Masern

Die Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen. Die meldepflichtige Erkrankung beginnt mit Fieber, Schnupfen und einer Bindehaut­entzündung und führt nachfolgend zu dem typischen Hautausschlag. Bei etwa 10 % bis 20 % der Erkrankten kommt es zu Komplikationen, meist bakterielle Lungen- oder Mittelohrentzündungen. Darüber hinaus treten auch schwere Komplikationen auf, etwa bei einem von 1.000 Fällen eine Gehirnentzündung (Enzephalitis), die zu dauerhaften Schädigungen führen kann oder die sehr seltene subakute Sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine immer tödlich verlaufende Spätfolge einer Masernerkrankung, die v. a. bei Kindern auftritt, die im ersten Lebensjahr erkrankten.1 Eine Impfung mit dem sicheren und sehr wirksamen Impfstoff gegen Masern wird seit vielen Jahren empfohlen. Da das Virus ausschließlich beim Menschen vorkommt, ist mit ausreichenden Impfquoten eine Eliminierung des Virus möglich und in einigen Regionen (z. B. WHO-Region Amerika) bereits erreicht.2 Die Bundesländer haben sich 2002 auf der 75. Gesundheitsministerkonferenz (GMK) zu dem WHO-Ziel der Masern- und Röteln­elimination 2015 bekannt.3 Die von der WHO definierten Kriterien sollten spätestens bis 2015 erfüllt sein.4,5

Seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 wurden in Hessen pro Jahr zwischen 13 und 296 Fälle registriert (Abb. 89). Entsprechend den WHO-Kriterien ist das Ziel der Masernelimination erreicht, wenn maximal ein Fall pro Million Bevölkerung auftritt. Masernfälle, die Infektketten zugeordnet werden können, die von einem importierten Fall ausgehen, werden nicht gezählt. Diese Zuordnung von Masern-Erkrankten zu Infektketten gelingt in Hessen noch zu selten.6 Auch in Hessen kann man anhand des Jahresdurchschnittsalters der an Masern Erkrankten eine Verschiebung in höhere Altersgruppen erkennen. Dies liegt unter anderem daran, dass die Durchimpfung der Kinder gegen Masern deutlich besser geworden ist. Um das Ziel der Masernelimination zu erreichen, müssen mindestens 95 % der Bevölkerung zwei Masernimpfungen erhalten haben. Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen zeigen, dass dieses Ziel fast erreicht wird (Tab. 15). Deutliche Impflücken liegen weiterhin vor bei Kleinkindern, durch nicht fristgerechte Impfungen und in höheren Altersgruppen.

Masern Meldefälle in Hessen von 2001 2015
Masern Meldefälle in Hessen von 2001 2015  Foto: Fälle insgesamt: n=940. Quelle: Hessisches Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen.

Tab. 15: Alter der Erkrankten und Impfquoten für Masern

  2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Durchschnittsalter in Jahren 11 12 13 8 18 25 22 15 22 24 32
Impfquote Masern zwei Impfungen oder mehr 64,8 74,1 81,2 87,2 89,2 91,3 92,6 92,6 93,4 93,4 93,8*
Impfquote Masern eine Impfung oder mehr 94,5 95,1 94,8 96,3 96,2 96,7 97 96,7 97,2 97,2 97,2*

Legende: Durchschnittsalter der in dem jeweiligen Jahr gemeldeten Masern-Fälle und Impfquote der Masernimpfungen bei der Schuleingangsuntersuchung in %. [*vorläufig]

Fußnote
  1. Schönberger K., Ludwig M. S., Wildner M., et al.: Epidemiology of Subacute Slerosing Panencephalitis (SSPE) in Germany from 2003 to 2009: A Risk Estimation. PLOS ONE 2013; 8(7): e68909.
  2. Walter A. Orenstein, Mark J. Papania, Melinda E. Wharton. Measles Elimination in the United States. J Infect Dis. (2004) 189 (Supplement 1): S1-S3. doi: 10.1086/377693.
  3. Gesundheitsministerkonferenz der Länder vom 29. und 30. Juni (2011). http://www.gmkonline.de/?&nav=beschluesse_84&id=84_08.03  (Zugegriffen: 9.4.2013)
  4. http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/NAVKO/NAVKO_node.html
  5. WHO Europe: Eliminating Measles and Rubella, Framework for the ­Verification Process in the WHO European Region. 2012.
  6. Uphoff, H., Hauri A. M.: Masernelimination 2015 – können wir es schaffen? Hessisches Ärzteblatt 1/2015: 18-20.
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