Ernährung von Erwachsenen in Deutschland

Ergebnisse der nationalen Verzehrsstudie (NVSII) und der DEGS1-Studie zeigen, dass zu wenig Gemüse und Obst gegessen wird. Laut NVSII unterschreiten 87,4 % der Befragten die DGE-Empfehlungen für den Gemüseverzehr von 400 g pro Tag und 59 % der Befragten erreichen nicht die Empfehlung zum Obstverzehr der DGE von 250 g pro Tag.1 Nach der DEGS1-Studie konsumieren Frauen im Mittel 3,1 und Männer 2,4 Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Nur 15 % der Frauen und 7 % der Männer erreichen die empfohlenen fünf Portionen pro Tag. Frauen essen deutlich häufiger Obst und Gemüse als Männer.2 Milch und Milcherzeugnisse werden von jungen Männern im Mittel in höheren Mengen verzehrt als von jungen Frauen. Der Verzehr von Milch, Milcherzeugnissen und Käse sinkt mit zunehmendem Alter, bei Frauen jedoch in geringerem Maße als bei Männern. Der Fleischverzehr ist hoch, wobei Männer doppelt so viel Fleisch, Wurstwaren und Fleischerzeugnisse essen wie Frauen. Fisch und Fischgerichte werden zu wenig gegessen. Der Verzehr von Süßigkeiten ist hoch. Er fällt am höchsten bei den Jugendlichen aus und nimmt mit zunehmendem Alter ab.3

Energiezufuhr

Zur Energie- und Nährstoffzufuhr zeigt die NVSII, dass der Median der Energiezufuhr sowohl bei Frauen als auch bei Männern im Bereich des Richtwertes für die Energiezufuhr bei niedriger körperlicher Aktivität liegt. Den Richtwert für die tägliche Energiezufuhr bei mittlerer körperlicher Aktivität überschreiten etwa 31 % der Frauen und 36 % der Männer.4

Kochsalzzufuhr

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erachtet für Erwachsene eine Speisesalzzufuhr von 6 g pro Tag als ausreichend5, die Weltgesundheitsorganisation von maximal 5 g pro Person und Tag6. In der NVSII lag der Medianwert der Salzzufuhr bei Männern bei 9 g pro Tag und bei Frauen bei 6,5 g pro Tag. Die höchste Salzzufuhr haben junge Männer im Alter von 19 bis 24 Jahren mit einem Median von 9,4 g pro Tag. Mehr als die Hälfte der Frauen (58 %) und die Mehrheit der Männer (86 %) liegen über dem oberen Richtwert der DGE.7 Mit hoher Wahrscheinlichkeit können durch eine Reduktion der Salzzufuhr kardiovaskuläre Erkrankungen vermieden werden, und es besteht kein Nachweis darüber, dass dadurch ein Schaden verursacht wird.8

Vitamine

Vitaminmangel ist in Deutschland selten. Bei der Mehrzahl der Vitamine werden die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr erreicht, bei Vitamin D und Folsäure ist die Zufuhr zu gering. Die DGE-Empfehlungen für die Folsäurezufuhr werden von 86 % der Frauen und 79 % der Männer nicht erreicht und die Empfehlungen für die Vitamin-D-Zufuhr werden von 91 % der Frauen und 82 % der Männer nicht eingehalten. Besonders ausgeprägt ist dies bei jungen Erwachsenen und Senioren. Bei Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern ist darüber hinaus die Versorgung mit einigen B-Vitaminen kritisch9.

Mineralstoffe

Von den Mineralstoffen ist Jod ein Risikonährstoff in der Bevölkerung. Der Verwendung von Jodsalz kommt daher eine besondere Bedeutung zu. 75 % der Frauen im gebärfähigen Alter haben eine zu geringe Eisenzufuhr. Kritisch ist auch die Versorgung mit Calcium. 65 % der Frauen und 61 % der Männer im Alter von 65 bis 80 Jahren unterschreiten die Empfehlungen für die Calciumzufuhr.10 

Essen und Sozialstatus

Deutliche Unterschiede zeigen sich im Lebensmittelverzehr nach dem Sozialstatus. Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst- und Obsterzeugnisse sowie Fisch/-erzeugnisse mit günstiger Nährstoffzusammensetzung werden von Menschen mit niedrigem Sozialstatus weniger verzehrt als von Menschen mit einem höheren Sozialstatus. Fett- und zucker­reiche Lebensmittel wie Fleisch, Wurstwaren und Fleischerzeugnisse, Streichfette und Süßwaren werden dagegen mehr konsumiert. Der Verzehr von zuckerreichen Limonaden liegt bei sozial Benachteiligten 3- bis 4-mal ­höher als bei den sozial besser gestellten Personen.11 

Fußnote
  1. Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie. Ergebnisbericht 2. Online verfügbar unter: http://www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf  . Zuletzt geprüft am 9.10.2015, S. 33.
  2. G. B. M. Mensink, J. Truthmann, M. Rabenberg, C. Heidemann, M. Haftenberger, A. Schienkiewitz, A. Richter (2013): Obst- und Gemüsekonsum in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsbl 2013, 56: 779–785. Online verfügbar unter: https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1478/23e632IIgrVbo.pdf?sequence=1 &isAllowed=y . Zuletzt geprüft am: 12.10.2015.
  3. Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie. Ergebnisbericht 2. Online verfügbar unter: http://www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf  . Zuletzt geprüft am: 12.10.2015, S. 41.
  4. Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie. Ergebnisbericht 2. Online verfügbar unter: http://www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf  . Zuletzt geprüft am: 12.10.2015, S. 92.
  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung; Österreichische Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.) (2000): D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, 1. Auflage.
  6. WHO (2012) Guideline: Sodium intake for adults and children.Online verfügbar unter: http://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/77985/9789241504836_eng.pdf; jsessionid=3E590AC86463803130F1878B7451F3B5?sequence=1
  7. Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie. Ergebnisbericht 2. Online verfügbar unter: http://www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf  . Zuletzt geprüft am: 12.10.2015, S. 127.
  8. Neal, B. (2014): Dietary Salt is a public health hazard that requires vigorous attack. Canadian Journal of Cardiology 30 (2014): 502-506.
  9. Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie. Ergebnisbericht 2. Online verfügbar unter: http://www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf . Zuletzt geprüft am: 12.10.2015, S. 107-125.
  10. Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie. Ergebnisbericht 2. Online verfügbar unter: http://www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf  . Zuletzt geprüft am: 12.10.2015, S. 127-141.
  11. Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie. Ergebnisbericht 2. Online verfügbar unter: http://www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf  . Zuletzt geprüft am: 12.10.2015, S. 58-65.
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