Trinkwasserberichterstattung in Hessen

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und gehört zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland. Ein Baustein dieser Kontrolle sind die aufgrund der Trinkwasserrichtlinie der EU1 verbindlich geregelten Berichtspflichten zur Trinkwasserqualität. Diese Berichtspflichten sind mit der Trinkwasserverordnung in nationales Recht umgesetzt, wobei der Vollzug der Verordnung den Ländern obliegt.2 Danach muss Trinkwasser grundsätzlich rein und genusstauglich sein, d. h., es darf keine Krankheitserreger aufweisen und keine chemischen Stoffe in Konzentrationen enthalten, die die Gesundheit gefährden könnten.

Der Bericht zur Qualität von Trinkwasser fordert die Einhaltung von detaillierten Vorgaben, die spezifische Kriterien an die chemischen und mikrobiologischen Eigenschaften des Wassers stellen und wie häufig das Trinkwasser zu kontrollieren ist.3

Im Rahmen der Berichtspflicht werden die Angaben über die Trinkwasserqualität auf ein Wasserversorgungsgebiet bezogen. Als solch ein Versorgungsgebiet ist ein geografisch begrenztes Gebiet definiert, dessen Wasser aus einem oder mehreren Vorkommen stammt und in dem die erwartbare Trinkwasserqualität nahezu einheitlich ist. Mit Stand vom 31. Dezember 2013 gibt es in Hessen insgesamt 235 große Wasserversorgungsgebiete (Verteilung von mehr als 1.000 m³ Wasser für den menschlichen Gebrauch oder Versorgung von mehr als 5.000 Personen) und 1.105 kleine Wasserversorgungsgebiete (Verteilung von mindestens 10 m³ Trinkwasser pro Tag oder Versorgung von mindestens 50 Personen sowie Verteilung von höchstens 1.000 m³ Trinkwasser pro Tag und Versorgung von höchstens 5.000 Personen).

Die hessischen Gesundheitsämter erheben im Zuge der Berichtspflicht die für die einzelnen Wasserversorgungsgebiete verbindlichen Daten zur Trinkwasserqualität und melden diese einmal jährlich an das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) als zuständige Stelle. Das HLPUG seinerseits überprüft und fasst alle übermittelten Trinkwasserqualitätsdaten für das Land Hessen zusammen und leitet diese an das Umweltbundesamt. Dort werden die hessischen Daten mit denen aus den anderen Bundesländern ag­gregiert und der Europäischen Kommission gemeldet. Zur Information der Verbraucherinnen und Verbraucher veröffentlichen das Bundesministerium für Gesundheit und das Umweltbundesamt alle drei Jahre einen Bericht über die Trinkwasserqualität in Deutschland.4

In Hessen wurden im Rahmen der Trinkwasserberichterstattung in den Jahren von 2011 bis 2013 durchschnittlich jährlich ungefähr 2.800 Proben mit etwa 43.000 Analysen einzelner Parameter in den großen Wasserversorgungsgebieten und rund 4.200 Proben in den kleinen Wasserversorgungsgebieten mit etwa 74.000 Analysen einzelner Parameter durchgeführt. In den großen Wasserversorgungsgebieten werden die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung je nach untersuchtem Parameter zu 98 % bis 100 % und in den kleinen Wasserversorgungsgebieten zu 94 % bis 100 % eingehalten. Die Ursachen für Grenzwert­überschreitungen lassen sich in der Regel in weniger als 30 Tagen aufklären und beseitigen, sodass nach kürzester Zeit die Trinkwasserqualität wieder den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht.

Aufgrund der anfallenden Datenmenge ist eine Berichterstattung zur Trinkwasserqualität nur EDV-gestützt leistbar. In Hessen wurde ein flexibles Modell des Datentransfers über definierte EDV-Schnittstellen eingeführt. Auf diese Weise können die dabei beteiligten Akteure (Gesundheitsämter, Wasserversorger und Trinkwasseruntersuchungslabore sowie das HLPUG) ihre individuelle Software nutzen. In der zur Berichterstattung genutzten hessischen Trinkwasserdatenbank sind nunmehr die Daten aus drei Berichtsjahren (2011 bis 2013) eingestellt.

Neben den vorgenannten Kontrollen finden noch weitere Untersuchungen des Trinkwassers in Hessen z. B. in Form von Eigenkontrollen der Wasserversorger statt. Auch wird das zur Trinkwassererzeugung verwendete Rohwasser in eigenen Untersuchungsprogrammen überwacht. Somit wird in Hessen umfassend eine hohe Qualität des Trinkwassers sichergestellt und die Verbraucherinnen und ­Verbraucher können dieses ohne Bedenken genießen.

