Sozioökonomische Faktoren

Genderaspekte der Subjektiven Gesundheit

Die Ergebnisse des RKI aus der GEDA 2012 zeigen, dass Frauen ihre Gesundheit etwas schlechter bewerten als Männer. So schätzen knapp 75 % der befragten Männer und 69 % der befragten Frauen ihre Gesundheit als „sehr gut“ oder „gut“ ein. Bis zum Alter von 29 Jahren und ab dem Alter von 65 Jahren bewerten Männer ihre Gesundheit signifikant besser als Frauen.1

Migrationshintergrund

Mit steigendem Alter nimmt die Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit bei Deutschen und Zuwanderern ab. Bei türkischen Zuwanderern ist die Abnahme stärker ausgeprägt als bei Deutschen und Zuwanderern aus anderen Herkunftsländern.2 Die komplexen psychosozialen Determinanten von Gesundheit bei Migranten sind noch nicht klar verstanden und beschrieben worden. Außerdem wurden sie bisher noch nicht auf das Konzept der subjektiven Gesundheit bezogen.3

Zusammenhang zwischen (objektiver und subjektiver) Gesundheit und Sozialstatus

„Armut geht mit einem schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand und gesundheitsriskanterem Verhalten einher, erhöht das Risiko für bestimmte Erkrankungen und verringert die Lebenserwartung“4, heißt es in einer aktuellen Zusammenfassung der Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Ein hoher sozioökonomischer Status (SES) ist eng mit einem günstigen Gesundheitsverhalten, vergleichsweise geringen Erkrankungsrisiken und guten psychosozialen Bewältigungsressourcen korreliert. Empirische Befunde des Wissenschaftlichen Instituts der AOK bestätigen „eine sozial ungleiche Verteilung von Gesundheits- und Krankheitsindikatoren“ und zeigen, „dass Versicherte mit niedrigem Einkommen und einfacher Bildung häufiger von Krankheiten und Beschwerden betroffen sind, ihre eigene Gesundheit schlechter einschätzen und vermehrt Krankheitsrisiken angeben“.5

Auf die enge Verzahnung zwischen subjektiver Gesundheit und dem Einkommen verweist auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und schreibt, dass „die Selbsteinschätzung der Gesundheit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität dabei einem Verteilungsmuster folgen, das sich als Gradient beschreiben lässt: je niedriger das Einkommen, desto häufiger treten Beeinträchtigungen der subjektiven Gesundheit auf“.6

Besonders beachtet werden muss auch die Wechselbeziehung zwischen Arbeitslosigkeit und objektiver Gesundheit. „Arbeitslosigkeit stellt ein hohes Risiko für die psychosoziale Gesundheit der Betroffenen dar; hierbei zeigen empirische Befunde, dass v. a. Langzeitarbeitslose (länger als 2 Jahre) vermehrt unter psychischen und psychosomatischen Erkrankungen leiden, aber auch eine höhere Morbidität in Bezug auf körperliche Krankheiten aufweisen.“7

Stress und subjektive Gesundheit

Die Analyse von sozialen Einflüssen auf die subjektive Gesundheit muss auch die psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz und in der Erwerbsarbeit umfassen. Das psychosoziale Stressniveau am Arbeitsplatz (Stichworte sind Mobbing, Burnout) verschärft sich zunehmend. Mit Arbeitsstressformen geht eine Risikoverdoppelung für die Ausprägung der verschiedenen Erkrankungen einher. Effekte auf kardiovaskuläre Krankheiten sind besonders ausgeprägt bei Männern, während bezüglich depressiver Störungen keine Geschlechtsunterschiede beobachtet werden.8 Diese grundsätzliche Erkenntnis ist nicht neu, wird aber noch zu langsam in die Forschung über die subjektive Gesundheit integriert. Im Vordergrund muss dabei eine zielgerichtete und systematische, vorrangig in die betriebliche Gesundheitsförderung integrierte Burnout-Prophylaxe stehen.9

Fußnote
  1. Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2012): Subjektive Gesundheit. In: Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2010“. Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, S. 64. Online verfügbar unter: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/GEDA2010.pdf?__blob=publicationFile . Zuletzt geprüft am: 15.10.2015.
  2. Kirkcaldy. B, Wittig, U., Furnham, AF., Merbach, A., Siefen, RG. (2006): Migration und Gesundheit, Bundesgesundheitsb. – Gesundheitsforsch. – Gesundheitsschutz, 9: 873-883.
  3. Lampert, T., Kroll, L.E. (2010): Armut und Gesundheit, GBE kompakt 5/2010, Hrsg. Robert Koch-Institut Berlin (www.rki.de/gbe-kompakt), Stand: 1. Dezember 2010.
  4. Lampert, T., Kroll LE (2010): Armut und Gesundheit, GBE kompakt 5/2010, Hrsg. Robert Koch-Institut Berlin (www.rki.de/gbe-kompakt), Stand: 1. Dezember 2010.
  5. Zok, K.: Subjektive Gesundheit und Gesundheitsrisiken, Ergebnisse einer Repräsentativ-Umfrage unter GKV-Versicherten, WidO monitor 4 (2): 1-7, 2007.
  6. Lampert, T., Kroll, L.E. Einfluss der Einkommensposition auf die Gesundheit und Lebenserwartung, DIW Berlin Discussion Papers 527 (Sozio-ökonomisches Panel, SOEP), Hrsg.: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, 2005.
  7. J. Siegrist, Dragano N.: Psychosoziale Belastungen und Erkrankungsrisiken im Erwerbsleben, Befunde aus internationalen Studien zum Anforderungs-Kontroll-Modell und zum Modell beruflicher Gratifikationskrisen, Bundesgesundheitsb. – Gesundheitsforsch. – Gesundheitsschutz, 51 (9) 305-312.
  8. J. Siegrist, Dragano N. Psychosoziale Belastungen und Erkrankungsrisiken im Erwerbsleben Befunde aus internationalen Studien zum Anforderungs-Kontroll-Modell und zum Modell beruflicher Gratifikationskrisen Bundesgesundheitsb. Gesundheitsforsch. Gesundheitsschutz, 51 (9) 305-312.
  9. Desch, H.: Sozialmedizinische Aspekte von Burnout-Syndromen und psychosoziale Gesundheitsförderung als neuer Ansatz der Prävention, Psychotherapie im Dialog, 10 (3) 209-214, 2009.
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