Risikofaktoren und Ursachen

Nach heutigem Wissensstand sind die eigentlichen Ursachen für die Entstehung vieler Krebsarten nicht oder nur ansatzweise bekannt. Für einige Krebsarten sind aber eindeutige Risikofaktoren nachgewiesen. Eindeutig an erster Stelle ist dabei das Rauchen zu nennen. Tabakkonsum erhöht das Risiko zur Entstehung vieler Krebsarten: Neben dem Lungenkrebs ist ein Zusammenhang mit Nieren- und Harnblasenkrebs, von Krebserkrankungen im Mund- und Rachenbereich sowie weiterer Krebsarten bekannt. Das Zentrum für Krebsregisterdaten am RKI schätzt, dass 15 % aller Krebserkrankungen in Deutschland durch Rauchen verursacht werden. Hier kann der Einzelne durch Verzicht auf Rauchen sein Risiko, an Krebs zu erkranken, deutlich mindern.

Neben dem Rauchen sind weitere Faktoren des Lebensstils und der Ernährung seit langem als Krebsrisiko bekannt. So gilt als gesichert, dass die mit Übergewicht und Bewegungsmangel einhergehenden Stoffwechselerkrankungen (Bluthochdruck, hohe Blutfett- und Blutzuckerwerte) die Entstehung von Krebs begünstigen. Neuere Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung bestätigen einen Zusammenhang von Übergewicht und der Entstehung von Nieren- und Darmkrebs, Krebs der Speiseröhre und der Gebärmutterschleimhaut und anderen Krebsarten.

Unter den ernährungsbedingten Risikofaktoren spielt der Alkoholkonsum vor allem bei der Entstehung von Tumoren im Mund- und Rachenbereich eine wesentliche Rolle. Weiterhin gilt eine Ernährung mit wenig Obst, Gemüse und Ballaststoffen in Verbindung mit einem hohen Verzehr an rotem Fleisch als risikoerhöhender Faktor.

Die Anzahl der Hautkrebserkrankungen ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Es ist erwiesen, dass übermäßige UV-Bestrahlung das Risiko für Hautkrebs drastisch erhöht. Durch einfache Schutzmaßnahmen (zu viel Sonne meiden, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden) kann jeder sein Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, deutlich senken.

Dagegen spielen Umwelteinflüsse wie Schadstoffe in Wasser, Luft oder Boden, in Lebensmitteln oder im Haushalt wie auch Radioaktivität oder andere Strahlung im Ursachenspektrum zur Krebsentstehung eine untergeordnete Rolle. In Ländern mit niedrigen Umweltstandards sowie für einzelne Berufsgruppen auch in Deutschland, die anhaltend krebserregenden Substanzen ausgesetzt sind, kann das umweltbedingte Krebsrisiko aber eine größere Bedeutung besitzen. Im Jahr 2010 betrug der Anteil der Krebserkrankungen an den Berufskrankheiten mit Todesfolge 55,7 %. Verursacht wurden diese tödlich verlaufenden Berufskrankheiten zum weit überwiegenden Teil durch Krebs erzeugende Gefahrstoffe. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration hat deshalb 2015 im Bereich Arbeitsschutz das Programm „Kampf dem Krebs am Arbeitsplatz“ ins Leben gerufen. Nähere Informationen unter: www.sozialnetz.de 

Chronische Infektionen sind bekannte Risikofaktoren für einige Krebsarten. Das Bakterium Helicobacter pylori gilt als zentraler Risikofaktor für den Magenkrebs, Hepatitis-Viren gelten als Auslöser für Leberkrebs und Humane Papillomaviren (HPV) sind Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Um die Erkrankungsraten für das Zervixkarzinom zu senken, wird in Deutschland seit dem Jahr 2007 eine Impfung gegen bestimmte HP-Viren für junge Frauen empfohlen und von den Krankenkassen finanziert.

Auch medizinische Behandlungen können ein Risiko für die Entstehung von Krebs bedeuten. Zum Beispiel gelten Zytostatika bei Chemotherapien oder mit Bestrahlungen verbundene diagnostische oder therapeutische Maß­nahmen als risikoerhöhend, Hormonersatztherapien für Frauen im Klimakterium gelten auch als Risikofaktor für Brustkrebs.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich keine ­Tumorerkrankung bisher mit absoluter Sicherheit verhindern lässt. Viele Risikofaktoren, die krebsauslösend sein können, lassen sich nicht oder nur teilweise vermeiden. Wie oben angeführt, ist es dennoch für jeden Einzelnen möglich, das Risiko für eine Vielzahl von Krebserkrankungen mit relativ einfachen Mitteln deutlich zu senken.

Fakten zum Thema HPV

In Deutschland ist Gebärmutterhalskrebs die viert­häufigste Krebserkrankung bei Frauen, etwa 5.000 erkranken jährlich an dieser Krankheit und 1.600 versterben an den Folgen. Hauptursache für die Ent­stehung von Gebärmutterhalskrebs ist die Infek­tion mit den Hochrisikotypen der Humanen Papillomaviren (HPV).