Leitungsgebundene Wasserspender als erfrischender Durstlöscher – Erfahrungen aus den hessischen Gesundheitsämtern

Eine Möglichkeit zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs stellen leitungsgebundene Wasserspender dar. Diese Geräte sind direkt an die Trinkwasserinstallation im Gebäude angeschlossen und können je nach Bautyp unverändertes oder gekühltes sowie mit Kohlensäure ­versetztes Wasser abgeben. Auch für Schulen und Kindertagesstätten ist diese Art der Wasserbereitstellung besonders interessant. Von entscheidender Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Wasserqualität. Diese ist bei Neuanschluss an die Trinkwasserinstallation im Allgemeinen als einwandfrei zu bewerten. Bei langen Standzeiten am falschen Aufstellungsort (z. B. direkte Sonneneinstrahlung) oder bei nicht sachgemäßem Umgang mit den Geräten besteht jedoch die Möglichkeit einer deutlichen Verkeimung des Wassers.

Im Rahmen von rechtlichen Regelungen sind zwei Fälle unterschiedlich zu bewerten:

  • Leitungsgebundene Wasserspender, in denen das Wasser gekühlt, karbonisiert oder anderweitig verändert wird, bedürfen einer Sicherungseinrichtung gegen das Netz der Trinkwasserinstallation nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik. In diesem Fall gilt die Trinkwasserverordnung bis zur Sicherungseinrichtung.5 Ab dieser Stelle gilt das Lebensmittelrecht, jedoch mit einer analog zur Trinkwasserverordnung verlaufenden Beurteilung der Eigenschaften des Wassers. Insbesondere in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Altenheimen können diese Wasserspender auch in die Überwachung nach Trinkwasserverordnung durch das Gesundheits­amt einbezogen werden. Dies liegt im Ermessen des jeweilig zuständigen Gesundheitsamtes.
  • Leitungsgebundene Wasserspender, die das Trinkwasser unbehandelt und unverändert abgeben, sind als Bestandteil der oder Verlängerung der Trinkwasserinstallation zu klassifizieren und unterliegen damit grundsätzlich den Anforderungen der Trinkwasserverordnung. Kenntnisse über den Betrieb von Wasserspendern für den Trinkwasserbedarf in hessischen Schulen liegen vor. Zur Evaluation bisher vorliegender Erfahrungswerte mit bereits betriebenen Wasserspendern für den Trinkwasserbedarf in Schulen wurde vom Sozialministerium Ende 2013 eine Umfrage bei den hessischen Gesundheitsämtern gestartet. Abgefragt wurden sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte. Insbesondere sind folgende Punkte zu nennen: 
    • Anzahl und Modelltyp bereits betriebener Geräte;
    • laufende Betriebskosten;
    • wasserhygienische Erfahrungen;
    • hygienischer Zustand der Geräte;
    • Zuständigkeitsregelung im Rahmen der Überwachung.

Der vollständige Fragenkatalog ist nachfolgend abgebildet:

Fragenkatalog

  • Welche Schulen sind bekannt, in denen Wasserspender betrieben werden?
  • Welche Wasserspender wurden installiert? Wird das Trinkwasser gekühlt und/oder karbonisiert bzw. anders verändert? Sind mehrere Modelle in den Schulen vorhanden?
  • Wird aus dem laufenden Strahl getrunken oder stehen Trinkgefäße zur Verfügung?
  • An welchem Standort sind die Geräte installiert?
  • Wie ist die Zuständigkeit der Überprüfung im Landkreis geregelt?
  • Wurden Hygienekontrollen durchgeführt? Welche Parameter wurden dabei untersucht? In welchem zeitlichen Abstand wurden die Kontrollen durchgeführt?
  • Wie ist der Hygienestatus der Geräte zu bewerten?
  • Wie wird die Wartung und Pflege der Geräte geregelt?
  • Wie hoch sind die laufenden Kosten? Wie werden diese Folgekosten gedeckt?
  • Wie lauten die generellen Erfahrungen? Gibt es Bedenken, Empfehlungen, Anregungen

In Hessen haben sich insgesamt 18 Gesundheitsämter aktiv an dieser Umfrage beteiligt. Hiervon konnten 15 Gesundheitsämter mit Erfahrungswerten aufwarten, sodass deren Rückmeldungen zur Auswertung kamen. Die Erfahrungen der hessischen Gesundheitsämter (Stand: Dezember 2013) zeigen auf, dass Wasserspender für den Trinkwasserbedarf bereits in etlichen Schulen zum Einsatz kommen. Insgesamt sind 191 Schulen benannt, in denen leitungsgebundene Wasserspender betrieben werden oder sich in Planung befinden. Dies macht einen Anteil von etwa 17 % aller Schulen in den ausgewerteten Landkreisen und kreisfreien Städten aus, wobei über die Kreise keine gleichmäßige Verteilung der Anlagen zu beobachten ist. Einige Landkreise planen alle Schulen mit einem entsprechenden Wasserspender auszustatten, anderen ist wiederum lediglich eine Schule in ihrem Zuständigkeitsbereich bekannt, in der eine solche Anlage betrieben wird. In einem einzelnen Fall wird der Betrieb generell abgelehnt.

