Alkohol

Seit vielen Jahrhunderten ist der Konsum von alkoholischen Getränken Teil unseres gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Alkoholkonsum geht allerdings, weit im Vorfeld einer Suchterkrankung, bereits mit vielfältigen Gefahren für unsere Gesundheit einher. Im Jahr 2012 betrug der Pro-Kopf-Konsum an alkoholischen Getränken in der Bundesrepublik Deutschland 135,4 Liter. Das entspricht 9,5 Liter reinen Alkohols.1

In Deutschland konsumieren ca. 10 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Weise. Bei Frauen spricht man vom riskanten täglichen Konsum bei mehr als 12 g und bei Männern bei mehr als 24 g reinen Alkohol. Die Tab. 9 zeigt alkoholische Getränke mit ihrem Alkoholgehalt in Gramm auf.

Tab. 9: Alkoholgehalt in Getränken

Bier 0,3 l Wein 0,2 l Sherry 0,1 l Likör 0,02 lWhisky 0,01 l
13 g Alkohol 16 g Alkohol 16 g Alkohol 5 g Alkohol 7 g Alkohol

Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (o. J.)2 

Hochrechnungen zufolge sind 2015 insgesamt 3,38 Millionen Erwachsene in Deutschland von einer alkoholbezogenen Störung in den letzten zwölf Monaten betroffen (Missbrauch: 1,61 Millionen; Abhängigkeit: 1,77 Millionen). Werden im frühen Kindes- und Jugendalter Alkohol in hohen Mengen konsumiert, steigt das Risiko für alkoholbezogene Krankheiten und weitere alkoholbezogene Probleme. Aktuelle Studien zeigen folgende Zusammenhänge auf:

  • Ein früher Beginn des Alkoholkonsums in Kombination mit anderem problematischen Verhalten (z. B. strafbare Handlungen, tägliches Rauchen) weist auf einen späteren problematischen Alkoholkonsum als Erwachsener hin.
  • Ein früher Beginn des Rauschkonsums weist auf ein problematisches Verhalten (z. B. geringe Schulleistung, illegaler Drogenkonsum) bei Jugendlichen.3

Abb. 52 zeigt Organe auf, die bei einem erhöhten Alkoholkonsum gefährdet sind zu erkranken. 4

Alkoholeinfluss auf die Gesundheit des Menschen
Alkoholeinfluss auf die Gesundheit des Menschen  Foto: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (o. J.)

Für das Jahr 2012 weist die bundesdeutsche Krankenhausdiagnosestatistik 345.034 Behandlungsfälle psychischer oder verhaltensbezogener Störungen durch Alkohol aus. 1994 waren es 205.733 Behandlungsfälle. In den letzten zwölf Jahren ist dies eine Steigerung von 68 %. Weiterhin muss von jährlich 26,7 Milliarden Euro volkswirtschaftlicher Kosten infolge alkoholbezogener Krankheiten ausgegangen werden. Allein die durch Alkoholkonsum verursachten Kosten im deutschen Gesundheitswesen werden auf 660 bis 880 Euro pro Quartal und pro gesetzlich Versichertem geschätzt. Dem stehen Einnahmen des Staates aus alkoholbezogenen Steuern von nur 3,22 Milliarden Euro (2013) gegenüber. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit seinen Steuersätzen bis auf Schaumwein unter dem europäischen Mittelwert: Je Liter reinen Alkohols werden für Branntwein/Spirituosen 13,03 Euro (EU Mittelwert 17,61 Euro), für 1 Liter Schaumwein 13,60 Euro (EU Mittelwert 6,66 Euro) und für Bier 1,97 Euro (EU 7,56 Euro) verlangt. Für Wein wird keine alkoholbezogene Steuer erhoben, der EU Mittelwert liegt bei 6,18 Euro.5,6