Einen Schutz bietet die HPV-Impfung, die seit März 2007 von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut als Standardimpfung für alle Mädchen und jungen Frauen empfohlen wird. Im August 2014 wurde das empfohlene Impfalter auf neun Jahre herabgesetzt. Insgesamt gibt es 13 HPV-Typen, die Impfung schützt nur vor den HPV-Typen 16 und 18, die 70 % der Zervixkarzinome und deren Vorstufen verursachen.

In Hessen ist die Impfrate im Vergleich zu den anderen Bundesländern geringer. Daher wurde in Südhessen im Kreis Bergstraße eine Initiative gestartet, um die Impfraten zu erhöhen. Die Impfaktion wird vor Ort in Grundschulen durchgeführt, in Zusammenarbeit mit den Schulen, niedergelassenen Ärzten und Gesundheitsämtern. Hierbei arbeiten das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, das Bundesministerium für Gesundheit, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das Robert Koch-Institut, Berlin, das Deutsche Krebsforschungszentrum, die Stiftung Lebensblicke, die Metropolregion Rhein-Neckar, die Krebspräventionsinitiative „du bist kostbar“ sowie das Gesundheitsnetz Rhein-Neckar- Dreieck e. V. zusammen.

Schatten Shirt und Sonnencreme
Foto: Hess. Krebsgesellschaft

„Schatten, Shirt & Sonnencreme – Sportler gegen Hautkrebs“

„Schatten, Shirt & Sonnencreme – Sportler gegen Hautkrebs“ ist Teil der Hessischen Krebspräventionsinitiative „du bist kostbar – Hessen gegen Krebs“.

Hautkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in Hessen. Schon in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter legt jeder Mensch die Basis für eine mögliche Erkrankung an Hautkrebs. Mit der Aktion „Schatten, Shirt & Sonnencreme – Sportler gegen Hautkrebs“ möchte die Hessische Krebsgesellschaft e. V. über die Risiken von Hautkrebserkrankungen aufklären.

Außerdem werden Präventionsmöglichkeiten wie z. B. Sonnenbäder zwischen 12 und 15 Uhr vermeiden, Schattenspender verwenden, die Haut durch Kleider oder Sonnencreme schützen beworben.

Als Botschafter dieser Kampagne wurden fünf Profi-Outdoorsportler beworben: Betty Heidler, Christ­iane Huth, Lothar Leder, Steffi Jones, Kamghe Gaba. Es wurden Informationsmaterialien zur gezielten Ansprache von Menschen, die aktiven Outdoorsport machen, entwickelt. Neben dem direkten Besuch der Vereine, um die Sportler für die Risiken der Sonneneinstrahlung und die Möglichkeiten der Prävention zu sensibilisieren, können Aufklärungsmaterialien in Form von Vereinspaketen an die Hand gegeben werden. Die Informationsmaterialien beinhalten Informationsflyer, Sonnenpässe, Tattoos, Plakate sowie Sonnencremeproben. Ebenso befinden sich auf der Homepage Kurzanleitungen, wie die Materialien verwendet werden können. Dies soll die Vereine unterstützen, die Selbsthilfe zum Thema Sonnenschutz und Hautkrebs an ihre Mitglieder zu kommunizieren.

http://www.schatten-shirt-sonnencreme.de/

1000 mutige Männer für Offenbach
Foto: Hess. Krebsgesellschaft

„1.000 mutige Männer“

Die Darmkrebspräventionskampagne ist ein Teilprojekt der Krebspräventionsinitiative „du bist kostbar“, welche durch die Stiftung Leben mit Krebs, die Hessische Krebsgesellschaft und das Hessische Sozialministerium initiiert wird.

Darmkrebs ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung und tritt überwiegend ab dem 50. Lebensjahr auf. In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert Koch-Instituts pro Jahr jeweils rund 37.000 Männer und 36.000 Frauen daran.

Da deutlich weniger Männer an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, richtet sich diese Kampagne an die Männer. Sie neigen dazu, unangenehme Gesprächsthemen zu verdrängen, und genau dort muss angesetzt werden. Dabei ist vor allem das Umfeld eine wichtige Ressource, die Lebenspartner, Hausärzte, aber auch Freunde und Verwandte können einen Einfluss auf die Motivation nehmen.

Die Krebspräventionskampagne, die bereits 2012 in Offenbach sehr erfolgreich durchgeführt wurde, wurde nun in mehreren Städten aufgenommen, z. B. in Wiesbaden, Bielefeld und Hannover. In den Städten wurden 1.000 Männer gesucht, die den Mut haben, zur Vorsorge-Darminspektion zu gehen und schon alleine deshalb als Vorbild für alle gelten können.

Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft und Darmkrebs ist einer der wenigen Tumoren, die sich durch eine Früherkennung nahezu vollständig verhindern lassen. Ziel ist es, Darmkrebserkrankungen zu vermeiden oder auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

http://www.mutige-maenner.de/

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