Zahngesundheit

Zur Zahngesundheit liegen bundesweite Daten vor, die auch auf Länderebene ausgewertet werden. Die Erhebungen werden repräsentativ und mit einheitlichen Untersuchungsstandards durchgeführt.1 Zur Messung der Zahngesundheit wurde der dmf-t (Milchzähne) und der DMF-T-Index (bleibende Zähne) verwendet. Bei diesen ­Indizes wird die Zahl der von Karies befallenen (decayed), fehlenden (missing) und gefüllten oder überkronten ­(filled) Zähne addiert. Ein dmf-t oder DMF-T von null bezeichnet ein naturgesundes Gebiss, je höher der Index, desto schlechter das Gebiss. Der Zahnwechsel dauert bei Kindern etwa vom sechsten bis zum dreizehnten Lebensjahr.

Für die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland lässt sich ein überwiegend positiver Trend feststellen: Während ein 12-jähriges Kind Mitte der 90er Jahre noch 2,44 wegen Karies zerstörte, gefüllte oder entfernte Zähne aufwies, sind es heute durchschnittlich 0,7.2 Zurückgeführt wird diese positive Entwicklung sowohl auf die wissenschaftlich abgesicherte Kenntnis des Entstehungsprinzips von Karies sowie die daraus abgeleiteten Präventionsaktivitäten. Zugleich jedoch zeigen wissenschaftliche Studien, dass eine immer kleinere Gruppe den größten Teil erkrankter Zähne auf sich vereint. Vordringliche Aufgabe ist es vor diesem Hintergrund, spezifische Risikogruppen zu identifizieren und diesen adressatengerechte Präventionsmaßnahmen anzubieten (Abb. 14).

Zahnindizes dmf-t und nach Alter und Untersuchungsjahr Hessen 1994 bis 2009
Zahnindizes dmf-t und nach Alter und Untersuchungsjahr Hessen 1994 bis 2009  Foto: Zur Messung der Zahngesundheit wurde der dmf-t (Milchzähne) und der DMF-T-index (bleibende Zähne) verwendet. Bei diesen Indizes wird die Zahl der von Karies befallenen (decayed), fehlenden (missing) und gefüllten oder überkronten (filled) Zähne addiert. Ein dmf-t oder DMF-T von 0 bezeichnet ein naturgesundes Gebiss, je höher der Index, desto schlechter das Gebiss. Der Zahnwechsel dauert bei Kindern etwa vom sechsten bis zum dreizehnten Lebensjahr. Quelle: Epidemiologische Begleituntersuchung zur Gruppenprophylaxe der DAJ, 2010.35

Auch die Zahngesundheit der Kinder in Hessen insgesamt hat sich innerhalb von fünfzehn Jahren deutlich verbessert. Bereits mehr als 65 % aller hessischen Kindergartenkinder und mehr als 59 % der hessischen Grundschulkinder haben naturgesunde Gebisse.3 Auch die Werte der 15-Jährigen verbesserten sich von 1,83 im Jahr 2004 auf 1,14 im Jahr 2009.4 Die Weltgesundheitsorganisation formulierte bereits 1984 das Ziel, bei Zwölfjährigen den Kariesbefall bis zum Jahr 2000 unter DMF-T 1,2 zu erreichen. Dies wurde in jenem Jahr in Hessen mit 1,08 bereits unterboten und sinkt weiterhin auf zuletzt 0,6 im Jahr 2009.5

Zahngesundheit mittle dmf-t Werte bei Schülern verschiedener Schultypen Deutschland 2009
Zahngesundheit mittle dmf-t Werte bei Schülern verschiedener Schultypen Deutschland 2009  Foto: e niedriger der Wert, umso besser der Zahnstatus. Quelle: Epidemiologische Begleituntersuchung zur Gruppenprophylaxe der DAJ, 2010

Es gibt erhebliche Unterschiede in der Mundgesundheit je nach Schultyp, wobei die Zahngesundheit 2009 bei 12- und 15-jährigen Hauptschülern am schlechtesten ist und über Real- und Gesamtschule hin zum Gymnasium zunimmt (Abb. 15). Der Kariesrückgang im Milchgebiss fällt nicht so deutlich aus. Gerade für Eltern von Kindern unter drei Jahren besteht noch ein hoher Prophylaxebedarf.

