Ernährung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Die Ergebnisse der EsKiMo-Studie (2007) zu Ernährungsmustern zeigen, dass Kinder und Jugendliche zu wenig pflanzliche Lebensmittel – insbesondere Gemüse, Obst, Brot, Kartoffeln und andere kohlenhydratreiche Beilagen – konsumieren. Außerdem werden zu viele fettreiche, tierische Lebensmittel (Fleisch und Wurst) und deutlich zu viele Süßigkeiten gegessen. Während Kinder noch etwas mehr trinken sollten, nehmen die meisten Jugendlichen ausreichend Getränke zu sich, der Anteil von Limonade ist jedoch zu hoch. Die Empfehlungen zum Verzehr von Milch und Milchprodukten werden von vielen Kindern und Jugendlichen erreicht. Jugendliche konsumieren mehr energiereiche und ballaststoffarme Lebensmittel, wie z. B. Fast Food und Limonade. Jungen in der Pubertät und Adoleszenz essen deutlich häufiger kohlenhydratreiche Grundnahrungsmittel wie Nudeln oder Reis, aber nicht häufiger Kartoffeln als die Mädchen. Fast Food, Pommesfrites und Knabberartikel wurden ebenfalls von Jungen ab elf Jahren deutlich häufiger verzehrt als von Mädchen.1

Obst- und Gemüseverzehr bei Kindern und Jugendlichen

Im Rahmen der HBSC-Studie wurde im Zeitraum 2009/2010 der Obst- und Gemüseverzehr sowie der Softdrink-Konsum von 5.005 11- bis 15-jährigen Mädchen und Jungen in allen Bundesländern, mit Ausnahme von Baden-Württemberg, erfasst.2 32 % der Mädchen und 19 % der Jungen verzehren mindestens einmal am Tag Gemüse.2 Der zu beobachtende deutliche Unterschied zwischen Jungen und Mädchen nimmt mit steigendem Alter zu. Dies spiegelt sich auch beim Obstkonsum wider: Während 44 % der Mädchen mindestens einmal am Tag Obst essen, sind es bei den Jungen nur 30 %.3 Diese Ergebnisse zeigen sich auch in der KiGGS-Studie.4

Zuckerhaltige Getränke

Im Hinblick auf den Konsum von Softdrinks fällt der Geschlechtervergleich ähnlich aus: 16,9 % der Mädchen und 23,7 % der Jungen konsumieren täglich Softdrinks. Auch hier nimmt der Unterschied zwischen den Geschlechtern mit steigendem Alter zu. Sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen steigt der Softdrink-Konsum mit steigendem Alter an und ist bei den 11- bis 13-Jährigen am höchsten.5 Die Daten der KiGGS-Studie zeigen noch mal einen deutlichen Anstieg des Softdrink-Konsums bei den Jungen bis zum 17. Lebensjahr.6 Die Analysen zum Zusamenhang mit dem familiären Wohlstand zeigen, dass ein höherer familiärer Wohlstand mit einem niedrigen Softdrink-Konsum einhergeht. Darüber hinaus weisen Mädchen und Jungen ohne Migrationshintergrund den niedrigsten Softdrink-Konsum auf.7

Energiezufuhr

Die mediane Energiezufuhr bei 6- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen entspricht gemäß den Daten der EsKiMo-Studie aus 2006 in etwa den Referenzwerten8. Gleichzeitig ermittelte die Nationale Verzehrsstudie bei den 14- bis 18-jährigen Mädchen und Jungen eine erhöhte Energiezufuhr.9 Diese lag bei den männlichen Jugend­lichen um 37,3 % und bei den weiblichen Jugendlichen um 30,9 % über der für ihr Alter empfohlenen täglichen Energiezufuhr.

Getränke und Übergewicht

Der Zusammenhang zwischen Flüssigkeitskonsum und der Entwicklung von Übergewicht konnte in einer regionalen Studie untermauert werden. Einbezogen wurden Schulen in sozial benachteiligten Wohngegenden in Dortmund für die Intervention und in Essen für die Kontrolle. Die Intervention bestand in einer Unterrichtsreihe zu Wasser und Trinken und der Aufstellung leitungsgebundener Wasserspender in den Schulen. Nach einem Schuljahr tranken die Dortmunder Schülerinnen und Schüler im Mittel ein Glas Wasser mehr pro Tag. Der Anteil übergewichtiger Kinder blieb unter den Dortmunder Kindern konstant und stieg bei den Essener Kindern um 2 %.10

Die DGE empfiehlt eine Flüssigkeitsaufnahme von rund 1,5 Litern am Tag. Dabei sollten energiefreie/-arme Getränke bevorzugt werden. Denn Getränke sollen den Wasserverlust ausgleichen und keine zusätzlichen Kalorien liefern. Am besten geeignet sind daher:

  • Wasser
  • ungezuckerte Früchte- und Kräutertees und
  • mit Wasser verdünnte Frucht und Gemüsesäfte (3 Teile Wasser, 1 Teil Saft).11

Mahlzeiten

Die Regelmäßigkeit der Nahrungsaufnahme und das Auslassen von Mahlzeiten wie insbesondere der Verzicht auf das Frühstück sind nicht nur ernährungsphysiologisch, sondern auch für die Leistungsfähigkeit in der Schule von Bedeutung. Auch hier werden Zusammenhänge zwischen Bildungsniveau und sozialem Hintergrund deutlich. In der HBSC-Erhebung des Jahres 2006 wurde getrennt nach der Schulform berechnet, wie häufig Kinder und Jugendliche in einer Schulwoche ein Frühstück zu sich nehmen: Hauptschüler frühstückten an durchschnittlich 3,2 Tagen, Realschüler an 3,4, Gesamtschüler an 3,5 und Gymnasiasten an 3,8 Tagen der Schulwoche. Eine ähnliche Tendenz zeigte sich auch bei den übrigen Mahlzeiten.12 

