Häufigkeit von Entwicklungsstörungen zu Schulbeginn

Zum Untersuchungskatalog der hessischen Schuleingangsuntersuchungen gehört auch ein Screening des Entwicklungsstandes (S-ENS). Dabei werden die Bereiche Koordination („Seitwärtsspringen“), Visuomotorik („Figuren malen und ergänzen“), Visuelle Perzeption („Bildkarten zuordnen“) sowie Sprachtests („Pseudowörter“, „Wörter ergänzen“ und „Sätze nachsprechen“) geprüft.

Sprache, Wahrnehmung und Koordination

Der Anteil auffälliger Kinder bei diesen Testverfahren lag im Jahr 2014 zwischen 7,3 % beim Koordinationstest und 14,5 % beim Test „Sätze nachsprechen“. Jungen waren in allen Tests häufiger auffällig als Mädchen. In der Zusammenschau haben viele Kinder mit ethnischen Wurzeln aus der Türkei, Asien, Lateinamerika, dem arabischen Raum und auch aus Subsahara-Afrika Testergebnisse, die auf motorische und/oder sprachliche Entwicklungsstörungen hinweisen und einen entsprechenden Handlungsbedarf aufzeigen.

Dieses Ergebnis lässt sich anhand einer Grafik (Abb. 16) zusammenfassen, in der die Ergebnisse der Tests Koordination, Visuomotorik und Visuelle Perzeption als „Testscore“ und die Sprachtests (Pseudowörter, Wörter ergänzen und Sätze nachsprechen) als „Sprachscore“ dargestellt werden. 

Zu sehen die Ergebnisse nach Kontinent
Testergebnisse zum Entwicklungsstand nach Migrationshintergrund bei der Einschulungsuntersuchung  Foto: Legende: Die in jedem Test erreichte Punktzahl wird durch die maximale Punktzahl geteilt. Die Ergebnisse der drei Tests pro Score werden addiert (Maximalscore ist 3,00). Die Fläche der Kreise ist äquivalent zur Zahl der untersuchten Kinder. Je höher und je weiter rechts der Kreis ist, umso besser das Abschneiden im Test. Quelle: Hessische Schuleingangsuntersuchungen.

Kinder aus Nord- und Westeuropa lagen bei den nichtsprachlichen Tests vorn und schnitten auch beim Sprachtest nur etwas schlechter ab als die Kinder aus Deutschland. Kinder mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund erreichen im Mittel die niedrigsten Testergebnisse. Bei Kindern asiatischer oder osteuropäischer Herkunft war nur die Sprachentwicklung schlechter als bei Kindern ohne Migrationshintergrund.

Sprachentwicklung und Familiensprache

Seit dem Jahr 2009 lässt sich aus der hessischen Schuleingangsuntersuchung auch der Zusammenhang zwischen der sprachlichen Entwicklung und der familiären Sprachsituation analysieren (Tab. 5).

Tab 5. Familiensprache und auffälliger Sprachbefund bei hessischen Einschülern 2015

Familiensprache und auffälliger Sprachbefund bei hessischen Einschülern 2015
Familiensprache und auffälliger Sprachbefund bei hessischen Einschülern 2015  Foto: Der Anteil der sprachauffälligen Kinder entstammt dem zusammenfassenden Urteil zum Sprachstand in der Schuleingangsuntersuchung, das sich aus den S-ENS-Tests und dem Untersuchungsverlauf bildet. Er bezieht sich auf alle Kinder mit derselben Herkunft. Der Anteil der Familiensprache bezieht sich auf alle Familien aus dem jeweiligen Land. Quelle: Hessische Schuleingangsuntersuchungen.

Legende: Der Anteil der sprachauffälligen Kinder entstammt dem zusammenfassenden Urteil zum Sprachstand in der Schuleingangsuntersuchung, das sich aus den S-ENS-Tests und dem Untersuchungsverlauf bildet. Er bezieht sich auf alle Kinder mit derselben Herkunft. Der Anteil der Familiensprache bezieht sich auf alle Familien aus dem jeweiligen Land. Quelle: Hessische Schuleingangsuntersuchungen.

Anhand der Farben lässt sich wie zu erwarten erkennen, dass v. a. Kinder, die aus Familien kommen, in denen gar kein Deutsch gesprochen wird, die höchsten Auffälligkeitsquoten beim Sprachtest aufweisen. Ohne deutsche Familiensprache sind 39 % aller untersuchten Kinder kurz vor Schulbeginn auffällig.

Zwischen einsprachig deutschen und mehrsprachigen Haushalten, in denen auch Deutsch gesprochen wird, sind die Unterschiede nicht gravierend. Vier von fünf Kindern mit Migrationshintergrund wachsen mehrsprachig in der Familie auf.

Das Sprachniveau selbst wird in der Schuleingangsuntersuchung ebenfalls erfasst (in fünf Kategorien differenziert), wobei die Auswertung sich hier nur auf Kinder mit Migrationshintergrund bezieht. 72 % der Kinder mit Migrationshintergrund sprachen fehlerfrei oder mit leichten Fehlern Deutsch. Mehr als ein Viertel der Kinder mit Migrationshintergrund startete mit erheblichen sprachlichen Defiziten in die Schulzeit, so sie nicht vom Schulbesuch zurückgestellt wurden. Daten zur weiteren Sprachentwicklung nach der Einschulung liegen nicht vor (Abb. 17).

Qualität wird nach Ländern und Kontinenten gezeigt. Ganz oben Nord und Westeuropa
Qualität der deutschen Sprache nach Migrationshintergrund bei der Einschulungsuntersuchung 2014  Foto: Hessische Schuleingangsuntersuchungen 2014.
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