Menschenwürdig leben und sterben

Sterben gehört zum Leben. Der Hospizbewegung ist es zu verdanken, dass der Tod zurück ins Leben, in die gesellschaftliche Debatte geholt wurde. Dies ermöglicht es, dass Ängste vor dem Sterben, vor Schmerzen oder dem „Danach im Alltag“ thematisiert und bearbeitet werden können. Angehörige haben es nicht immer leicht, den richtigen Umgang damit zu finden. Oft wird in dieser Phase die emotionale Beziehung zwischen Sterbenden und Angehörigen aufgearbeitet.

Ziel der Hospizarbeit ist es, Leiden und Ängste zu lindern, Lebensqualität aufrechtzuerhalten und den sterbenden Menschen zu ermöglichen, ihren letzten Lebensabschnitt in angemessener und würdiger Weise zu verbringen. Aus dem Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit erwächst oft eine ungeahnte und sinngebende Lebenskraft. Auch hierin liegt die Chance der Sterbebegleitung. Ebenso gilt es, den Angehörigen beizustehen und zu zeigen, dass Tod und Trauer Teile eines erfüllten Lebens sind. Hospiz­arbeit und Palliative Care haben vor allem die lindernde Hilfe sowie eine ganzheitliche Fürsorge zum Ziel, die die Menschen nicht nur mit ihren körperlichen Bedürfnissen (Schmerzfreiheit), sondern auch in ihren psychosozialen und spirituellen Nöten und Wünschen wahrnimmt. Sie zielt nicht auf lebensverlängernde Maßnahmen um jeden Preis. Die lebensbejahende Grundeinstellung schließt aktive Sterbehilfe jedoch aus.

Die Hospizbewegung hat in Hessen ein breites vielfältiges Angebot an Hospizdiensten in unterschiedlichen organisatorischen Formen entwickelt. Es gibt ambulante Hospizdienste sowie teilstationäre und stationäre Hospizeinrichtungen. Allen gemeinsam ist das Ziel, dass engagierte und qualifizierte ehren- und hauptamtliche Hospizmitarbeiterinnen und Hospizmitarbeiter gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und Seelsorgerinnen und Seelsorgern in einem multiprofessionellen Team und Netzwerk arbeiten. Bürgerschaftliches Engagement bildet bis heute den Kern der gesamten Hospizarbeit und wird auch in Zukunft Basis und tragende Säule sein. Die ehrenamtlich Engagierten wirken auch als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in die Gesellschaft hinein.

Seit dem 1. April 2007 wird die „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)“ von den Krankenkassen finanziert. Sie umfasst ärztliche und pflegerische Leistungen einschließlich ihrer Koordination insbesondere zur Schmerztherapie und Symptomkontrolle. Die Leistung zielt darauf ab, die Betreuung von Patientinnen und Patienten in der vertrauten Umgebung des häuslichen oder familiären Bereichs zu ermöglichen. Hessen war das erste Bundesland, in dem die Finanzierung der SAPV durch eine Vereinbarung mit den Krankenkassen fast flächendeckend vertraglich geregelt worden ist.

In der ambulanten Versorgung existieren landesweit 113 ambulante Hospizinitiativen, davon acht ambulante Kinderhospizdienste. Im Jahr 2014 wurden 69 von 113 Diensten nach § 39a (2) SGB V gefördert, d. h. mindestens eine hauptamtliche Koordinationskraft für den Einsatz der ehrenamtlichen Hospizmitarbeitenden. Außerdem gibt es inzwischen in der ambulanten Versorgung 22 Palliative-Care-Teams, finanziert durch die SAPV (§ 37b SGB V), und drei Zentren für spezialisierte ambulante Kinderpalliativversorgung. Für eine stationäre Versorgung stehen landesweit 15 stationäre Hospize, davon ein stationäres Kinderhospiz und 36 stationäre Palliativeinrichtungen (Palliativstationen oder Betten innerhalb einer Station) zur Verfügung.

 

© Copyright 2018-2020 - Hessisches Ministerium für Soziales und Integration