 Zytostatika herstellende Apotheken (öffentliche und Krankenhausapotheken).

Um abgelegene Ortschaften zu versorgen, gibt es das Instrument der Rezeptsammelstellen. Dort können die Patienten Rezepte einwerfen, die regelmäßig abgeholt und bedient werden. Rezeptsammelstellen sind von der Landesapothekerkammer zu genehmigen, zurzeit sind es in Hessen 204.

Auch der Versandhandel mit Arzneimitteln trägt zur Arzneimittelversorgung der Bevölkerung bei. Große Versender sind in Hessen nicht lokalisiert; aber die hessischen Apotheken nutzen ihre Erlaubnis, um einen etwas größeren Kundenkreis zu versorgen, was vor allem in dünn besiedelten Gebieten wirksam sein kann. Zu betonen ist, dass Arzneimittel in Deutschland nur von Apotheken versendet werden dürfen, die über eine entsprechende behördliche Erlaubnis verfügen; in Hessen sind dies aktuell 223 Apotheken. Wenn sie ihre Arzneimittel auch im Internet anbieten, sind sie wie alle regulären deutschen Internetanbieter von Arzneimitteln in der neuen europäischen Datenbank registriert, die Ende Juni 2015 das ehemalige deutsche Versandhandelsregister abgelöst hat. Damit dürfen sie das neue europäische Sicherheitslogo führen; die entsprechende Liste der Erlaubnisträger ist beim Deutschen Institut für Dokumentation und Information (DIMDI) hinterlegt. Diese Maßnahmen sind in der EU-Fälschungsrichtlinie festgeschrieben, da im Arzneimittelbereich eine Zunahme illegaler Akteure zu verzeichnen ist, die vor allem via Internet Arzneimittel mit unsicherer Qualität (nicht behördlich zugelassene Arzneimittel, Arzneimittel mit nicht deklarierten Wirkstoffen bis hin zu Totalfälschungen) vertreiben und sich ähnlich wie bei Bankgeschäften hinter seriösen Apotheken verbergen.

Da es nicht allgemein bekannt ist, soll hier nochmals darauf hingewiesen werden, dass für den Import aus dem Ausland (auch EU-Ausland!) weitere Einschränkungen gelten: Privatpersonen dürfen nur bei Apotheken aus bestimmten Ländern bestellen: Niederlande, Vereinigtes Königreich, Tschechien (nur nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel), Schweden (nur verschreibungspflichtige Arzneimittel) und Island. Der Import aus anderen Staaten muss über eine öffentliche Apotheke erfolgen.

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