Carbapenem-resistente gramnegative Erreger (CRGN)

Carbapeneme sind wichtige Antibiotika für die Behandlung multiresistenter gramnegativer Erreger. Eine Carbapenem-Resistenz kann unterschiedliche Ursachen haben. Die derzeit bedeutendste Entwicklung ist dabei die weltweite Ausbreitung bestimmter Carbapenemasen. Die Gene für Carbapenemasen liegen fast immer auf Plasmiden, die zwischen Bakterien ausgetauscht werden können. Sie wurden insbesondere in Enterobakterien, Pseudomonas aeruginosa und Acinetobacter baumannii beschrieben. Carbapenemasen sind bakterielle Enzyme, die zu den Betalaktamasen gehören und in der Lage sind, Carbapeneme und andere Betalaktame zu hydrolisieren. Ihre weltweite Ausbreitung wird als Bedrohung für die Gesundheitsversorgung bezeichnet.

Im Jahr 2011 veröffentlichte das ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) zwei Berichte zur Ausbreitung Carbapenemase-produzierender Enterobacteriaceae (CPE), in denen die Einführung einer Meldepflicht an den Öffentlichen Gesundheitsdienst für CPE empfohlen wurde.1,2 

Carbapenem-resistente gramnegative Erreger (CRGN) sind nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) nicht meldepflichtig. Das IfSG ermächtigt jedoch die Länder, die Meldepflichten nach § 6 oder § 7 durch eine Rechtsverordnung zu erweitern. In Hessen wurde mit einer Verordnung über die Ausdehnung der Meldepflicht vom 29. November 2011 festgelegt, dass zusätzlich zu den in § 7 IfSG aufgeführten Krankheitserregern der Nachweis gramnegativer Erreger mit erworbener Carbapenem-Resistenz, wie beispielsweise Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa oder Acinetobacter baumannii, namentlich zu melden ist.3,4 Meldepflichtig sind Erregernachweise, die der 4MRGN-Klassifizierung der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) entsprechen, d. h. resistent gegenüber den vier bakterizid wirkenden Hauptantibotikagruppen Penicilline, Cephalosporine, Carbapeneme und Fluorchinolone sind. Durch die Einführung der Meldepflicht in Hessen sollte ein Beitrag zur Vermeidung von Übertragungen innerhalb und zwischen Einrichtungen des Gesundheitswesens geleistet werden, Ausbrüche und Quellen/Orte von Übertragungen identifiziert und die Epidemiologie besser beschrieben werden.

Vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Dezember 2014 wurden 983 Meldungen übermittelt, die den neuen Meldekriterien entsprechen, von denen 74 (7,5 %) aus dem ambulanten Sektor erfolgten. Von den Meldungen insgesamt waren 23 % (225) Klebsiella pneumoniae, 21 % (208) Acinetobacter baumannii complex, 15 % (144) Escherichia coli, 13 % (125) Citrobacter spp., 12 % (122) Enterobacter spp. und 7 % (68) Pseudomonas aeruginosa. Der zeitliche Verlauf der Meldungen für die häufigsten Erreger ist in Abb. 91 dargestellt.

Anzahl der 4MRGN Meldungen für die häufigsten Erreger nach Monat und Jahr Hessen 2012 bis 2014
Anzahl der 4MRGN Meldungen für die häufigsten Erreger nach Monat und Jahr Hessen 2012 bis 2014  Foto: Hessisches Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen.

Knapp ein Viertel der Meldungen (231/983) erfolgten im Rahmen eines Ausbruchs5 in Südhessen6, insbesondere von Citrobacter freundii, Klebsiella oxytoca und Escherichia coli. In 461 (47 %) der Isolaten erfolgte der Nachweis einer Carbapenemase.

Diese Daten zeigen eine weite Verbreitung Carbapenemase-produzierender gramnegativer Erreger in Hessen mit regionalen Schwerpunkten.7 Die Meldepflicht lieferte erste Hinweise auf einige Ausbrüche und führte zur Initiierung molekularbiologischer Untersuchungen und Maßnahmen des Infektionsschutzes.

Fußnote
  1. European Centre for Disease Prevention and Control. Updated ECDC risk assessment on the spread of New Delhi metallo-ß-lactamase and its variants within Europe. Stockholm: ECDC, 2011.
  2. Verordnung über die Ausdehnung der Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSGMeldeVO) vom November 2011, (2012).
  3. Hauri A. M., Kaase M., Hunfeld K. P., et al.: Einführung einer Meldepflicht für gramnegative Erreger mit erworbener Carbapenem-Resistenz in Hessen. Hessisches Ärzteblatt. 2012;11:734-7
  4. Robert Koch-Institut (RKI). Plasmid-vermittelter Multispezies-Ausbruch mit Carbapenem-resistenten Enterobacteriaceae. Epi Bull. 2014; 47: 455-9.
  5. Ein Plasmid-vermittelter Multispezies-Ausbruch von KPC-2-produzierender Enterobacteriaceae.
  6. Hauri A. M., Kaase M., Hunfeld, K.-P., et al. 4MRGN-Meldepflicht: eine Public Health-Priorität. Hyg Med. 2015; 40 – 1/2: 26-35
  7. Hauri A. M., Kaase M., Hunfeld, K.-P., et al. Results on the mandatory notification of carbapenem-resistant Gram-negative bacteria, Hesse, Germany, January 2012 – April 2013. GMS Infect Dis. 2014; 2:Doc04. Robert Koch-Institut. Häufung von KPC-2 produzierenden Stämmen verschiedener Enterobacteriaceae-Spezies in Hessen. Epidemiologisches Bulletin. 2014; 21: 183-4.
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