Integrative Wirkung des Sports

Sport spricht alle Sprachen. Die gemeinsamen Erlebnisse von Erfolg und Niederlage können schnell ein Gefühl der Verbundenheit schaffen und bieten Verständigung über alle kulturellen Grenzen hinweg.

Ausländische Staatsbürger, insbesondere Mädchen, sind in Sportvereinen stark unterrepräsentiert. Von der Gesamtbevölkerung sind ca. 30 % in Sportvereinen organisiert. Laut Sportentwicklungsbericht 2013/2014 haben im Durchschnitt 6,2 % der Mitglieder der deutschen Sportvereine einen Migrationshintergrund. Dies entspricht bundesweit insgesamt rund 1,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, die in den rund 91.000 Sportvereinen formal integriert sind. Allerdings zeigen sich hier im Zeitverlauf über die letzten vier Jahre signifikante Veränderungen: Der durchschnittliche Anteil an Sportvereinsmitgliedern mit Migrationshintergrund ist rückläufig.

Eine geschlechterspezifische Betrachtung zeigt, dass mehr Männer unter den Migranten in Sportvereinen zu finden sind: Der durchschnittliche männliche Anteil unter den Sportvereinsmitgliedern mit Migrationshintergrund liegt bei 69,8 %, der Frauenanteil entsprechend bei 30,2 %. Der Frauenanteil unter den Mitgliedern mit Migrationshintergrund ist damit niedriger als der Frauenanteil unter allen Mitgliedern (35,7 %).1 Die Anteile der Mädchen sind dabei noch viel geringer, Schätzungen gehen von einem Anteil von ca. 10 % Mädchen am Gesamtausländeranteil aus. Bei deutschen Vereinsmitgliedern sind Frauen und Mädchen ähnlich stark vertreten wie Männer.

Aufgrund der integrativen Wirkung des organisierten Sports ist eine höhere Teilnahmequote anzustreben. Partizipation in Sportvereinen gründet auf gemeinsamen Interessen und geteilten Werten und Normen. Dies geht jedoch nicht zwangsläufig mit Integration einher. Daher sollten für eine vollständige Integration folgende Punkte erfüllt sein:

  • strukturelle Integration: Herstellung zunehmender Chancengleichheit,
  • soziale Integration: Intensivierung sozialer Beziehungen zwischen Zuwanderern und Autochthonen (Minderheiten),
  • kulturelle Integration (Akkulturation): Prozess, in dem unterschiedliche Werte, Normen und Lebensstile von Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander vereinbar gemacht werden,
  • identifikative Integration: Bei Zuwanderern entsteht das Gefühl der Zugehörigkeit zur Aufnahmegesellschaft. Gleichzeitig werden sie von der Aufnahmegesellschaft als zugehörig gesehen.

Diese Punkte können, müssen aber nicht zwangsläufig aus einer gemeinsamen Vereinszugehörigkeit und entsprechenden Aktivitäten resultieren. Durch das Programm „Integration durch Sport“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wird versucht, diese Ansätze in die Praxis umzusetzen. Mittels „integrativer Sportgruppen“, in denen mindestens die Hälfte der Mitglieder einen Migrationshintergrund aufweist, wird versucht, anhand verschiedener Projekte eine integrative Wirkung durch den Sport zu erreichen.2

Fußnote
  1. Breuer, C., Feiler, S. (2015): Sportvereine in Deutschland – ein Überblick. In: C. Breuer (Hrsg.), Sportentwicklungsbericht 2013/2014. Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland, Köln: Sportverlag Strauß, www.bisp.de 
  2. Deutscher Olympischer Sportbund: Integration durch Sport. Online verfügbar unter: https://integration.dosb.de/ 
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