Jungen der Klassen sieben und neun frühstückten regelmäßiger als Mädchen. Möglicherweise ist dies Ausdruck des in der gleichen Studie dokumentierten verbreiteten Diätverhaltens von Mädchen dieser Altersstufen. Dass mit steigendem Alter der Anteil der Kinder und Jugend­lichen, die jeden Tag zu Hause frühstücken, sinkt, zeigt die KiGGS1-Studie 2013. Nur 53 % der 14- bis 17-Jährigen nimmt ein tägliches Frühstück zu Hause ein.13 (Abb. 48)

Teilnahme am Frühstück während der Schulwoche in der hessischen HBSC Studie 2006
Teilnahme am Frühstück während der Schulwoche in der hessischen HBSC Studie 2006  Foto: Health Behaviour in School-aged Children – A WHO Cross National Survey (HBSC) 2006 – Hessen, N = 2.929; Prof. Dr. Andreas Klocke, Fachhochschule Frankfurt. Die HBSCStudie 2006 wurde im Bundesland Hessen vom BKK Landesverband Hessen gefordert.

Zusammenschau

Eine ausgewogene Ernährung ist eine grundlegende Voraussetzung für die optimale körperliche und geistige Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Der Verpflegung in Kindertagesstätten und Schulen kommt daher eine bedeutende Rolle zu, besonders vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl von Ganztagsschulen in Deutschland.

Das Pubertätsalter scheint eine wichtige Schwelle für Veränderungen im Ernährungsverhalten darzustellen. Obwohl Jugendliche noch am familiären Essen teilnehmen oder teilnehmen können, entwickeln sie einen eigenen Ernährungsstil, der sich in Teilen deutlich von der Ernährung der Elterngeneration unterscheidet. Bei Jungen gibt es eine Tendenz zu einer teils ungesünderen Zusammensetzung der Nahrung, bei Mädchen eine Tendenz zur Vermeidung energiereicher Lebensmittel. Der Verzehr verschiedener Süßigkeiten bleibt relativ konstant, eine Ausnahme stellen Softdrinks dar.

Die bundesweiten „Qualitätsstandards für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder“ und die „Qualitätsstandards für die Schulverpflegung“ sind Teil des Nationalen Aktionsplans „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“. Sie wurden durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erstellt und leisten einen Beitrag zur Optimierung und Sicherung des Verpflegungsangebotes in Tageseinrichtungen für Kinder und Schulen. Die Anforderungen sind hier einheitlich präzisiert, damit diese überprüfbar und somit als Instrument zur Qualitätssicherung geeignet sind. Die Broschüren wurden an Tageseinrichtungen bzw. Schulen geschickt. Noch mehr Kindertagesstätten und Schulen sollten die Qualitätsstandards verbindlich umsetzen und sich zertifizieren lassen.

Fußnote
  1. Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2007): Was essen unsere Kinder? Erste Ergebnisse aus ESKIMO. Online verfügbar unter: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Kiggs/Basiserhebung/Eskimo/Ersteergebnisse.pdf?__blob=publicationFile Zuletzt geprüft am: 8.10.2015
  2. http://www.gbe-bund.de/pdf/Faktenbl_gemuesekonsum_2009_10.pdf 
  3. http://www.gbe-bund.de/pdf/Faktenbl_obstkonsum_2009_10.pdf 
  4. https://www.kiggs-studie.de/fileadmin/KiGGS-Dokumente/kiggs_tn_broschuere_web.pdf 
  5. http://www.gbe-bund.de/pdf/Faktenbl_softdrinks_2009_10.pdf 
  6. http://www.gbe-bund.de/pdf/Faktenbl_softdrinks_2009_10.pdf 
  7. https://krank.de/wp-content/uploads/2017/04/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf
  8. Forschungsinstitut für Kinderernährung (2009): Donald-News – Gesundes Trinkverhalten durch die Erhöhung des Wasserverzehrs bei Grundschulkindern. Online verfügbar unter: http://www.ernaehrungsepidemiologie.uni-bonn.de/forschung/donald-1/donald-news/donald-news-pp73-4.pdf  Zuletzt geprüft am: 09.10.2015.
  9. Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie. Ergebnisbericht 2. Online verfügbar unter: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/ NVS_ErgebnisberichtTeil2.pdf?__blob=publicationFile
  10. Forschungsinstitut für Kinderernährung (2009): Donald-News – Gesundes Trinkverhalten durch die Erhöhung des Wasserverzehrs bei Grundschulkindern. Online verfügbar unter: https://www.ernaehrungsepidemiologie.uni-bonn.de/forschung/donald-1/donald-news/donald-news-pp73-4.pdf 
  11. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (o.J.): DGE-Ernährungskreis. Online verfügbar unter: https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/ernaehrungskreis/ 
  12. Klocke, A. (2003): Auswertungstabellen der hessischen WHO-Gesundheitsstudie. Fachhochschule Frankfurt.
  13. Robert Koch-Institut (2014): Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland 2013. Online verfügbar unter: https://www.kiggs-studie.de/deutsch/home.html 
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