Ausgewählte altersspezifische Aspekte

Erstes Lebensjahr: Säugling

Der Start in das Leben wird bei einem Teil der Kinder durch Komplikationen in der Schwangerschaft erschwert.

Frühgeborene

Häufige Folge von Komplikationen ist eine frühe Geburt: Von den im Jahr 2013 in hessischen Kliniken geborenen Kindern kamen 7,1 % nach den Zahlen der Geschäfts­stelle Qualitätssicherung Hessen mit einem Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm auf die Welt.1 Der gleiche Prozentsatz wurde auch aus der hessischen Schuleingangsuntersuchung für Kinder, die im Jahr 2013 eingeschult werden sollten, ermittelt, bezieht sich dann aber auf die Geburtsjahrgänge 2007 bis 2008. Aus der Schuleingangsuntersuchung ist ablesbar, dass Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht im Jahr vor dem Schuleintritt weitaus öfter als andere Kinder Fördermaßnahmen in Anspruch nahmen. Auch zeigten sie in der Schuleingangsuntersuchung deutlich häufiger gesundheitliche Auffälligkeiten.

Fehlbildungen und angeborene Krankheiten

Komplikationen der Schwangerschaft und angeborene Fehlbildungen oder Krankheiten sind die häufigsten Ursachen für das Versterben im ersten Lebensjahr (siehe Mortalität und Todesursachen/Die altersspezifische Sterblichkeit und die häufigsten Todesursachen).

Plötzlicher Kindstod

Eine oft vermeidbare Todesursache des ersten Lebens­jahres ist der plötzliche Säuglingstod, an dem im Jahr 2013 in Hessen 16 Säuglinge verstarben. Risikofaktoren sind die Überwärmung des Säuglings im Schlaf, die Schlafposition oder auch das Rauchen der Eltern in Anwesenheit des Säuglings.

Infektionskrankheiten

Im ersten Lebensjahr treten Erreger des Verdauungs­systems wie Rotaviren und Noroviren häufig auf. Im Mittel der Jahre 2005 bis 2014 wurden in Hessen knapp 1.700

Vorsorge im ersten Lebensjahr

Kurz nach der Geburt wird in Hessen ein Screening auf angeborene Stoffwechselerkrankungen und ein Hörscreening durchgeführt. In den ersten zwölf Monaten erfolgt auch die Grundimmunisierung des Kindes.

Die von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten U-Untersuchungen U1 bis U6 fallen ebenfalls ins erste Lebensjahr. Durch das hessische Kindergesundheitsschutzgesetz wurden die U-Untersuchungen U1 bis U9 verbindlich.

Ein wesentlicher Beitrag für die weitere gesundheitliche Entwicklung des Kindes kann in diesem Alter durch langes Stillen des Kindes erreicht werden.

 

Erkrankungen des Verdauungssystems im ersten Lebensjahr erfasst. Davon entfielen 61 % auf Rotaviren und 25 % auf Noroviren. Die wahren Erkrankungszahlen dürften deutlich höher liegen, da nicht alle Erkrankungen diagnostiziert und gemeldet werden. Bakterielle Magen-Darm-­Infektionen sind in dieser Altersgruppe eher selten.

Stillen

Die WHO empfiehlt, Babys für sechs Monate ausschließlich zu stillen. Aufgrund von aktuellen Studien wird diese Empfehlung immer wieder diskutiert. Dem Stillen wird auch ein präventiver Effekt für Allergien zugeschrieben. Bundesweit betrug die Quote jemals gestillter Kinder nach den Daten der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts 2 2009 bis 2012 82 % und lag damit rund 5 % über dem Wert, der in der Initialerhebung der KiGGS-Studie in den Jahren 2003 bis 2006 erhoben worden war. Der Sozialstatus spielt eine deutliche Rolle: Die Stillquote und Stillzeit steigt mit dem Bildungsniveau der Mutter (Abb. 4).

Stillquoten Anteil jemals gestillter Kinder in Deutschland
Stillquoten Anteil jemals gestillter Kinder in Deutschland  Foto: KiGGS-Studie 2 (Welle 1) 2014.
Fußnote
  1. Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen: Qualitätssicherung in der Geburtshilfe. Jahresauswertung 2013 vom 15. Mai 2014.
  2. Von der Lippe E. Brettschneider A-K. Gutsche J. et al. (2014): Einflussfaktoren auf Verbreitung und Dauer des Stillens in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1). Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 57 (7): 849–859.
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