Krankheitsbilder

Hypertonie oder Bluthochdruck ist sehr verbreitet und wird mit zunehmendem Alter häufiger.

Laut Daten des Robert Koch-Instituts hat in Deutschland aktuell jeder dritte Erwachsene einen Bluthochdruck (rund 20 Millionen Erwachsene), fast 60 % der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren haben einen nicht optimalen Blutdruck. Bluthochdruckist der bedeutendste Risikofaktor für vermeidbare Todesfälle weltweit.

Hypertonie ist einer der Hauptrisikofaktoren für Gefäßveränderungen an vielen Endorganen. Neben Herz und Gehirn sind auch arteriosklerotisch bedingte Durchblutungsstörungen z. B. der Beine eine Folgekrankheit. Am Herzen führt Hypertonie unbehandelt oft zu koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt und Herzinsuffizienz. Jedoch gibt es keinen relevanten Grenzwert für „normalen“ Blutdruck. Gleichzeitig ist Bluthochdruck der bedeutendste Risikofaktor für Schlaganfälle. Zwei Drittel aller Schlaganfälle und die Hälfte aller Herzinfarkte können einem systolischen Blutdruck > 115 mmHg zugerechnet werden.

Herzinsuffizienz ist u. a. eine direkte Folge von Hypertonie und neben einigen weniger häufigen Ursachen auch eine häufige Folge von Herzinfarkt und den dadurch entstandenen Herzmuskelschäden. Die Mortalität von Herzinsuffizienz ist trotz verbesserten Therapieoptionen immer noch hoch.

In etwa 95 % der Fälle wird die chronische periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) durch Arteriosklerose bzw. ihre symptomatische Form Atherothrombose bedingt. Diese gehört zu den häufigsten Erkrankungen unserer Zeit. Ein ungesunder Lebensstil mit fettreicher Ernährung und mangelnder Bewegung sowie Nikotinkonsum fördern die Entstehung einer pAVK. Patientinnen und Patienten, die an Bluthochdruck oder Diabetes mellitus leiden, haben ein höheres Risiko, an pAVK zu erkranken.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine Störung der Durchblutung in den Arterien im Becken und in den Beinen. Bei pAVK sind die Arterien durch Arteriosklerose so verengt, dass Beine, Füße und andere Körperteile nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Die pAVK wird auch „Schaufensterkrankheit“ genannt, da erkrankte Personen z. B. vor Schaufenstern stehenbleiben, um Schmerzen beim Gehen zu überspielen, und dort abwarten, bis sie wieder abgeklungen sind. pAVK verläuft lange beschwerdefrei und bleibt deshalb oftmals unbemerkt. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten Schmerzen beim Gehen auf.

pAVK-Patientinnen und -patienten sind in Deutschland im Vergleich zu Patientinnen und Patienten mit koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten unterversorgt. Dabei erkranken bundesweit rund 4,5 Millionen Menschen an einer pAVK. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der pAVK-Patientinnen und -patienten. Vor allem ältere Menschen über 65 Jahre sind betroffen – jeder Fünfte vom Hausarzt untersuchte Patient dieser Altersgruppe hat eine pAVK, ohne davon zu wissen.

Bereits im Frühstadium kann eine pAVK durch die nicht invasive Dopplerdruckmessung nachgewiesen werden. Diese Untersuchung weist eine pAVK nach, auch wenn noch keine Beschwerden vorliegen. Gefäßmedizinerinnen und Gefäßmediziner (Angiologen), Hausärztinnen und Hausärzte und andere können die Dopplerdruckmessung durchführen.

Wenn die Betroffenen nicht behandelt werden, kann pAVK weitreichende Folgen haben: In Deutschland werden jährlich etwa 60.000 Amputationen wegen pAVK, oft in Verbindung mit Diabetes mellitus, vorgenommen. pAVK gilt als sogenannte Markererkrankung, die auf weitere Gefäßverengungen im Herz-Kreislauf-System hinweist. Das macht sie so gefährlich: 75 % der pAVK-Patientinnen und -patienten sterben an Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Erkrankung reduziert die Lebenserwartung um ca. acht Jahre - die Sterblichkeitsrate von pAVK-Patientinnen und Patienten ist doppelt so hoch wie die der Gesamtbevölkerung.

Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. (DGA) informiert auf ihren Internetseiten: www.dga-gefaessmedizin.de und www.verschlusssache-pavk.de über pAVK und weitere Gefäßerkrankungen. In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Sozialministerium und hessischen Kommunen sowie mit hessischen Kliniken klärt die DGA die Bevölkerung auf Veranstaltungen über die Erkrankung auf.

Fußnote
  1. Blutdruck in Deutschland: Daten und Fakten DZHK und RKI. Originalveröffentlichung: Neuhauser, H.K., Adler, C., Rosario, A.S., Diederichs, C., Ellert, U. (2014) Hypertension prevalence, awareness, treatment and control in Germany 1998 and 2008–11, Journal of Human Hypertension, doi:10.1038/jhh.2014.82
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