Siebtes bis Zehntes Lebensjahr: Grundschule

Die Lebensphase mit dem geringsten Sterberisiko durchläuft der Mensch im Alter von sieben bis etwa elf Jahren. In dieser Altersgruppe treten jährlich etwa acht Todesfälle unter 100.000 Kindern auf.

In der Grundschulzeit steigt durch die wachsende eigenständige Mobilität die Zahl der Verkehrsunfälle an. Nach der hessischen Statistik der Straßenverkehrsunfälle 2013 1 verunglückten im Jahr 2013 499 hessische Kinder dieser Altersgruppe im Straßenverkehr, dies entspricht 234 von 100.000 Kindern. Fast die Hälfte der Kinder saß in einem Pkw (240 Kinder), ein weiteres Drittel (160 Kinder) verunglückte als Fußgänger.

Statistische Daten zum Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder nach dem Schuleintritt können bundesweit erst wieder aus der kommenden Welle 2 der KiGGS-Studie abgelesen werden.

Häufige Erkrankungen

Die Häufigkeit akuter Infekte geht in dieser Altersgruppe im Vergleich zu den Kindergartenkindern zum Teil deutlich zurück. Im Grundschulalter verringern sich auch die Meldezahlen viraler Magen- und Darminfektionen, dafür erhöhten sich aber die Meldezahlen bakterieller Magen- und Darminfektionen durch Campylobacter und Yersinien. Die Prävalenz von Heuschnupfen im Jahr vor der Untersuchung betrug nach den Zahlen der KiGGS-Studie 9,4 % bei Jungen und 6,9 % bei Mädchen. Bei Neurodermitis lag die 12-Monats-Prävalenz bei 5,3 % für Mädchen und 5,5 % für Jungen. An Asthma waren 2,1 % der Mädchen und 4,7 % der Jungen erkrankt 2 (siehe Abb. 3).

Hyperkinetische Störungen

In dieser Lebensphase beginnen hyperkinetische Störungen (Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörungen) eine stärkere Rolle zu spielen. So lag bei 5,1 % der in der KiGGS-Studie untersuchten Kinder eine ADHS-Diagnose vor.3 Dies entspricht auch den Auswertungen der morbiditätsbezogenen Daten der Kassen aus dem Gesundheitsbericht 2011. Inzwischen wurden die Diagnose-Gruppierungen hier verändert, sodass ADHS mit dieser Methode nicht mehr separat ausgewertet werden kann.

Ergo- und Logopädie

In der Zeit des Schuleintritts und auch noch in den ersten Schuljahren besteht ein hoher Bedarf an ergotherapeutischen und sprachtherapeutischen Maßnahmen. Nach den Zahlen des WIdO-Heilmittelberichts 4 nahmen im Jahr 2013 bundesweit 24,9 % der bei der AOK mitversicherten Jungen von fünf bis neun Jahren und 15,4 % der Mädchen Heilmittel in Anspruch. Zudem waren 10,5 % der Jungen und 4,5 % der Mädchen zwischen fünf und neun Jahren in ergotherapeutischer Behandlung. Sprachtherapie wurde besonders häufig im Alter des Schuleintritts verordnet. Von den sechsjährigen Kindern waren 24,6 % der Jungen und 16,7 % der Mädchen in Behandlung.

Vorsorge bei Grundschulkindern

In die Grundschulzeit fallen zwei weitere Vorsorgeuntersuchungen U10 und U11.

Etwa 71 % der Kinder in Grundschulen erhielten mindestens eine Präventionsmaßnahme zur Mundgesundheit (z. B. Gruppenprophylaxe). 96,4 % der Erstklässler hatten naturgesunde bleibende Zähne.

In der Altersspanne von neun bis vierzehn Jahren wird für Mädchen die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) empfohlen, die Gebärmutterhals­krebs auslösen können. Je nach Impfstatus sollen in dieser Altersgruppe Impflücken geschlossen und Auf­frischimpfungen durchgeführt werden.

Bewegung und Ernährung sind zwei zentrale Felder der Prävention in dieser Altersgruppe. So wurde die Gesundheitsförderung in den Schulkonzepten verankert.

Fußnote
  1. Statistik der Straßenverkehrsunfälle, Statistisches Bundesamt.
  2. H. Neuhauser, C. Poethko-Müller:, KiGGS Study Group: Chronische Erkrankungen und impfpräventable Infektionserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1). Bundesgesundheitsbl 2014, 57: 779–788.
  3. Hat die Häufigkeit elternberichteter Diagnosen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Deutschland zwischen 2003–2006 und 2009–2012 zugenommen? Ergebnisse der KiGGS-­Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1). Schlack R., Mauz E., Hebebrand J., Hölling H., KiGGS Study Group (2014) Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 57(7
  4. Wissenschaftliches Institut der AOK. Heilmittelbericht 2014. Berlin: 2014
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