Kinder und Rheuma

Bei Kindern spielen Arthrosen, wie sie als Verschleißerscheinungen an den Gelenken älterer Menschen auftreten, keine Rolle. Kinderrheuma ist meist eine entzündliche Form.

Der Begriff „Kinderrheuma“ fasst daher verschiedene Krankheitsbilder zusammen, die mit einer chronischen, d. h. länger als sechs Wochen andauernden Gelenk­entzündung im Kindesalter einhergehen und bei denen keine andere Ursache gefunden werden kann. Grund­sätzlich wird zwischen der akuten und chronischen Form unterschieden.

Deutlich häufiger ist die akute Form. Akute Formen werden meist durch Infektionen ausgelöst, beispielsweise durch Rötelnviren oder durch Bakterien (Streptokokken oder Salmonellen). Sie halten oft nur Tage oder Wochen an, können aber auch über Monate oder ein bis zwei Jahre immer wieder aufflackern. Zu diesen Erkrankungen gehört auch das rheumatische Fieber oder die Arthritis durch Borrelieninfektionen nach Zeckenbissen. Häufig verlaufen die Gelenkentzündungen mild und klingen bei 8 bis 9 von 10 Kindern wieder ab, ohne Gelenkveränderungen zu hinterlassen. Etwa 10 % bis 20 % dieser Entzündungen werden chronisch.

Auch die chronische juvenile Arthritis kann durch Infektionen ausgelöst werden, meistens ist die Ursache jedoch unbekannt. Sie beginnt häufig schleichend und es kommt vor, dass die Krankheit über Monate oder gar Jahre nicht erkannt wird. Dabei kann man durch eine frühe Diagnose und somit durch eine rechtzeitige Therapie verhindern, dass die Gelenke der Kinder geschädigt werden.

Bundesweit leiden etwa 40.000 Kinder und Jugendliche1 an Krankheiten des rheumatischen Formenkreises. Davon sind nach Expertenschätzungen etwa 20.000 Kinder in Deutschland von chronisch-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen betroffen.2

Rheumakranke Kinder und Jugendliche sind durch ihre Krankheit oftmals stark in ihrem Bewegungs- und Aktionsradius eingeschränkt und benötigen spezielle Freizeit- und Sportangebote, die ihre Gelenke möglichst ­wenig strapazieren. Ziel ist es, dem Kind eine altersge­mäße Entwicklung zu ermöglichen und seine Bewegungsfreude wiederherzustellen. Durch die heute verfügbaren Therapiekonzepte lässt sich jedoch in den meisten Fällen ein gutes Ergebnis erzielen. Rheuma im Kindesalter kann jederzeit wieder zum Stillstand kommen, bei frühzeitiger und konsequenter Behandlung meist auch ohne bleibende Schäden.

Fußnote
  1. Deutsche Kinderrheuma-Stiftung, http://kinder-rheumastiftung.de/kinderrheuma/  
  2. Dr. Kirsten Minden: Rheumatische Gelenkerkrankungen im Kinder- und Jugendalter 2012.
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