Mammografiescreening

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im Jahr 2002 beschloss der Deutsche Bundestag nach Abschluss mehrerer Pilotprojekte die Einführung eines flächendeckenden Mammografie-Screening-Programms in Deutschland. Das Hauptziel ist die Senkung der Brustkrebssterblichkeit. Vorhandene Tumoren sollen in früheren Stadien erkannt und so mit besserem Erfolg behandelt werden. Zusammenfassend lassen sich die zu erwartenden Ergebnisse des Mammografie-Screenings in Deutschland mit folgenden Zahlen ausdrücken:

Wenn 1.000 Teilnehmerinnen über 20 Jahre am Screening teilnehmen (10 Screeningrunden), werden 300 einen positiven Befund erhalten, der sich bei 250 Frauen nicht bestätigen wird. Bei 15 Frauen werden Tumoren im Screening nicht entdeckt oder entstehen zwischen den Screeningrunden (Intervallkarzinome). 65 Frauen erkranken tatsächlich an Brustkrebs, davon 13 im Frühstadium (Carcinoma in situ). 15 der erkrankten Frauen versterben an Brustkrebs. Unter den 50 überlebenden Brustkrebspatientinnen befinden sich 5, die durch die regelmäßige Teilnahme am Screening vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt wurden (Abb. 78).

Mammografie Screening vermeidbare Todesfälle
Mammografie Screening vermeidbare Todesfälle  Foto: Weymayr, Christian: Kennzahlen Mammografie-Screening. Dokumentation 2010. Darstellung: REBMANN RESEARCH.

Schon vor der Einführung des Mammografie-Sreenings wurden bei einem Teil der Frauen Mammografien durchgeführt (sog. „Graues Screening“). Diese Verfahren erreichten häufig nicht die Qualitätsstandards, wie sie in europäischen Leitlinien niedergelegt wurden und im aktuellen Mammografie-Screening Anwendung finden. Die Leitlinien sollen sicherstellen, dass ein Screening einen hohen Nutzen generiert (d. h. Todesfälle vermieden werden) und gleichzeitig die Belastungen für die Frauen gering gehalten werden.

Mammografie-Screening: Ablauf und Organisation

Als Screeningpopulation sind Frauen der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren vorgesehen, da in dieser Altersspanne ein hohes Erkrankungsrisiko besteht und dadurch das beste Verhältnis zwischen Nutzen und Belastungen vorliegt. Alle Frauen dieser Altersspanne werden im Turnus von zwei Jahren zu einer Mammografieuntersuchung eingeladen. Die Röntgenbilder werden begutachtet und die Frauen zeitnah über das Ergebnis informiert. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei den privaten Krankenkassen richtet sich die Übernahme nach den Vertragsbedingungen.

Das deutsche Mammografie-Screening ist regional gegliedert:

  • Zentrale Aufgaben auf der Bundesebene nimmt die Kooperationsgemeinschaft Mammografie mit Sitz in Berlin wahr.
  • Auf regionaler Ebene ist die Bundesrepublik in fünf Zuständigkeitsbereiche aufgeteilt, in denen Referenzzentren angesiedelt sind. Hessen zählt zum Bereich Süd-West, das zuständige Referenzzentrum hat seinen Sitz in Marburg.
  • Auf der Landesebene gibt es die sogenannte Zentrale Stelle, die die Einladung der Frauen organisiert. Sie ist in Hessen bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Wiesbaden angesiedelt und wird als gemeinsame Einrichtung mit den Krankenkassen betrieben.

Mammografie-Screening: Standorte in Hessen

In Hessen existieren sechs Screeningeinheiten (Hessen-Süd, Frankfurt, Wiesbaden, Friedberg/Offenbach, Marburg, Hessen-Nord) mit insgesamt 22 Mammografieeinheiten (16 Standorte und sechs Screeningmobile) (Abb. 79). Etwa 150 Ärztinnen und Ärzte sind im hessischen Screeningprogramm beschäftigt. Diese Strukturen stehen einer anspruchsberechtigten Population von ca. 804.000 Frauen (Stand 1.3.2014) zur Verfügung.

