Ernährung

Zusammenfassung

Die ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln und das vielfältige Angebot haben den Stellenwert der Ernährung und den Konsumstil grundlegend verändert. Durch den modernen Lebensstil ist immer weniger Freiraum zum Selbst­kochen und zum Essen im häuslichen Umfeld. Im Zuge der Außer-Haus-Verpflegung stehen häufig ungünstige Lebensmittel mit einem hohen Energiegehalt, viel Salz und Zucker und einem hohen Gehalt an Transfettsäuren auf dem Speiseplan der westlichen Bevölkerung. Gleichzeitig wird sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen ein zu niedriger Verzehr an pflanzlichen Lebensmitteln, insbesondere Obst und Gemüse, Brot, Kartoffeln und anderen kohlenhydratreichen Beilagen beobachtet. Fettreiche tierische Lebensmittel und Süßigkeiten werden, mit Blick auf die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), deutlich zu viel konsumiert. Die ungünstige Ernährungsweise, zusammen mit dem zunehmend sitzenden Lebensstil, fördert die Entstehung von Übergewicht und nichtübertragbaren Erkrankungen (noncommunicable diseases (NCDs)).

Aufgrund der enormen sozialen und ökonomischen Kosten für die Betroffenen und die Gesellschaft hat die WHO den „European Food and Nutrition Action Plan (2015-2020)” entwickelt. Die Vision des europäischen Aktionsplans ist es, ernährungsabhängige nichtübertragbare Krankheiten – Übergewicht und Adipositas inbegriffen – bis 2020 dramatisch zu reduzieren. Erreicht werden soll dies durch die Einbeziehung aller relevanten Akteure im Sinne des Prinzips „Health in All Policies“. Es sollen Lebensbedingungen geschaffen werden, die insbesondere vulnerable Gruppen bei der Umsetzung einer gesundheitsfördernden Ernährungsweise unterstützen. Die Schaffung eines Lebensumfelds für alle Bürgerinnen und Bürger, das den Verzehr gesunder Speisen und Getränke fördert, als auch die Förderung einer gesunden Ernährung durch das Gesundheitssystem und der Ausbau von disziplinübergreifenden Netzwerken sollen zur Zielerreichung beitragen.

Unter Berücksichtigung dieses Aktionsplans entwickelt die Hessische Landesregierung gezielte Maßnahmen in Hessen, die einen Beitrag zur Verbesserung der Ernährungssituation und damit zur gesundheitlichen Situation der Bürgerinnen und Bürger beitragen. Dafür werden sowohl verhaltens- als auch verhältnispräventive Programme für unterschiedliche Settings, unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, entwickelt und umgesetzt. Dabei wird berücksichtigt, dass der Stoffwechsel wie auch die Ernährungsgewohnheiten schon pränatal, also bereits vor der Geburt und in den weiteren Lebensjahren geprägt werden. Daher gilt es schwangere Frauen über gesundheitsförderliche Ernährungsweisen aufzuklären und den Kindern im weiteren Lebensverlauf die notwendige Ernährungskompetenz zu vermitteln. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf sozial Benachteiligten und Migranten.

Datenquellen

Die folgenden Ausführungen greifen auf repräsentative Daten zum Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen zurück. Berücksichtigt werden dabei die Ergebnisse folgender Studien:

  • EsKiMo-Studie (Ernährungsstudie als KiGGS-Modul) (Datenerhebung: 2006)1
  • die empirischen Daten der DONALD-Studie aus der Region Dortmund seit 19852
  • Studie „Health Behaviour in School-aged Children (HBSC)“ (Datenerhebung: 2010)3
  • Nationale Verzehrsstudie II (Datenerhebung: 2005–2007)
Fußnote
  1. Die EsKiMo-Studie II läuft seit Mitte 2015 bis Mitte 2017. Die Daten werden einen aktuellen Überblick über das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland liefern.
  2. Die DONALD-Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study), das zentrale Forschungsprojekt am Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund (FKE), ist eine 1985 begonnene Langzeitstudie, die gesunde Kinder vom Säuglings- bis in das junge Erwachsenenalter hinein beobachtet und umfassende Daten zu verschiedenen Ernährungs- und Gesundheitsparametern sammelt.
  3. Die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) ist ein internationales kooperatives Forschungsvorhaben, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit über 25 Jahren unterstützt wird. Ursprünglich mit 4 Ländern begonnen, nehmen mittlerweile über 40 Länder mit mehr als 200.000 Kindern und Jugendlichen an der Befragung teil.
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