Komatöses Rauschtrinken bei Jugendlichen

Der regelmäßige Alkoholkonsum von Jugendlichen in Deutschland ist seit Jahren tendenziell rückläufig(Abb. 53). Dennoch ist Alkohol bei Heranwachsenden das am weitesten verbreitete Suchtmittel. Gleichzeitig haben seit dem Jahr 2000 die Einweisungen alkoholvergifteter Kinder und Jugendlicher in Krankenhäuser massiv zugenommen. Nach Angaben des Hessischen Statistischen Landesamts wurden 1.173 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre im Jahr 2013 mit einem akuten Rausch stationär in hessische Krankenhäuser eingeliefert. Ungenügendes Wissen über die Folgen von Alkohol für die eigene Gesundheit sowie der Einfluss des Umfeldes werden als mögliche Ursachen für das riskante Trinkverhalten von Jugend­lichen diskutiert.7

Anteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland die regelmäßig Alkohol Kunsumieren 2004 bis 2010
Anteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland die regelmäßig Alkohol Kunsumieren 2004 bis 2010  Foto: Statista GmbH (2015)

Logo Halt in Hessen
Foto: Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner hat am 1. März 2011 den Startschuss für eine möglichst flächendeckende Einführung des Projektes „HaLT – Hart am Limit“ in Hessen gegeben. „HaLT“ ist ein erprobtes Projekt, an dem sich in Hessen die Stadt Frankfurt am Main seit 2004 bereits modellhaft beteiligt hatte. Das Programm bietet spezielle Hilfe für Kinder und Jugendliche, die nach exzessivem Trinken mit einer Alkoholvergiftung in einer Klinik aufgenommen werden müssen.

Das Projekt wird vom Sozialministerium gemeinsam mit den Krankenkassen, den Landkreisen und kreisfreien Städten finanziert. Dabei ist Hessen das erste Bundesland, das sich mit allen Krankenkassen in einem einheitlichen Rahmenvertrag über die Finanzierungsgrundlagen einig wurde.

Mit der Koordinierung des Projektes hat das Land die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) beauftragt. Als Ansprechpartnerin für die teilnehmenden Kreise und Städte sowie die beteiligten Krankenkassen hat die HLS die Aufgabe, die Qualifizierung, den Austausch und die Vernetzung zu organisieren und so die Qualität der Umsetzung sicherzustellen.

Bisher haben die Städte Frankfurt am Main, Darmstadt, Kassel, Offenbach und Wiesbaden sowie die Landkreise Offenbach, Hochtaunus, Limburg-Weilburg, Marburg-Biedenkopf, Rheingau-Taunus, Vogelsberg, Fulda, Werra-Meißner, Schwalm-Eder, Kassel, Lahn-Dill, Main-Taunus und Waldeck-Frankenberg ihre Teilnahme zugesagt. Alle Landkreise, die bisher noch nicht dabei sind, sind herzlich eingeladen, sich ebenfalls zu beteiligen.

Fußnote
  1. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (2015): Alkohol – Zahlen und Fakten. Online verfügbar unter: http://www.aktionswoche-alkohol.de/hintergrund-alkohol/zahlen-fakten.html  Zuletzt geprüft am: 14.10.2015.
  2. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (o. J.): Alkohol am Arbeitsplatz. Faltblatt. Online verfügbar unter: http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/2015-05-21-Flyer__AlkoholamArbeitsplatz_BARMERGEK.pdf  Zuletzt geprüft am: 14.10.2015.
  3. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (2015): Jahrbuch Sucht 2015 – Daten und Fakten. Pressemitteilung vom 13.5.2015 in Berlin/Hamm.
  4. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (o. J.): Alkohol am Arbeitsplatz. Faltblatt. Online verfügbar unter: http://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/2015-05-21-Flyer__AlkoholamArbeitsplatz_BARMERGEK.pdf  Zuletzt geprüft am: 14.10.2015.
  5. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (2015): Jahrbuch Sucht 2015 – Daten und Fakten. Pressemitteilung vom 13.05.2015 in Berlin/Hamm.
  6. Statista GmbH (2015): Anteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die regelmäßig Alkohol konsumieren nach Altersgruppen von 2004 bis 2010. Online verfügbar unter: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/172698/umfrage/regelmaessiger-alkoholkonsum-jugendliche-und-junge-erwachsene/  Zuletzt geprüft am: 14.10.2015.
  7. Hessisches Sozialministerium (2011): Vierter Suchtbericht für das Land Hessen 2005 – 2010.
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