Elftes bis vierzehntes Lebensjahr: Beginn der Pubertät

Auf dem Weg zum Jugendlichen und dann zum Erwachsenen müssen die Kinder mit den nun einsetzenden raschen Veränderungen ihres Körpers und ihrer Gefühlswelt fertig werden. Der körperliche Reifungsprozess hat sich in 100 Jahren um etwa zwei Jahre nach vorne verlagert. Bei Mädchen zeigt sich ein negativer Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index und der körperlichen Reifung: Übergewichtige Mädchen entwickeln sich schneller, untergewichtige Mädchen langsamer.

Die Verkehrsunfallrate stieg in dieser Altersgruppe im Vergleich zum Grundschulalter noch einmal deutlich an und erreichte nach der hessischen Statistik der Straßenverkehrsunfälle eine Rate von 327 pro 100.000. Dies ist insbesondere auf Fahrradunfälle zurückzuführen, deren Rate sich im Vergleich zum Grundschulalter fast verdreifacht.

Häufigste Erkrankungen

Asthma ist mit einer 12-Monats-Prävalenz von 4,8 % bei Mädchen und 5,2 % bei Jungen nach den Zahlen der KiGGS-Studie1 vor allem bei den Mädchen dieser Altersgruppe häufiger als noch im Grundschulalter. Die 12-Monats-Prävalenz bei Heuschnupfen stieg für beide Geschlechter an und erreichte 10,6 % bei Mädchen und 12,7 % bei Jungen.

Der in derselben Studie festgestellte Anteil an Kindern mit ADHS erreichte in dieser Altersgruppe 6,7 %. Nach Elterneinschätzung auf Basis eines Fragebogens zeigten 16,7 % der Mädchen und 29,5 % der Jungen dieser Altersgruppe psychische Auffälligkeiten2 ( Abb. 3 ).

1. Subjektives Gesundheitsempfinden

Die hessische HBSC-Studie gibt Aufschluss über die subjektiv empfundene Gesundheit in den Klassenstufen 5, 7 und 9. Vier von fünf der befragten Kinder und Jugend­lichen sehen ihre Gesundheit positiv. Bei den Mädchen gibt es mit Zunahme an Lebensjahren eine rückläufige Tendenz. Zudem spielt hier stärker als bei den Jungen der soziale Status eine Rolle.

Tab. 2: Subjektive Gesundheit von Jungen nach Alter, Sozialstatus und Migrationshintergrund

Test
  schlecht/einigermaßen gut/ausgezeichnet
Jungen gesamt (n=534) 11,4 % 88,6 %
Klassenstufe (n=534)    
5. Klasse 8,3 % 91,7 %
7. Klasse 13,3 % 86,7 %
9. Klasse 13,1 % 86,9 %
Familiärer Wohlstand (n=482)    
Niedrig 12,1 % 87,9 %
Mittel 11,0 % 89,0 %
Hoch 11,8 % 88,2 %
Migrationshintergrund (n=530)    
Kein 11,8 % 88,2 %
Einseitig 8,9 % 91,1 %
Beidseitig 12,5 % 87,5 %
Gesamt (n=1.046)    
Männlich und weiblich 13,5 % 86,5 %

Legende: Dargestellte Daten aus HBSC Hessen. Für die Analyse wurden die beiden Antwortmöglichkeiten „einigermaßen“ und „schlecht“ und die Antworten „gut“ und „ausgezeichnet“ jeweils in einer Kategorie zusammengefasst. In Hessen bewerten 11,5 % der männlichen und 15,6 % der weiblichen Jugendlichen ihren eigenen Gesundheitszustand als schlecht/einigermaßen (Vergleich Bund: 10,2 % der Jungen und 16,7 % der Mädchen bezeichnen ihren Gesundheitszustand als schlecht). Die subjektive Bewertung der Jungen hinsichtlich des familiären Wohlstands, des Migrationshintergrunds oder der Klassenstufe variiert in Hessen nur wenig (max. 5 Prozentpunkte). Im Bundesvergleich fällt die Einschätzung von Mädchen und Jungen aus Familien mit mittlerem oder hohem familiären Wohlstand häufiger als „ausgezeichnet“ aus (max. +10 Prozentpunkte). Quelle: Health Behaviour in School-aged Children – A WHO Cross National Survey (HBSC) 2014 (Hessen).

Tab. 3: Subjektive Gesundheit von Mädchen nach Alter, Sozialstatus und Migrationshintergrund

  schlecht/einigermaßen gut/ausgezeichnet
Mädchen gesamt (n=512) 15,6 % 84,4%
Klassenstufe (n=512)    
5. Klasse 8,8 % 91,2 %
7. Klasse 18,5 % 81,5 %
9. Klasse 19,6 % 80,4 %
Familiärer Wohlsstand (n=478)    
Niedrig 24,1 % 75,9 %
Mittel 13,3 % 86,7 %
Hoch 9,3 % 90,7 %
Migrationshintergrund (n=508)    
Kein 14,0 % 86,0 %
Einseitig 7,0 % 93,0 %
Beidseitig 22,9 % 77,1 %
Gesamt (n=1.046)    
Männlich und weiblich 13,5 % 86,5 %

Legende: Dargestellte Daten aus HBSC Hessen. Für die Analyse wurden die beiden Antwortmöglichkeiten „einigermaßen“ und „schlecht“ und die Antworten „gut“ und „ausgezeichnet“ jeweils in einer Kategorie zusammengefasst. In Hessen bewerten 11,5 % der männlichen und 15,6 % der weiblichen Jugendlichen ihren eigenen Gesundheitszustand als schlecht/einigermaßen (Vergleich Bund: 10,2 % der Jungen und 16,7 % der Mädchen bezeichnen ihren Gesundheitszustand als schlecht). Die subjektive Bewertung der Jungen hinsichtlich des familiären Wohlstands, des Migrationshintergrunds oder der Klassenstufe variiert in Hessen nur wenig (max. 5 Prozentpunkte). Im Bundesvergleich fällt die Einschätzung von Mädchen und Jungen aus Familien mit mittlerem oder hohem familiären Wohlstand häufiger als „ausgezeichnet“ aus (max. +10 Prozentpunkte). Quelle: Health Behaviour in School-aged Children – A WHO Cross National Survey (HBSC) 2014 (Hessen).

