Alzheimer und Demenz

Definition:

Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die mit einem Verlust der geistigen Funktionen, wie Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten, einhergehen und die dazu führen, dass alltägliche Aktivitäten nicht mehr eigenständig durchgeführt werden können. Dazu zählen die Alzheimer-Demenz, die vaskuläre Demenz, Morbus Pick, die frontotemporale Demenz und weitere Demenz­formen1 (siehe auch Abb. 84).

Pathoanatomische Differenzierung der verschiedenen Demenzformen
Pathoanatomische Differenzierung der verschiedenen Demenzformen  Foto: Dokumentationsband Fachtagung des „Zukunftsforum Demenz“ in Zusammenarbeit mit der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren), 2010

Die Alzheimer-Krankheit entsteht durch das langsam fortschreitende Absterben von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie Störungen des Denk- und Urteilsvermögens. Diese Störungen machen die Bewältigung des normalen Alltagslebens immer schwieriger. Alzheimer kommt in unterschiedlichsten sozialen und ökonomischen Gruppen vor.

Neurodegenerative Erkrankungen können Menschen aller Altersgruppen treffen und zählen zu den Hauptursachen für Behinderungen und Abhängigkeit bei älteren Menschen. Dem Alzheimer-Weltbericht 2009 zufolge leben über 28 % aller Menschen (ca. 9,9 Millionen Menschen), die an Demenz leiden, in Europa, das damit nach Asien (35 %) weltweit den zweiten Platz einnimmt. Westeuropa ist weltweit die Region mit der höchsten Quote an Demenzkranken (19 %).2 In Deutschland leben derzeit etwa 1,5 Millionen Demenzkranke, davon wird etwa eine knappe Million zu Hause versorgt.3 Hessischen Krankenkassendaten zufolge leben in Hessen über 71.000 Demenzkranke.4 Die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken steigt mit dem Alter, deshalb steigt die Anzahl der Betroffenen in Deutschland jedes Jahr um etwa 40.000 und wird sich bis 2050 mindestens verdoppeln (Abb. 81).5

Trotz erheblicher Fortschritte im Verständnis der Krankheitsursache und der verschiedenen Demenzprozesse ist es immer noch schwierig, Demenz und besonders ihre Frühsymptome exakt zu diagnostizieren. Dementiell Erkrankte sind in besonderem Maße gefährdet, ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Klinisch relevant ist das überdurchschnittlich erhöhte Sturz-, Verletzungs- und Mortalitätsrisiko. Demenz ist zu einem gewissen Grad beeinflussbar: „Unser Gehirn verfügt über eine enorme Plastizität, die wir ausnützen müssen – sowohl in der Primär- als auch in der Sekundärprävention. Das Ziel ist dabei keine Lebensverlängerung, sondern den letzten Jahren mehr Leben zu geben. Dies ist sowohl im Alltag zu Hause als auch im Pflegeheim möglich.“6 

Hessen ist Sitz der deutschlandweiten Initiative „Aktion Demenz“ (siehe Projekt), die Kommunen auf ihrem Weg zur Demenzfreundlichkeit unterstützt. Rund zehn hessische Kommunen konnten, durch die Robert-Bosch-Stiftung gefördert, in diesem Kontext Projekte umsetzen.

Fußnote
  1. www.alzheimerinfo.de/alzheimer/demenz-alzheimer/ Abruf am 29. Dezember 2010.
  2. Europäische Initiative zur Alzheimer-Krankheit und zu anderen Demenzerkrankungen (www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P7-TA-2011-0016+0+DOC+XML+V0//DE&language=DE), Abruf 2.11.2015.
  3. Ingo Fusgen (Hrsg.): Demenz – Ein unausweichliches Altersschicksal? Zukunftsforum Demenz in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), Bonn 2010 (www.bagso.de/fileadmin/Aktuell/Publikationen/Dokumentation_Demenz_Unausweichliches_Altersschicksal_18.5.2010.pdf), S. 14, Abruf 4. Februar 2011.
  4. Die Zahlen beruhen auf einer Extrapolation von Krankenkassendaten und Zahlen der Bundesversicherungsanstalt für das Jahr 2009.
  5. Kurz, A., Freter, H.J., Saxl, S., Nickel, E.: Demenz. Das Wichtigste. Ein kompakter Ratgeber. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz. 2015. ISSN 2364–9348.
  6. Ingo Fusgen (Hrsg.): Demenz – Ein unausweichliches Altersschicksal? Zukunftsforum Demenz in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), Bonn 2010 (www.bagso.de/fileadmin/Aktuell/Publikationen/Dokumentation_Demenz_Unausweichliches_Altersschicksal_18.5.2010.pdf) S. 45, Abruf 4. Februar 2011.
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