Bewegungsverhalten in Hessen

Das Bewegungsverhalten der Bevölkerung gliedert sich in das Ausmaß der „sportlichen Aktivität“, der „körperlichen Aktivität“ und der „Häufigkeit des Sporttreibens“. Singulär für Hessen sind dazu keine aktuellen und repräsentativen Statistiken vorhanden. Deshalb werden im Folgenden Ergebnisse des Gesundheitsmonitorings für Gesamtdeutschland des Robert Koch-Instituts (RKI) und hierbei insbesondere die Veröffentlichungen zur „Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)“, „Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA)“ und die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS)“ aufgeführt.

Kinder und Jugendliche

Das Gesundheitsmonitoring des RKI (2014) zeigt, dass von den erfassten 10.426 Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren 77,5 % der Kinder und Jugendlichen sportlich aktiv waren. Die WHO-Empfehlung, täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv zu sein, wurde aber von weniger als einem Drittel (27,5 %) erreicht.1 Die Sitzzeiten steigen im Laufe der Kindheit bis zum Jugendalter an und liegen dann bei Jugendlichen im Durchschnitt bei neun Stunden pro Tag, das sind mehr als 70 % ihrer Wachzeit. Laut KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts2 sind 15 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig. Mit dem Übergewicht steigt das Risiko für schwere Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hauptursache für die Gewichtsentwicklung ist ein Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Ein bereits in der Kindheit erlernter sitzender Lebensstil bleibt meist über die gesamte Kindheit und Adoleszenz bestehen und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter weiterverfolgt. Maßnahmen zur Veränderung des sitzenden Lebensstils sollten deshalb früh in der Kindheit ansetzen.

Fragt man die Kinder selbst, warum sie keinen Sport (mehr) treiben, dann hört man am häufigsten: „andere Interessen“, „kein Spaß“, „fehlende Erfolgserlebnisse“ oder auch „mangelnde Unterstützung“. Daraus lässt sich ableiten: Bewegung muss

  • Spaß machen,
  • Erfolgserlebnisse verschaffen,
  • mit anderen Interessen „mithalten“ können,
  • unterstützt werden.

Rolle des Schulsports

Die Häufigkeit des wöchentlichen Sporttreibens wird auch durch die Anzahl der Schulsportstunden beeinflusst. Eine Grundaktivität ist somit zwar schon durch den obligatorischen Schulsport vorgegeben (Tab. 8). Diese Stunden sind jedoch nicht zwangsläufig an verschiedenen Wochentagen durchzuführen und es werden auch nicht alle tatsächlich erteilt. Im Jahr 2009 wurden 94 % der vorgesehenen Sportstunden tatsächlich erteilt, darunter 99 % in den Grundschulen, 89 % in der Sekundarstufe I und 100 % in der Sekundarstufe II. 11 % der Schulstunden sind dabei von fachfremden Lehrkräften erteilt worden (Grundschule: 14 %, Hauptschule: 15 %, Realschule: 12 %, Gymnasium: 9 %).

Anzahl der wöchentlichen Schulsportstunden

Alter Schulsport
6- bis 13-Jährige (14-Jährige) bis zum Ende der 7. bzw. 8. Klasse (Gymnasium bzw. Haupt- und Realschule) 3
Altersstufen der 14- bis 16-Jährigen: Vom 8./9. Schuljahr bis Ende 10. Schuljahr 2

Förderung von mehr Bewegung in der Schule durch das Hessische Kultusministerium

Neben den Aktivitäten im Bereich „Schule & Gesundheit“ (vgl. 2.11) werden Fortbildungen für Schulleitungen und Lehrkräfte zur Steigerung von Bewegungsaktivitäten in Schulen angeboten. Mithilfe des „Programms zur Förderung der Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen“ werden Kooperationsmaßnahmen gefördert, durch das Programm „Talentsuche – Talentförderung“ sportliche Talente. Neue Chancen für mehr Bewegung entstehen durch die Erweiterung des Ausbaus von Ganztagesschulen.

Erwachsene

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist Bewegungsmangel der vierthäufigste Risikofaktor für frühzeitigen Tod. Nach einer Studie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 20123 sind 74,6 % der Männer und 84,5 % der Frauen weniger als 2,5 Stunden pro Woche körperlich aktiv. 52 % der Frauen und 43 % der Männer schaffen nicht einmal eine Stunde körperliche Aktivität pro Woche. Während der Anteil der Männer, die körperlich aktiv sind, mit zunehmendem Alter gleichmäßig abnimmt, sinkt dieser Anteil bei Frauen erst deutlich ab einem Alter von 65 Jahren.4 33 % der Männer und 34,3 % der Frauen sind sportlich inaktiv. Der Anteil sportlich Inaktiver ist bei Älteren tendenziell höher als bei Jüngeren. 52 % der Männer und 50 % der Frauen treiben hingegen regelmäßig mindestens eine Stunde pro Woche Sport.

Fußnote
  1. Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2014): Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“. Beiträge zur Berichterstattung des Bundes. RKI, Berlin. Online verfügbar unter: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/GEDA12.pdf ;jsessionid=16948EB152D632C3A9787614A0C7052D.2_cid290?__blob=publicationFile Zuletzt geprüft am: 8.10.2015.
  2. Robert Koch-Institut, Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Langzeitstudie seit 2003.
  3. Krug, S., Jordan, S., Mensink, G. B. M., Müters, S., Finger, J. D., Lampert, T. (2012): Körperliche Aktivität – Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt. Robert Koch-Institut (Hrsg.). Online verfügbar unter: http://edoc.rki.de/oa/articles/repRtQDxaXz2/PDF/29NRTMbhpOAI.pdf  Zuletzt geprüft am: 8.10.2015.
  4. Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2014): Einflussfaktoren auf die Gesundheit: Körperliche Aktivität. In: Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“. Beiträge zur Berichterstattung des Bundes. RKI, Berlin. Online verfügbar unter: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/GEDA12.pdf ;jsessionid=16948EB152D632C3A9787614A0C7052D.2_cid290?__blob=publicationFile. Zuletzt geprüft am: 08.10.2015, S. 96.
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