Ökonomische Betrachtung

Die Erkrankung eines Menschen verursacht nicht nur direkte Kosten für das Gesundheitswesen, sondern auch indirekte Kosten für die Volkswirtschaft. Direkte Kosten sind solche, die das Gesundheitswesen durch Diagnostik und Therapien oder die Inanspruchnahme von weiteren medizinischen Dienstleistungen belasten. Rehabilitationsmaßnahmen werden ebenfalls in die direkten Kosten eingerechnet. Die indirekten Kosten sind solche, die dadurch entstehen, „dass aufgrund von Krankheit und vorzeitigem Tod ansonsten von den Betroffenen hergestellte Güter und Dienstleistungen nicht mehr erstellt werden können“.1

Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten 2008 zusammen einen Anteil von 14,5 % (37 Milliarden Euro) an den direkten Gesamtkosten. Die teuersten Erkrankungen des Kreislaufsystems waren mit 3,6 % die Hochdruckkrankheiten. Schlaganfälle oder Hirninfarkte folgten mit einem Anteil an den Gesamtkosten von 3,2 %. Mit 2,7 % schlugen ischämische oder koronare Herzkrankheiten zu Buche. 2

Eine Aufteilung der Krankheitskosten von insgesamt 254,3 Milliarden Euro auf einzelne Krankheitsgruppen zeigt die oben Grafik des Robert Koch-Instituts (Abb. 65). Das ergab 2008 Ausgaben von rund 3.100 Euro pro Kopf und Jahr für die Prävention von und die Behandlung, Rehabilitation und Pflege nach Erkrankungen und Unfällen.

Krankheitskosten 2008 nach ausgewählten Krankheitsklassen
Krankheitskosten 2008 nach ausgewählten Krankheitsklassen  Foto: Krankheitskostenrechnung, Statistisches Bundesamt, Stand: 16.10.2015.

Die indirekten Kosten sind potenzielle Verluste für die Volkswirtschaft. Diese Verluste entstehen durch Arbeitsunfähigkeit, Invalidität oder vorzeitigen Tod der erwerbstätigen Bevölkerung. Der Verlust wird in Form von verlorenen Erwerbstätigkeitsjahren berechnet und stellt eine kalkulatorische Kennzahl dar. Im Jahr 2006 gingen rund 4 Millionen Erwerbstätigkeitsjahre durch Arbeitsunfähigkeit, Invalidität oder vorzeitigen Tod verloren. Krankheiten des Kreislaufsystems waren dabei mit 9,4 % und somit an fünfter Stelle ursächlich. Auf dem ersten Rang als Grund für Arbeitsunfähigkeit lagen deutlich Krankheiten des Muskel- und Skelett-Systems (351.000 Jahre), gefolgt von Krankheiten des Atmungssystems (217.000 Jahre), psychischen Krankheiten (196.000 Jahre) und Verletzungen bzw. Vergiftungen (210.000 Jahre).

Die Aufteilung des Ressourcenverlustes zeigt deutliche Geschlechtsunterschiede. So ist die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage im Bezugsjahr 2008 bei den Männern etwa ein Drittel höher als bei den Frauen. Die Ausfallarten zeigen ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie Abb. 66 zeigt.

Verlorene Erbwerstätigkeitsjahre 2008
Verlorene Erbwerstätigkeitsjahre 2008  Foto: Statistisches Bundesamt Wiesbaden 2015.

Nach einer Studie der Bundestherapeutenkammer zur Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit aus dem Jahr 2013 sind psychische Erkrankungen immer häufiger der Anlass für Krankschreibungen oder gar Erwerbsunfähigkeit.

Im Zeitraum 2000 bis 2012 hat sich der Anteil psychischer Erkrankungen an AU-Tagen fast verdoppelt und beträgt inzwischen 14 %. Rund 75.000 Versicherte bezogen 2012 erstmals eine Rente wegen Erwerbsminderung aufgrund psychischer Krankheitsbilder. Damit ist fast jede zweite Frührente psychisch verursacht (Abb. 67).

Frühverrentungen im Verlauf am häufigsten psychisch bedingt
Frühverrentungen im Verlauf am häufigsten psychisch bedingt  Foto: Dargestellt ist die Zahl der Rentenneuzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit pro Jahr aufgrund der sechs wichtigsten Krankheitsarten. Quelle: DRV-Statistik Rentenzugang (nach Darstellung der Bundespsychotherapeutenkammer).

Der Anteil psychischer Erkrankungen als Ursache für Frühverrentungen ist bei Frauen mit 48,5 % deutlich höher als bei Männern (35,9 %). Dabei haben vor allem Depressionen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen sowie Suchterkrankungen zugenommen (Abb. 68).

Ursachen für Frühverrentungen 2012
Ursachen für Frühverrentungen 2012  Foto: Dargestellt ist der Anteil (%) der wichtigsten Krankheitsarten an den Rentenneuzugängen wegen verminderter Erwerbsfähigkeit für das Jahr 2012 insgesamt, für Frauen und für Männer. Zugrundeliegende Population: Insgesamt: N = 177.061; Frauen: N = 86.517; Männer: N = 90.544. Quelle: DRV-Statistik Rentenzugang (nach Darstellung der Bundespsychotherapeutenkammer).
Fußnote
  1. Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Die Kosten des Rauchens für Gesundheitswesen und Volkswirtschaft in Deutschland, Heidelberg, 2009.
  2. Krankheitskostenrechnung 2008. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2015, Stand: 16.10.2015.
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