Die Verbesserung der Zahngesundheit wird u.a. im Zusammenhang mit

  • der Verbreitung gruppenprophylaktischer Maßnahmen in Kindertagesstätten und Schulen wie
  • der Aufklärung der Eltern
  • der Fluodierung und
  • der zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen und der individualprophylaktischen Maßnahmen wie z. B. der Versiegelung der Fissuren im Zahnschmelz

gesehen.

Ausschließlich in Hessen wird mit dem „zuckerfreien Vormittag“, einem Kooperationsprojekt der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH) und der Sektion Hessen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, ein Beitrag sowohl zur Zahngesundheit als auch zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens geleistet.

25 Jahre im Dienste der Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen

Die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH) und die 21 hessischen Arbeitskreise Jugendzahnpflege (AKJ) feierten am 25. September 2015 ihr Jubiläum: 25 Jahre Gruppenprophylaxe. Die vorbeugenden Maßnahmen der sogenannten Gruppenprophylaxe sieht der Gesetzgeber für alle Kinder bis zum 12. Lebensjahr vor. Alle Kinder sollen eine Chance auf gesunde Zähne bekommen, denn der Sozialstatus eines Menschen soll nicht an seinen Zähnen ablesbar sein. Dafür wurde 1990 der § 21 im Sozialgesetzbuch (SGB V) verankert.

Ein Vierteljahrhundert zahnmedizinische Gesundheitsförderung in Hessen hat viel bewirkt. So kann der Arbeitskreis Jugendzahnpflege heute auf beachtliche Erfolge der Gruppenprophylaxe blicken, die zu einem beträchtlichen Rückgang der Karies bei Kindern und Jugendlichen geführt haben. Hatten beispielsweise 1990 nur 36 % der Zwölfjährigen kariesfreie Zähne, so sind es heute im Einsatzgebiet des Arbeitskreises Jugendzahnpflege 61 %. 6

Zu sehen ein Zahn: Rundum Mundpflege Wir sind dabei.
Rundum Zahnpflege  Foto: LAGH-Jugendzahnpflege

Heute kennen alle Kinder IRMA, die hessische Zahnputzhexe. „Zahnbürste tanz‘ in meinem Mund…“ ist das Zauberlied, mit dem die hessischen Kinder das Zähneputzen nach der KAIplus-Systematik (= Kauflächen – Außenflächen – Innenflächen plus Eltern putzen Kinderzähne sauber) erlernen und zuhause sowie in den Kindertageseinrichtungen täglich üben. Somit automatisieren alle Kinder die ein Leben lang gleichbleibende Zahnpflegesystematik als Kulturtechnik. Der zuckerfreie Vormittag ist bei Erzieherinnen und Lehrerinnen ein fester Begriff: Kinder lernen, wie lecker die kauaktiven, zahngesunden Lebensmittel schmecken und wie gut Wasser den Durst löscht! Ein Besuch der Praxis des betreuenden Patenschaftszahnarztes baut die Angst vor dem Zahnarzt ab und Vertrauen auf. Kinder lernen hier den Zahnarzt als Freund und Helfer für gesunde Zähne kennen. Die Beratung und Information der Eltern sowie umfangreiche Fortbildungsangebote für pädagogische Fachkräfte und das 2015 eingeführte Prädikatssiegel „Rundum mundgesund – Wir sind dabei!“ runden das Engagement der hessischen Jugendzahnpflege (www.jugendzahnpflege.hzn.de) ab.

Fußnote
  1. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) e.V., Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe.
  2. Bundesvereinigung Prävention und Gesundheit, Artikel „Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen: Soziale Schieflage des Karies­befalls“ auf Grundlage der KiGGS-Studie.
  3. Hessische Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege, www.jugendzahnpflege.hzn.de.
  4. DAJ, Epidemiologische Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2010. Die DAJ hat bisher die Ergebnisse der Epidemiologischen Begleituntersuchungen der Jahre 1994, 1995, 1997, 2000, 2004 und 2009 veröffentlicht. Zum 1. August 2015 soll eine neue Untersuchungsphase beginnen.
  5. Hessische Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege.
  6. Artikel 18.9. „Gesund beginnt im Mund“ unter www.frankfurt.de 
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