Die überwiegende Mehrzahl der Gesundheitsämter berichtet insgesamt von positiven Erfahrungen mit den bereits installierten Wasserspendern. So zeigt die Auswertung der Umfrage, dass die Wasserspender von den Schülerinnen und Schülern in der Regel sehr gut angenommen und bewertet werden. Jedoch sind rund 20 % der auswertbaren Rückmeldungen negativ geprägt. So berichten einige Gesundheitsämter, dass Wasserspender aufgrund von Verkeimungen bereits wieder deinstalliert werden mussten.

Erfahrungswerte aus Hessen – Zusammenfassung

  • Gute Annahme durch die Schüler.
  • Hygienisch einwandfreier Betrieb ist möglich, jedoch sind laufende Betriebskosten zu beachten.
  • Regelmäßige Überwachung durch Einbeziehung/Information des Gesundheitsamtes ist zu empfehlen.
  • Bereitstellung von Empfehlungen für die Installation und den Betrieb der Geräte durch Elterninitiativen oder Lehrerinnen und Lehrer sowie Interessensverbünde interessierter Schulen ist empfehlenswert.
  • Inhalt: z. B. Trinkwasseruntersuchung vor der Installation, regelmäßige Wartung, tägliche Reinigung, fortlaufende Trinkwasseruntersuchung im jährlichen Rhythmus (insbesondere mikrobiologische Parameter).

Empfehlungen zur Hygiene für leitungsgebundene Wasserspender

Zur Sicherstellung einer einwandfreien Trinkwasserqualität ist es von unabdingbarer Notwendigkeit, eindeutige Festlegungen hinsichtlich Sorgfaltspflichten und Verantwortlichkeiten zu treffen. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die Schulkinder einerseits mit erfrischendem Trinkwasser versorgt und andererseits durch das Trinkwasser nicht in ihrer Gesundheit beeinträchtigt bzw. gefährdet werden können.

Im Vordergrund steht ein dem Medium Trinkwasser (Lebensmittel) angemessener Umgang, den es gilt allen Nutzern zu vermitteln. Dies kann beispielsweise durch die Einbindung des Themas „Trinkwasser und Trinkwasserhygiene“ in den Unterricht geschehen. Darüber hinaus sind folgende Erfordernisse zur Gewährleistung einer einwandfreien Trinkwasserqualität zu empfehlen:

  • tägliche Reinigung und angemessene Desinfektion der Wasserspender durch geschultes Personal;
  • ausreichende Wartung der Wasserspender;
  • analytische Überprüfung der Trinkwasserqualität vor der Installation der Geräte (chemische und mikrobiologische Parameter, lokale Besonderheiten) und zumindest einmal jährlich eine durchzuführende Trinkwasseruntersuchung auf mikrobiologische Parameter sowie nach Indikation.

Für einen hygienisch einwandfreien Betrieb fallen laufende Betriebskosten an. Diese sind stets zu beachten. Hierzu zählen insbesondere Finanzmittel für die Wartung der Wasserspender und für die mindestens einmal jährlich durchzuführende Trinkwasseruntersuchung. Hinzu kommen, abhängig von der Modellvariante, Finanzmittel für den Stromverbrauch und die für die Karbonisierung benötigten CO2 -Flaschen.

Sind diese Sorgfaltspflichten eingehalten und alle Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt, lässt sich ein hyg­ie­nisch einwandfreier Betrieb für leitungsgebundene Wasserspender ermöglichen.

Fußnote
  1. Richtlinie 98/83/EG des Rates über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch vom 3. November 1998 (ABl. EG Nr. L 330 S. 32).
  2. Trinkwasserverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 2. August 2013 (BGBl. I S. 2977), die durch Artikel 4 Absatz 22 des Gesetzes vom 7. August 2013 (BGBl. I S. 3154) geändert worden ist.
  3. Bekanntmachung des Bundesministeriums für Gesundheit zu „Format für die Berichterstattung der zuständigen Obersten Landesbehörden an das Bundesministerium für Gesundheit / Umweltbundesamt gemäß der Richtlinie 98/83/EG (Trinkwasserrichtlinie)“, veröffentlicht in Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz (2008) 51: 1078–1092.
  4. Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamtes an die Verbraucher und Verbraucherinnen über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasser) in Deutschland (2008–2010). Online verfügbar unter: http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/bericht-des-bundesministeriums-fuer-gesundheit-des-1  Zuletzt geprüft am: 22.1.2015.
  5. Trinkwasserverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 2. August 2013 (BGBl. I S. 2977), die durch Artikel 4 Absatz 22 des Gesetzes vom 7. August 2013 (BGBl. I S. 3154) geändert worden ist.
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