Bewegung - Zusammenfassung

Gemäß der World Health Organization (WHO) haben 60 % bis 85 % der Bevölkerung einen sitzenden Lebensstil, welcher von der WHO als einer der größten gesundheitlichen Risikofaktoren eingestuft wird. So wurde der Ausdruck Generation „S“ – sitzender Lebensstil als unabhängiger Risikofaktor für die Übergewichtsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen geprägt. Um auf individueller Ebene eine Änderung des Bewegungsverhaltens zu bewirken, können die Alltagsaktivität und die sportliche Aktivität optimiert werden.1

Ein inaktiver Lebensstil erhöht die Risiken für die Entstehung chronischer Krankheiten wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Mellitus Typ II und Osteoporose. Bereits eine Stunde Fernsehen pro Tag steigert nach einer australischen Studie das Risiko für bestimmte chronische Erkrankungen bei Frauen um 26 % und bei Männern um 12 %.2 Die positiven Effekte körperlicher und sportlicher Aktivität auf die Prävention und Rehabilitation vieler Krankheiten und Beschwerden, auf deren Symptome und auf die Lebensqualität sind mehrfach belegt worden. Trotz dieser Belege sind nach wie vor mehr als die Hälfte aller Erwachsenen zu wenig aktiv und erfüllen die Aktivitätsempfehlungen nicht. Bei den Kindern und Jugendlichen erfüllen sogar weniger als ein Drittel die Bewegungsempfehlungen der WHO.

Dabei ist das Kindes- und Jugendalter in aller Regel der aktivste Lebensabschnitt eines Menschen. Körperliche Aktivität und Sport sind gerade dann eine wichtige Voraussetzung für Wachstum und Entwicklung, da nahezu alle biologischen Systeme davon abhängig sind, in der angemessenen Weise beansprucht zu werden. Der sitzende Lebensstil von Kindern und Jugendlichen ist der Preis des Fortschritts. Bei der Ursachenforschung an erster Stelle zu nennen sind die dramatisch gestiegenen Bildschirmzeiten vor dem Fernseher und dem Computer. In Verbindung mit langen Sitzzeiten in der Schule ergibt sich eine verhängnisvolle Verschiebung weg von der dringend notwendigen körperlichen Aktivität. Ein bereits in der Kindheit erlernter sitzender Lebensstil bleibt meist über die gesamte Kindheit und Adoleszenz bestehen und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter weiterverfolgt. Maßnahmen zur Veränderung des sitzenden Lebensstils sollten deshalb früh in der Kindheit ansetzen. Eltern haben eine herausragende Funktion als Vorbilder. Kinder müssen sehen und erfahren, dass Bewegung ein fester Bestandteil des Alltagslebens ist. Zu Fuß gehen und mit dem Rad fahren, Treppe statt Aufzug nehmen sind dazu wichtige Bausteine.

Um auf individueller Ebene eine Änderung des Bewegungsverhaltens zu bewirken, können sowohl die Alltagsaktivität als auch die sportliche Aktivität optimiert werden. Im Idealfall ist ausreichende Bewegung integraler Bestandteil des Tagesablaufs. Auf der Verhältnisebene gilt es, die Lebenswelten so zu gestalten, dass es leichter fällt, die ­bewegungsförderlichere Wahl zu treffen, z. B. durch den Ausbau von Fahrradwegen.

Fußnote
  1. WHO (2014): 10 facts about physical activity. Online verfügbar unter: http://www.who.int/topics/physical_activity/en/  Zuletzt geprüft am: 8.10.2015.
  2. Dunstan, D. W., Salmon, J., Owen, N., et al. (2005): Associations of TV viewing and physical activity with the metabolic syndrome in Australian adults. Diabetologia, 48, 2254-2261.
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