Viertes bis Sechstes Lebensjahr: Kindergartenkind

Im Alter ab drei Jahren findet noch für die meisten Kinder der erste Kontakt mit einer professionellen Erziehungseinrichtung statt. Zu einem Stichtag am 1.3.2014 wurden in Hessen aber immerhin schon 28,8 % der Kinder unter drei Jahren als betreut gezählt (etwas mehr als der Schnitt der Westbundesländer mit 27,4 %, aber deutlich unter dem Schnitt der Ostbundesländer mit 52 %).1

Zum Zeitpunkt der hessischen Schuleingangsuntersuchung 2014 hatten 96 % der untersuchten Kinder mindestens 18 Monate einen Kindergarten besucht. In dieser Altersgruppe werden verschiedene Entwicklungsverzögerungen und -störungen manifest und es können Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. In der hessischen Schuleingangsuntersuchung wird deshalb die Inanspruchnahme eines Integrationsplatzes oder einer Frühförderung ebenso erfasst wie Ergotherapie, Logopädie oder Physiotherapie in den letzten zwölf Monaten vor der Untersuchung. Von den Mädchen der hessischen Schul­eingangsuntersuchung 2014 hatten 16 %, von den Jungen 28 % an mindestens einer der abgefragten Fördermaßnahmen teilgenommen.

Körperliche Befunde – Schuleingangsuntersuchung

Die hessische Schuleingangsuntersuchung erfasst u. a. die Häufigkeit körperlicher Befunde zum Ende der Kindergartenzeit. Eine körperliche Untersuchung ist in diesem Rahmen allerdings nur in begrenztem Umfang möglich. Die Augen (Sehschärfe, Stereosehen und Farbsinn) und das Hören werden mit standardisierten Testverfahren geprüft.

Anteil von Kindern mit Befunden nach Geschlecht in der hessisches Schuleingaungsuntersuchung 2014
Anteil von Kindern mit Befunden nach Geschlecht in der hessisches Schuleingaungsuntersuchung 2014  Foto: Hessische Schuleingangsuntersuchungen.

Abb. 5 stellt die Anteile der Kinder dar, für die in der hessischen Schuleingangsuntersuchung ein auffälliger Befund dokumentiert wurde. Hierbei werden sowohl bereits ­manifeste und behandelte Krankheiten oder Störungen als auch erst im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung entdeckte Auffälligkeiten gezählt. Während die An­teile beider Geschlechter bei einer Reihe von körperlichen ­Befunden (Ausnahmen: Farbsinnstörung, Abdomen, Neurologie) zumeist ähnlich sind, zeigt sich bei den entwicklungsbezogenen Befunden ein deutlicher Unterschied zuungunsten der Jungen. Vor der Einschulung waren im Jahr 2014 in Hessen 10,4 % der Kinder übergewichtig, darunter 4,4 % fettleibig (adipös). In Hessen, wie auch bundesweit, war eine Stabilisierung des Anteils der übergewichtigen und fehlernährten Kinder zu beobachten. Ein ähnlicher Trend war im letzten Jahrzehnt auch bundesweit festzustellen.

Weitere häufige Erkrankungen

Allergische Erkrankungen haben in dieser Lebensphase einen ersten Schub. Eine Episode von Heuschnupfen im Jahr vor der Untersuchung hatten in der Welle 1 der KiGGS-Studie von 2009–12 7,9 % der Mädchen und 10,8 % der Jungen.2 13,7 % der Mädchen und 12,9 % der Jungen hatten Neurodermitis3  und 6,8 % der Mädchen gegenüber 6,6 % der Jungen Asthma bronchiale4. Bei den gemeldeten Infektionskrankheiten der Verdauungsorgane nehmen nun die Salmonellosen mit 32 % vor Rotaviren (31 %) und Noroviren (16 %) die ersten Plätze ein.

Vorsorge bei Kindergartenkindern

Mit den Untersuchungen U8 und U9 wird der Katalog der in Hessen gesetzlich vorgeschriebenen Kinder-Vorsorgeuntersuchungen abgeschlossen.

Bei Kindern im Alter von vier bis viereinhalb Jahren wird in Hessen das freiwillige KiSS „Kindersprachscreening“ in Kindertagesstätten angeboten, mit dem frühzeitig vor Schulbeginn Förderungsbedarf erkannt werden soll.

Vor der Einschulung erfolgt dann noch die verpflich­te­nde Teilnahme an der Schuleingangsuntersuchung. Diese Untersuchung erfasst den Entwicklungsstand und die gesundheitliche Situation des Kindes und gibt auf dieser Basis eine medizinische Empfehlung für die Einschulung und ggf. weitere Fördermaßnahmen ab.

Allgemeine Präventionsmaßnahmen, Maßnahmen bei Entwicklungsstörungen oder -verzögerungen werden durch eine Vielzahl von Programmen umgesetzt. So erhielten etwa 66 % der Kinder in Kindergärten in Hessen mindestens eine Präventionsmaßnahme zur Mundgesundheit, d. h. Untersuchungen oder theoretische Unterweisungen. In den letzten zehn Jahren ist der Kariesbefall bei Kindern in Hessen um durchschnittlich 75 % zurückgegangen.5 

Fußnote
  1. Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Kindertagesbetreuung regional 2014. Online verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Soziales/KinderJugendhilfe/ KindertagesbetreuungRegional5225405147004.pdf?__blob=publicationFile  
  2. Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2014): Heuschnupfen. Faktenblatt zu KiGGS Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Erste Folgebefragung 2009 – 2012. RKI, Berlin.
  3. Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2014): Neurodermitis. Faktenblatt zu KiGGS Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Erste Folgebefragung 2009 – 2012. RKI, Berlin.
  4. Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2014): Asthma bronchiale. Faktenblatt zu KiGGS Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Erste Folgebefragung 2009 – 2012. RKI, Berlin.
  5. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V.: Dokumentation der Maßnahmen zur Gruppenprophylaxe.
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