Influenza

Influenza äußert sich überwiegend als akute Infektion der Atemwege mit verschiedenen Ausprägungen (von leichtem Schnupfen bis zu einer schweren Lungenembolie). Zu Komplikationen und schweren Verläufen kann es insbesondere bei älteren Menschen oder Personen mit bestimmten gesundheitlichen Vorschädigungen kommen. Influenza hat eine hohe epidemische Potenz und führt bei epidemischem Auftreten häufig zu einer deutlichen „Übersterblichkeit“ bei älteren Menschen und Personen mit gesundheitlichen Risiken.1,2

Influenza ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Übermittelt werden alle labordiagnostisch nachgewiesenen Fälle sowie Erkrankungen mit epidemischem Zusammenhang. In Hessen wurden 2005 bis 2014 insgesamt 14.884 Fälle gemeldet, wobei die Meldezahlen in der jeweiligen Grippesaison (40. KW bis 15. KW des Folgejahres) sehr unterschiedlich sind (von 72 Fällen 2005/06 bis 7.416 Fälle 2009/10). Da die Meldezahlen sehr von Abrechnungsmöglichkeiten, Studien mit Labornachweisen, dem Meldeverhalten und anderen Faktoren abhängig sind, ist ein Vergleich der Meldezahlen über die Jahre schwierig und spiegelt nicht die Intensität der Viruszirkulation wider.

Dem Risiko eines pandemischen Auftretens der Influenza durch die Ausbreitung „neuer“ Subtypen in der menschlichen Population wird mit der Meldepflicht Rechnung getragen. Während der zurückliegenden Pandemie (Schweinegrippe 2009) trugen die Meldezahlen maßgeblich zur Einschätzung der Lage bei, auch nachdem nicht mehr alle Verdachtsfälle labordiagnostisch untersucht wurden und der Anteil nicht erfasster Infektionen die erfassten Fälle weit überstieg. Neben der Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz gab es in Hessen auch eine zeitnahe Erfassung der Todesfälle und zeitweilig eine Schul-Surveillance sowie eine Krankenhaus-Surveillance.3,4 Darüber hinaus wurden die während der Impfkampagne durchgeführten Impfungen registriert.5 Die Auswertung der Daten ergab sehr frühzeitig Hinweise auf eine gute Schutzwirkung des Pandemie-Impfstoffes. Im Nachgang erfolgte eine Umfrage bei den an der Impfaktion beteiligten Praxen.6,7 Die Auswertung und Evaluation dieser Daten macht das zeitkritische Moment einer Impfaktion und den möglichen Einfluss einer Priorisierung der zu Impfenden deutlich.

Fußnote
  1. Uphoff, H.: Influenza. In Hofmann,F., Edt. Handbuch der Infektionskrankheiten. Ecomed Verlag. Kapitel VIII – 6.23 Influenza.
  2. Uphoff, H., Stilianakis, N. I. 2004: Influenza associated excess mortality from monthly total mortality data for Germany from 1947 to 2000. Methods Inf Med 43: 486-492.
  3. Uphoff, H., Hauri, A. M. Schweinegrippe: Pandemie oder Panik. Hessisches Ärzteblatt 2010; 71: 485-490.
  4. Mazick, A., Gergonne, B., Wuillaume, F., et al.: Higher all-cause mortality in children during autumn 2009 compared with the three previous years: pooled results from eight European countries. Eurosurveillance, Volume 15, Issue 5, 4 February 2010. Rapid communications.
  5. A. Marcic, J. Dreesman, B. Liebl, C. Schlaich, M. Suckau, W. Sydow, A. Wirtz. H1N1-Pandemie – Maßnahmen und Erfahrungen auf Landesebene. Bundesgesundheitsblatt, 2010/12.
  6. Buchholz, U. Uphoff, H.: Klinische Wirksamkeit der Impfung gegen pandemische Influenza (H1N1) 2009 in Deutschland. Epidemiologisches Bulletin Nr. 21, 31. Mai 2010; pp 198.
  7. Uphoff, H., an der Heiden, M., Schweiger, et al.: Effectiveness of the AS03-Adjuvanted Vaccine Against Pandemic Influenza Virus A/H1N1 (2009) – a Comparison of Two Methods; Germany, 2009/10. PLoS- ONE.
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