Determinanten der Kinder- und Jugendgesundheit

Bei der Beschreibung der Kinder- und Jugendgesundheit stehen nicht nur die manifesten körperlichen Erkrankungen im Zentrum, sondern vielmehr auch das Gesundheitsverhalten des Individuums und seiner Lebensumwelt wie auch andere Einflüsse dieser Lebensumwelt. Aaron Antonovsky erweitert die vorherrschende pathogenetische Konzentrierung in seiner salutogenetischen Sichtweise (salus: lat.: Unverletztheit, Heil, Glück; genesis: griech.: Entstehung) um die Frage, warum Menschen trotz belastender Risikokonstellationen gesund bleiben. Ein wichtiger Gesundheitsfaktor, den Antonovsky als Kohärenz­sinn bezeichnet, umfasst die drei Aspekte Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit. Mit dem Kohärenzsinn wird die Grundhaltung von Menschen beschrieben, welche deren Lebensumgebung als zusammenhängend und stimmig sieht und Belastungen und Probleme als lösbar wahrnimmt. Individuelle Ressourcen wie körperliche und geistige Fähigkeiten sind ausreichend, um den Lebensalltag erfolgreich zu bewältigen, um Ziele zu erreichen. Ressourcen wie ein als stabil erlebtes soziales Netzwerk können sich positiv auf die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten auswirken: Vertrauen, Anerkennung, gemeinsame Zielerreichung und auch Unterstützung und Hilfe werden in der Gemeinschaft erlernt und erfahren.

Die Basis einer lebenslangen „Salutogenese“ liegt in der Kinder- und Jugendzeit. Die Erfahrung des Ich, des eigenen Körpers, der Selbstwirksamkeit in der sozialen und weiteren Lebensumwelt beginnt dort und kann Einstellungen und Verhaltensweisen für das gesamte weitere Leben maßgeblich prägen. Der Besuch der Kindertagesstätte spielt in diesem Alter eine bedeutsame Rolle und kann zur positiven Einstellung gegenüber gesundheitsbewusstem Lebensstil viel beitragen, insbesondere durch entsprechende pädagogische Konzepte der Einrichtung, wie der Umsetzung des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans. Neben den Institutionen der Kinderbetreuung und Bildung sind Gruppen gleichaltriger Kinder oder Jugendlicher (Peergroups) prägend.

Der Aufbau individueller und sozialer Ressourcen bei Kindern und Jugendlichen wird gefördert durch:

  • verlässliche familiäre Rahmenbedingungen
  • Zuwendung
  • Vorhandensein eines lokalen sozialen Umfelds
  • verlässliche Kinderbetreuung
  • Förderung von Fähigkeiten und Interessen
  • ausreichende materielle Ressourcen zur sozialen Teilhabe

Gesundheitliche Verhaltensweisen bei Kindern und Jugendlichen werden gefördert durch:

  • Vorbild der Eltern und Erzieher/-innen
  • gesundheitsfördernde Angebote und Maßnahmen in und für die Familie, Kindertagesstätten, Schulen
  • „Gesundheitliche Aufklärung“ – Erwerb gesundheitlichen Wissens von Eltern, Erziehern, Peergroups, Medien
  • sportliche und soziale Aktivitäten in der Familie oder in Vereinen
  • lokale Spiel- und Sportmöglichkeiten

Beispiele für umweltbezogene Gesundheitsgefährdungen bei Kindern und Jugendlichen sind:

  • Schadstoffimmissionen (auch: Passivrauchen), Lärm, Mobilität im Straßenverkehr
  • ein nachteiliges soziales Umfeld mit Angst- oder Gewalterfahrungen, Alkoholismus oder anderem Drogenmissbrauch
  • ungesunde „Geschmacksbildung“ bedingt durch die adipogene Umwelt (Beispiele: Bei Kindern und Jugendlichen beworbene Nahrungsmittel mit hohem Zucker- oder Fettanteil; Setzen unerreichbarer Schönheitsideale durch massive Nachbearbeitung von Mode-, Werbe- und Starfotografie)

Die Liste der aufgeführten Determinanten ist nicht ­abschließend. Zusammenfassend brauchen Kinder und Jugendliche ein gesundheitsförderndes direktes Lebensumfeld und Freiraum, um sich, die Gesellschaft und die Lebensumwelt kennenzulernen und einen Platz in ihr einzunehmen.

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