Zertifizierte Mammgrafiestandorte in Hessen
Zertifizierte Mammgrafiestandorte in Hessen  Foto: Einteilung in sechs Screeningeinheiten; die Punkte stellen feste Standorte dar, die Dreiecke zeigen die mobile Screeningeinheit (Mammo-Mobil). Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Hessen, www.bit.ly/1Vchl3R. Darstellung: REBMANN RESEARCH.

Mammografie-Screening: Teilnahmerate in Hessen

In Hessen startete das Mammografie-Screening im April 2006. Ende des Jahres 2008 waren alle Screeningeinheiten aufgebaut. 2014 konnten 97,3 % der anspruchsberechtigten Frauen eingeladen werden, die Teilnahmerate lag bei 53,9 % der eingeladenen Frauen.

Mammografie-Screening: Erfolgsparameter

Das Hauptziel des Mammografie-Screenings – die Senkung der Brustkrebsmortalität – lässt sich erst nach einem Zeitraum von zehn Jahren beurteilen. In der Zwischenzeit gibt es eine Reihe von Parametern, die erste Aussagen über den Erfolg des Screenings ermöglichen und an den Empfehlungen der europäischen Richtlinie gemessen werden können.

  • Qualitätsziel: Anteil an entdeckten Tumoren mit einem Durchmesser von unter einem Zentimeter. Der Anteil der im hessischen Mammografie-Screening entdeckten invasiven Karzinome mit einer Größe von unter einem Zentimeter betrug bei Erst-Teilnehmerinnen 30,5 %, bei Folgeuntersuchungen 42,5 %. Im Bundesdurchschnitt 2011 (publiziert im Februar 2015) lag der Anteil der entdeckten invasiven Karzinome mit einer Größe von unter einem Zentimeter bei Erst-Teilnehmerinnen bei 31 %, bei Folgeuntersuchungen bei 36 %. In der europäischen Richtlinie wird für die erste Screeningrunde ein Anteil der kleinen Tumoren von mind. 25 % und für die Folgerunden ein Anteil von mind. 30 % als wünschenswert angesehen (Tab. 12).
  • Qualitätsziel: Anteil an entdeckten Tumoren ohne Lymphknotenbefall. Der Anteil der Karzinome ohne Lymphknotenbefall betrug in Hessen im Jahr 2014 bei Erst-Teilnehmerinnen 79,7 %, bei Folgeuntersuchungen 81,9 %. Im Bundesdurchschnitt 2011 (publiziert im Februar 2015) lag der Anteil der Karzinome ohne Lymphknotenbefall bei Erst-Teilnehmerinnen bei 74 %, bei Folgeuntersuchungen bei 79 %. In der europäischen Richtlinie wird ein Anteil von mindestens 70 % entdeckter invasiver Tumoren ohne Lymphknotenbefall in der ersten Screeningrunde und 75 % in den folgenden Runden als wünschenswert angesehen (Tab. 13).

In Hessen sind also im Mammografie-Screening viele kleine Tumore sowie Tumore ohne Lymphknotenbefall entdeckt worden, bei denen sehr gute Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Somit sind die Aussichten gut, dass sich in den nächsten Jahren auch eine Verringerung der Sterblichkeit an Brustkrebs nachweisen lässt.

Tab. 12: Anteil an entdeckten Tumoren mit einem Durchmesser von unter einem Zentimeter

Europaische Richtline Zielsetzung Bund 2011 Hessen 2014
Erst-Teilnehmerinnen >= 25 % 31 % 30,5 %
Folgeuntersuchungen >= 30 % 36 % 42,5 %

Quelle: KV Hessen, Mammografie-Screening, www.mammo-programm.de.

Tab. 13: Anteil an entdeckten Tumoren ohne Lymphknotenbefall Europäische Richtlinie

Europaische Richtline Zielsetzung Bund 2011 Hessen 2014
Teilnehmerinnen>= 70 % 74 % 79,7 %
Folgeuntersuchungen >= 75 % 79 % 81,9 %

Quelle: KV Hessen, Mammografie-Screening, www.mammo-programm.de 

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