Präventionen für Rheumatiker

Das Thema Prävention rückt erst seit wenigen Jahren zunehmend in das Blickfeld der Rheumatologen, da rheumatisch-entzündliche Systemerkrankungen früher als schicksalhaft und in ihrer Entstehung als komplett unbeeinflussbar galten.

Wie die Deutsche Rheuma-Liga e. V. dokumentiert, wird Prävention zu einem immer stärkeren Faktor in der Behandlung.1 Der Schwerpunkt liegt insbesondere bei den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auf der Sekundär- und Tertiärprävention, aber auch die Primärprävention ist von Bedeutung. So würde mehr Aufklärung dazu beitragen, Risikofaktoren für bestimmte Erkrankungen bekannter zu machen. Übergewicht und Fehlbelastungen können das Risiko erhöhen, an einer Arthrose zu erkranken. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung können hingegen dazu beitragen, eine Erkrankung wie die Osteoporose und Gicht zu vermeiden. Raucher sind bei entsprechender genetischer Veranlagung beispielsweise wesentlich gefährdeter an einer rheumatoiden Arthritis zu erkranken. Im Rahmen der Sekundärprävention kann eine frühe Diagnose und Behandlung den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und beispielsweise die Remission bei der rheumatoiden Arthritis um das Dreifache steigern.

Adäquate Bewegung (z. B. Schwimmen, Walken, Gymnastik, Tanzen) mit dem Ziel der Funktionserhaltung, Mobilität, Schmerzlinderung und Verhinderung degenerativer Spätschäden zählt zu den sekundären Präventionsmaßnahmen.

Die sekundäre und tertiäre Prävention bei Rheuma sollten Maßnahmen des Entspannungstrainings und der Verhaltensschulung beinhalten. Diese dienen nicht nur der Depressionsprophylaxe, sondern auch der Schmerzbewäl­tigung, der Schlafförderung, der sozialen Integration und Kommunikation sowie der Krankheitsbewältigung im weiteren Sinne.

Auch die Optimierung der Ernährung kann neben medikamentösen, physikalischen und chirurgischen Therapien eine wichtige Maßnahme bei der Sekundärprävention von rheumatischen Erkrankungen sein. Durch eine spezielle Ernährung können Entzündungsaktivitäten vermindert und somit der Schmerz gelindert werden. Eine Gewichtsreduzierung durch eine veränderte Ernährung wirkt sich ebenfalls positiv auf die tragenden Gelenke aus.

Selbst die Schulung und Überprüfung notwendiger Orthesen, Hilfsmittel und Bandagen zählt zu den sekundären Präventionsprogrammen, die der Steigerung der Lebensqualität ebenso nutzen wie der Vermeidung der Spätschäden und einer Verhinderung der Verschlechterung der Erkrankung.

Die Nutzung der naturheilkundlichen sowie auch balneologischen Ressourcen regional oder überregional (Kuren, Heilbäder, Klima, Phytotherapie etc. ) ist sinnvoll. Sie ist als zentraler Bestandteil der langfristigen Aktivierung der Selbstheilungskräfte, der Hilfe zur Selbsthilfe und einer wissenschaftlich fundierten und anerkannten Therapiestrategie zu betrachten.

Rheumatische Erkrankungen sind oft nicht heilbar, die Beschwerden werden durch die verschiedenen Therapiemöglichkeiten nur gelindert. Daher führt die Krankheit zu einschneidenden Veränderungen im Berufs- und Privat­leben. Selbsthilfegruppen geben nützliche Tipps, wie man mit der Situation umgeht und welche Therapie­formen es gibt.

In Hessen gibt es über 70 lokale Selbsthilfegruppen für rheumakranke Menschen. Speziellere Fragen ­beantwortet der entsprechende Arbeitskreis der Rheuma-Liga Hessen.

Nähere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Rheuma-Liga Hessen unter: www.rheuma-liga-hessen.de

Fußnote
  1. Beitrag der Deutschen Rheuma-Liga e.V. vom 4.6.2014 zum 60-jährigen Bestehen der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung
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