Präventionsmaßnahmen der Hessischen Landes­regierung – Schrittzähler zur Motivation für mehr Bewegung im Alltag

Das Sozialministerium beteiligte sich am „Ersten Tag der Nachhaltigkeit in Hessen 2010“ mit der Aktion „Bewegung im Alltag“ (siehe auch Senioren in Hessen/Bewegung im Alter und Lebensweisen und Umwelt/Bewegung). Dazu wurden Schrittzähler an verschiedene Arbeitgeber, Selbsthilfegruppen, Ärzte und Apotheken und verschiedene Gruppierungen mit der Absicht verteilt, den Teilnehmern den eigenen Bewegungsumfang bewusst zu machen und somit einen Anreiz zu bieten, Gehen für eine bessere ­Gesundheit und mehr Bewegung im Alltag zu nutzen.

  • Am Ende des Tages waren in Hessen von den teilnehmenden Organisationen insgesamt rund 2,5 Millionen Schritte gelaufen worden.
  • Die HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. – führte im Oktober 2010 gemeinsam mit der Landesapothekerkammer Hessen und interessierten Apotheken den Aktionsmonat „Bewegung macht Sinn – 3000 Schritte extra“ durch. Nähere Informationen finden Sie unter www.hage.de/files/2010-1-hage-hintergrund.pdf , Regionaler Knoten Hessen (Koordinierungsstelle „Soziale Lage und Gesundheit“) und Projektkoordination „Gesund Bleiben“.

Solche Aktionen wurden auch im Jahr 2011 fortgesetzt. In Zusammenarbeit mit der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung e. V. nahmen Migrantinnen und Nicht-Migrantinnen in Gießen gemeinsam am Lauf „Frauen laufen für Europa – auf Geht‘s“ teil. Auch beim Hessentag 2011 in Oberursel wurden die Besucherinnen und Besucher zu mehr Bewegung im Alltag motiviert.1

Aus dieser Aktion sind neue Initiativen erwachsen. So hat die Hessische Landesregierung im Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie gemeinsam mit verschiedenen Partnern im Jahr 2011, zunächst im Rahmen eines Modellprojekts, in Darmstadt und Hanau Bewegungsparcours für ältere Menschen erprobt. Mittlerweile sind hessenweit rund 150 Bewegungsparcours entstanden.Lesen Sie mehr dazu unter Senioren in Hessen/Ansätze für die Prävention „Altern in Gesundheit“ sowie Lebensweisen und Umwelt/Bewegung/Projekte der Landesregierung.

Wanderausstellung „Bewegung in den Alltag bringen – Das macht Sinn“

In Fortentwicklung der Schrittzähleraktion bietet die HAGE, unterstützt vom HMSI und weiteren Partnern für kommunale Einrichtungen, Vereine, Verbände und Institutionen der Seniorenarbeit eine Wanderausstellung in Form von sieben transportablen Projektwänden an. Durch diese sollen die Besucher im Alterssegment 60+ für die Alltagsbewegung als gesundheitliche Ressource sensibilisiert werden. Die Wanderausstellung ist bei der HAGE kostenlos ausleihbar. Von diesem Angebot wurde im Jahr 2014 6-mal Gebrauch gemacht, überwiegend im Rhein-Main-Gebiet. Das Feedback war äußerst positiv.

 

Nähere Informationen erhalten Sie unter:

http://www.hage.de/files/flyer_wanderausstellung_hessenv2_ohne_beschnitt.pdf 

Sekundärprävention durch Bewegung, Ernährung und „Disease Management“

Neben der Primärprävention bei noch nicht Erkrankten ist auch die Sekundärprävention von großer Bedeutung. Während man viele Krankheiten durch sportliche Betätigung nur verzögern kann, ist es möglich, Diabetes zu verhindern. Dem Ausdauersport ist dabei eine hohe Bedeutung zuzuschreiben. Regelmäßige Bewegung senkt den Blutzuckerspiegel und verbessert den Fettstoffwechsel, dies wiederum senkt das Risiko u. a. an Diabetes zu erkranken. Zentrales Ziel ist dabei, den Blutzuckerspiegel zu senken. Dies verringert das Risiko der Folgeerkrankungen und der Mortalität. Durch die gute Beeinflussbarkeit des Blutzuckerspiegels durch nicht medikamentöse Maßnahmen kommt neben der medikamentösen Behandlung der Verhaltensmodifikation eine zentrale Rolle zu. Im Zentrum hierfür steht eine gesunde und ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung.

Betriebliche Gesundheitsförderung

Da Erwachsene viel Zeit am Arbeitsplatz verbringen, ist es auch im Interesse von Unternehmen, die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern. Krankenkassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, „Leistungen zu Gesundheitsförderung in Betrieben“2 zu unterstützen. Durch das Präventionsgesetz wurde 2015 das verfügbare Volumen für betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und Präventionsangebote durch Kassen selbst deutlich erhöht. Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung können nachhaltig einen Beitrag zur Reduzierung von Fehlzeiten und Arbeitsunfällen leisten. Dies birgt gleichzeitig die Möglichkeit, Kosten im Bereich der Lohnnebenkosten kurz- bis mittelfristig zu senken. Darüber hinaus werden weiche Faktoren wie betriebliche Gesundheitsförderung im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte immer wichtiger. Ansatzpunkte sind hier unter anderem Bewegungsmaßnahmen und gesunde Ernährung, z. B. in der Kantine.

„Fit und gesund älter werden“

Das Diabetes-Präventionsprojekt „Fit und gesund älter werden“ von der Landesärztekammer Hessen (LÄKH), unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, richtet sich an Menschen im mittleren Alter und will ihnen gesundheitsfördernde Lebensweisen und Freude an ­Bewegung vermitteln.

In Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten wird im ersten Schritt das individuelle Dia­betesrisiko durch eine Fragebogenaktion (Find­risk-Fragebogen) ermittelt. Die Fragebögen werden im Anschluss anonymisiert von der LÄKH ausgewertet. Mithilfe der Daten haben Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, Patienten gezielt auf eine mögliche Diabetesgefährdung anzusprechen, sie zu beraten und präventive Maßnahmen einzuleiten.

Ein zweites Modul sind Präventionspakete mit Vor­trägen, Workshops und Beratung für Unternehmen.

Übersicht der Ergebnisse der Findrisk-Fragebogenaktion

StadtAnzahl der BefragtenRisiko in den nächsten zehn Jahren an Diabetes zu erkrankenin Prozent
Offenbach 498 36673 %
Landkreis Hersfeld-Rotenburg 345 26075 %
Kassel 110 5651 %
Frankfurt 263 20276 %

Universitäre Diabeteszentren sowie die Landesärztekammer planen eine Evaluation des Projekts, um herauszufinden, wie die Angebote angenommen wurden.

Quelle: Landesärztekammer Hessen.

Fußnote
  1. Interview: Dr. Catharina Maulbecker-Armstrong (Leiterin des Referats Prävention des Hessischen Sozialministeriums).
  2. § 20a Satz 1 SGB V.
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