ADHS

Definition:

ADHS ist definiert als Verhaltensstörung mit Aufmerksamkeits– und Konzentrationsstörung, Impulsivität, mangelnder Frustrationstoleranz und eventuell motorischer ­Hyperaktivität (sogenanntes hyperaktives Syndrom) und wird umgangssprachlich auch als „Zappel­philipp-Syndrom“ benannt.

Schätzungen zufolge sollen bei etwa zwei Dritteln der von ADHS-Symptomen Betroffenen zusätzliche Störungen (z. B. Aggressivität, dissoziales Verhalten, emotionale (häufig depressive) Symptome, Angststörungen, Alkoholmissbrauch u. a.) auftreten. Die Erkrankung hat einen Altersgipfel im frühen Kindes- und Jugendalter und kommt bei Jungen wesentlich häufiger vor (Verteilung: m:w = 9:1)

(siehe Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen/Hyperkinetische Störungen – Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (Abb. 82). Häufig bessert sich die Symptomatik im Erwachsenenalter.1

Prävalenz von ADHS diagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland nach Alter und Geschlecht in den Jahren 2006 und 2012
Prävalenz von ADHS diagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland nach Alter und Geschlecht in den Jahren 2006 und 2012  Foto: www.statista.de (Stichwort: ADHS im Altersverlauf, Statistik).

Die Krankheitsursache ist weitgehend unklar. Als Ursache wird vor allem eine gestörte Signalübermittlung im Gehirn, z. B. durch frühkindliche Hirnschäden, diskutiert. Mindestens die Hälfte aller ADHS-Fälle soll genetisch bedingt sein. Daneben werden immunologische Faktoren oder psychosoziale Risiken diskutiert. Das Lebensumfeld, in welchem von ADHS betroffene Kinder aufwachsen, kann diese Anlagen verstärken oder abschwächen; auch Rauchen, Stress und Alkohol während der Schwangerschaft haben einen Einfluss auf die Entstehung der Krankheit.

Meist kann eine Diagnose schon durch die Betrachtung und Befragung der betreffenden Person gestellt werden; Gewissheit erhält der Arzt über Zusatzinformationen wichtiger Vertrauenspersonen, wie Eltern, Erzieher und Lehrer, sowie durch eine körperliche Untersuchung und neuropsychologische Tests.

Therapeutische Ansätze beziehen Beratungen, Verhaltens- und Psychotherapien sowie Medikamente mit ein. Manchmal ist eine Therapie nur über wenige Jahre und bei einigen Menschen auch lebenslang erforderlich. ADHS ist nicht heilbar. Ziel ist es, ein „normales Leben“ mit guten sozialen Kontakten und einer qualifizierten Ausbildung und damit eine gute Lebensqualität zu erreichen. Der Betroffene kann lernen, mit seiner Erkrankung zu leben. Deshalb sollte die Therapie so früh wie möglich begonnen werden, sodass die individuellen Begabungen gezielt gefördert werden können.

Häufigstes verordnetes Medikament ist derzeit Methylphenidat (z. B. Ritalin), das ab dem Schulalter für Kinder und Jugendliche als Bestandteil einer Therapie zuge­lassen ist. Die Verschreibungszahlen steigen seit Mitte der 90er Jahre rapide an, wobei die Zunahme seit Mitte der 2000er Jahre relativ linear verlief. Aktuelle bundesweite Daten deuten jedoch in den letzten Jahren einen langsameren Zuwachs an und zeigten zuletzt sogar einen leichten Rückgang der Verordnungszahlen von Methylphenidat. Diese Daten deuten eine mögliche Trend­wende an (Abb. 83).

Entwicklung des Verbrauchs von Methylphenhidat Ritalin
Entwicklung des Verbrauchs von Methylphenhidat Ritalin  Foto: Daten gesetzlicher Krankenkassen auf der Basis von „hierarchisierten Morbiditätsgruppen“ (HMG), eigene Berechnung/Hessen 2009.
Fußnote
  1. Weißbuch Prävention 2010/2011: Gesund jung?! Herausforderung für die Prävention und Gesundheitsförderung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Berlin, Heidelberg: Springer Verlag, 2011, S. 74-79.
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