Prävention durch Infektionsprophylaxe

Die Erfolge der HIV/Aids-Prävention in Deutschland werden in der Forschung auf das Zusammenwirken von medizinischer Behandlung und verhältnis- und verhaltens­präventiven Ansätzen zurückgeführt. Da eine Eradikation des Virus bislang noch nicht gelungen ist, kommt der Infektionsprophylaxe eine besondere Bedeutung in der Bekämpfung der Erkrankung zu. Ein hoher Anteil der HIV-Infektionen (nach Schätzungen des RKI zwischen 30 % und 50 %) wird noch immer erst in einem späten Stadium der Infektion erkannt (Auftreten erster Aids-definierender Symptome), in dem die Behandlungsmöglichkeiten in aller Regel bereits eingeschränkt sind. Diesem Sachverhalt kann durch ein verstärktes Angebot von HIV-Antikörpertests entgegengewirkt werden, insbesondere in jenen Bevölkerungsgruppen, in denen eine erhöhte HIV-Häufigkeit vorliegt. Zum anderen muss eine Sensibilität bei nicht auf HIV spezialisierte Ärztinnen und Ärzten für HIV-Indikatorerkrankungen vorhanden sein.

Präventionskampagnen durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Mit ihren Präventionskampagnen ist es der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in den vergangenen Jahren gelungen, das Bewusstsein für die Möglichkeiten des Schutzes vor Aids und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung zu wecken. Im Vordergrund stand hierbei die Bewerbung der Kondomnutzung.

Zielgruppenspezifische Prävention durch die Aidshilfe

Diese Strategie wird ergänzt durch die zielgruppenspezifische Prävention, die primär von den Aidshilfen als freie Träger unter dem Dach der Deutschen AIDS-Hilfe e. V. (DAH) realisiert wird. In Hessen halten neun Aidshilfen in Kassel, Marburg, Gießen, Fulda, Hanau, Offenbach, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt entsprechende Angebote vor. Die zielgruppenspezifische Prävention wendet sich an jene Gruppen, die in besonderer Weise von HIV/Aids betroffen sind (s. o.). Beide Ansätze verbindet, dass sie darauf abzielen, die Diskriminierung und Stigmatisierung von Betroffenen abzubauen, um auf diese Weise den Zugang zu Informationen zu erleichtern und zu einem selbstbewussten Umgang mit Infektionsrisiken beizutragen.

Hessen ist geil
Foto: Hess. Krebsgesellschaft

HESSEN IST GEIL!

Die schwule Kampagne der neun hessischen Aidshilfen wird seit dem Jahr 2014 aus Mitteln des Landes Hessen gefördert. Koordiniert durch den Landesverband der hessischen Aidshilfen stärkt die Kampagne landesweit den Arbeitsbereich der HIV- und STI (sexuell übertragbare Infektionen)-Prävention (Sexuell übertragbare Infektionen) für die Zielgruppe MSM (schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben). Diese weist in Deutschland weiterhin die höchste HIV-Prävalenz auf (mehr als zwei Drittel der Neuinfektionen finden in dieser Gruppe statt). HESSEN IST GEIL! verbindet die Vermittlung von Präventionsbotschaften mit dem Anliegen, insbesondere in strukturschwachen Regionen die Lebenswelten schwuler Männer zu stärken und einen Beitrag zur Akzeptanzförderung zu leisten. Regionalkoordinatoren stärken die Vernetzung der Kampagne, werben um Freiwillige und unterstützen die Präventionsarbeit vor Ort. Zur Informationsvermittlung setzt die Kampagne einen Schwerpunkt im Bereich Internet und Social Media und in der personalkommunikativen Prävention bei Aktionen in der schwulen Szene.

http://hessen-ist-geil.de/

http://www.aids-hilfe-hessen.de/

Die Präventionsforschung belegt, dass seit Beginn der 90er Jahre ein gleichbleibend hoher Anteil (ca. 70 %) von schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), keine Risikokontakte eingeht. Dieser Befund steht der häufig geäußerten Vermutung entgegen, wonach eine zunehmende Sorglosigkeit zu einem Anstieg der Neuinfektionen in dieser Gruppe führt. Tatsächlich ist davon auszugehen, dass die hohe Häufigkeit der HIV-Infektion in dieser Bevölkerungsgruppe (ca. 6 % gegenüber einem Anteil von nur etwa 0,02 % in der heterosexuellen Bevölkerung) maßgeblich für diese Entwicklung ist. Würde sich das Schutzverhalten der MSM dem signifikant niedrigeren Niveau der heterosexuellen Bevölkerung angleichen, wäre mit einer ungleich ungünstigeren Entwicklung zu rechnen (nach Angaben der BZgA benutzten im Jahr 2008 58 % der Alleinlebenden unter 45-jährigen Heterosexuellen immer oder häufig Kondome, dieser Wert stellt einen Höchststand dar).

Therapie

Im Unterschied zu anderen Weltregionen, in denen der an Aids erkrankte Bevölkerungsanteil aufgrund einer niedrigen Behandlungsrate sehr hoch liegt (mit z. T. dramatischen Auswirkungen im Hinblick auf die Lebenserwartung der Bevölkerung und auf die volkswirtschaftliche Situation der betroffenen Länder, besonders betroffen ist die Region Subsahara-Afrika), ist die Situation in Deutschland wesentlich durch die guten medizinischen Behandlungsmöglichkeiten geprägt. Die hierzulande für alle Krankenversicherten zugänglichen antiretroviralen Kombinationstherapien (ART) unterdrücken die Vermehrung des HI-Virus und damit den Ausbruch von Aids auf lange Zeit, wodurch sich die Lebenserwartung der Infizierten bei rechtzeitigem Therapiebeginn zunehmend derjenigen der Normalbevölkerung annähert. Da das Virus aber auch durch die ART nicht vollständig aus dem Körper entfernt werden kann, stellt die HIV-Infektion weiterhin eine unheilbare Erkrankung dar, die die lebenslange Einnahme von Medikamenten zur Folge hat.

Versorgung

In Hessen haben sich im medizinischen Bereich in Frankfurt und Gießen Versorgungsschwerpunkte herausgebildet (Unikliniken und HIV-Schwerpunktpraxen), in der psychosozialen Versorgung kommt den Aidshilfen eine besondere Bedeutung zu. Im Bereich der pflegerischen Versorgung, der Nachsorge stationärer Aufenthalte und im psychotherapeutischen Bereich existieren wie auch in anderen Bundesländern Defizite. Alle Versorgungsbereiche sind mit der Tatsache konfrontiert, dass sich mit der gestiegenen Lebenserwartung der HIV-Infizierten auch das Krankheitsbild verändert (Zunahme der Multimorbidität infolge von Langzeitinfektion und Langzeitnebenwirkungen der ART, Auftreten von klassischen Alterserkrankungen).

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