Tab. 2 und Tab. 3 beschreiben die prozentualen Häufigkeitsverteilungen der subjektiven Gesundheit unter Berücksichtigung der Klassenstufe, des Migrationshintergrunds und des familiären Wohlstands3, wobei Tab. 2die Häufigkeitsverteilung der Jungen und Tab. 3 die Häufigkeitsverteilung der Mädchen beschreibt.

2. Genussmittel

Viele Kinder kommen in dieser Lebensphase mit Alkohol und Zigaretten in Kontakt. (Tab. 4) Suchtmittelmissbrauch wird daher ebenfalls im Programm Schule und Gesundheit behandelt.

Tab. 4: Angaben hessischer Schüler zu Genussmitteln

2010 Klasse 5 Klasse 7 Klasse 9
Hat schon geraucht 8 % 26 % 54 %
War betrunken 3 % 13 % 55 %

Quelle: Health Behaviour in School-aged Children – A WHO Cross National Survey (HBSC) 2010 – Hessen

3. Gewalt und Mobbing

Das Wohnumfeld ist bei vielen hessischen Kindern und Jugendlichen nicht konfliktfrei: 3 % der Jungen und 34 % der Mädchen teilten mit, dass es in ihrer Wohngegend Jugendliche gibt, die „Ärger machen“.

Anteil an Schülern die häufiger als 2 bis 3 mal im Monat gemobbt wurden
Der Geschlechtsunterschied in der 5. Klasse: statistisch signifikant   Foto: HBSC-Studie 2014 (Hessen), n=1.046.

Im Jahr 2006 gaben von den 2.929 befragten hessischen Schülern knapp 40 % der Mädchen und Jungen der Klassenstufen 5 und 7 an, in den letzten Monaten Opfer von Schikane oder Mobbing geworden zu sein. Bundesweite Daten einer anderen Studie waren dort etwas niedriger: 31 % der Jungen und 16 % der Mädchen führten an, in den letzten zwölf Monaten Gewalterfahrungen als Opfer oder Täter gemacht zu haben4. Dabei fällt auf, dass die befragten Schüler in beiden Studien deutlich häufiger angaben, Täter zu sein als Opfer. Zudem gibt es bei Kindern mit niedrigem sozialökonomischen Status und Migrationshintergrund Hinweise auf eine erhöhte Gewaltbereitschaft und ein erhöhtes Risiko, Opfer zu sein. Der Anteil an Tätern und Opfern sinkt von Hauptschulen (41 %) über Realschulen (31 %) zu Gymnasien (22 %).

Im Jahr 2010 waren die Fünftklässler am häufigsten von Mobbing betroffen. Der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen zeigt sich auch in den einzelnen Klassen­stufen, gleichwohl der Anteil von schikanierten Schülern in höheren Klassenstufen kleiner ist. Abb. 6 skizziert die ­geschlechtsspezifische Verteilung von Jugendlichen, die gemobbt wurden, getrennt nach der Klassenstufe

Vorsorge im frühen Jugendalter

Zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr wird die J1 (erste Jugendgesundheitsuntersuchung) angeboten. Dabei werden u. a. bestimmte Auffrischimpfungen durchgeführt und Impflücken geschlossen. Weitere zentrale Präventionsbereiche neben den Bereichen Ernährung und Bewegung sind in dieser Altersgruppe die Suchtprävention und Sexualauf­klärung. In diesem Zusammenhang spielt auch die Verhütung sexuell übertragbarer Krankheiten eine Rolle.

Fußnote
  1. R. Schmitz, M. Thamm, U. Ellert, M. Kalcklösch, M. Schlaud: KiGGS Study Group: Chronische Erkrankungen und impfpräventable Infek­tionserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1). Bundesgesundheitsbl 2014, 57: 771–778.
  2. Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2014): Psychische Auffälligkeiten. Faktenblatt zu KiGGS Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Erste Folgebefragung 2009 – 2012.RKI, Berlin.
  3. In die Berechnung der Determinante „Familiärer Wohlstand“ fließen folgende Fragen ein: „Wie viele Computer besitzt deine Familie insgesamt?“ „Besitzt deine Familie ein Auto?“ „Hast du ein eigenes Zimmer nur für dich allein?“, „Wie viele Badezimmer habt ihr zu Hause?“ „Hat deine Familie eine Geschirrspülmaschine zu Hause?“ „Wie häufig bist du im letzten Jahr in den Urlaub ins Ausland gefahren?“ und „Wie viele Bücher gibt es ungefähr bei dir zu Hause?“. Für die Berechnung wurden die obigen Variablen z-standardisiert und anschließend aufaddiert. Der dabei entstandene additive Index wurde in drei gleich große Terzile eingeteilt. Das unterste Terzil bildet dabei den untersten, das mittlere Terzil den mittleren und das obige Terzil einen hohen familiären Wohlstand ab.
  4. Health Behaviour in School-aged Children – A WHO Cross National Survey (HBSC) 2006. Verantwortlich für den hessischen Studienteil: Prof. Dr. Andreas Klocke, Fachhochschule Frankfurt.
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