Drogen

1.032 Menschen starben im Jahr 2014 bundesweit durch den Konsum illegaler Drogen. In Hessen wurden 66 Drogentote verzeichnet. 2007 waren hier noch 120 Drogentote zu beklagen.1 Die meisten Abhängigen starben nach wie vor an einer Überdosis Heroin, oft auch in Verbindung mit Alkohol oder anderen Drogen. An dritter Stelle der Todesursachen stehen die gesundheitlichen Langzeitschäden aufgrund jahrelangen Drogenkonsums. 85 % der Verstorbenen sind männlich.2

Angebote zur Überlebenshilfe für Abhängige sowie die Substitutionsbehandlung (mit Methadon oder Buprenorphin) und die diamorphingestützte Substitutionsbehandlung tragen dazu bei, dass die Zahl der Drogentoten auf einem niedrigen Niveau stabil bleibt. Die letzten zehn Jahre zeigen, dass immer weniger Menschen an ihrem Drogenkonsum sterben. Das Durchschnittsalter der Drogentoten ist ansteigend3.

Derzeit wird eine intensive Diskussion um den Status von Cannabis geführt. Nach den aktuell erhobenen Daten ist Cannabis nach wie vor die mit Abstand am weitesten verbreitete illegale Droge in Deutschland. Fast jede(r) Vierte (23,2 %) im Alter zwischen 18 und 64 Jahren hat bereits Erfahrungen mit dieser Substanz. In den letzten zwölf Monaten konsumierten immerhin noch 4,5 % Cannabis.

Cannabis wird am häufigsten von jungen Erwachsenen bis zu einem Alter von 20 Jahren konsumiert. Von den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen konsumierten im Jahr 2012 insgesamt 5,6 % in den letzten zwölf Monaten Cannabis (Zwölf-Monats-Prävalenz), was im Vergleich zu 2001 einen Rückgang darstellt. Bei männlichen Jugendlichen ist der Cannabiskonsum weiter verbreitet als bei weiblichen Jugendlichen. Es wird geschätzt, dass je etwa 0,5 % der Bevölkerung im untersuchten Altersbereich die Kriterien für Cannabismissbrauch und -abhängigkeit erfüllen.4 Bezüglich der Gesundheitsgefahren lauten die Befunde, dass bei der großen Mehrheit der Konsumierenden, die nur gelegentlich oder episodisch konsumieren, i. d. R. keine Schädigungen zu verzeichnen sind. Erhebliche gesundheitliche Gefahren und soziale Gefährdungen bestehen jedoch bei hochdosiertem und langjährigem Konsum, besonders wenn dieser bereits in der Pubertät beginnt.5

Neue psychoaktive Substanzen

Als eine große Herausforderung der Drogen- und Suchtpolitik wird von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung das Auftreten neuer psychoaktiver synthetischer Stoffe, die gelegentlich auch als „Research Chemicals“ oder „Legal Highs“6 bezeichnet werden, gesehen. Die harmlos wirkenden Produkte enthalten synthetische Cannabinoide oder andere chemische Wirkstoffe in unterschiedlicher Konzentration, die auf den bunten Verpackungen nicht ausgewiesen werden. Konsumierende rauchen, schlucken oder schniefen die Produkte zu Rauschzwecken. Dem Bundeskriminalamt wurden Fälle aus ganz Deutschland bekannt, in denen es nach dem Konsum dieser Produkte zu teilweise schweren, mitunter lebensgefährlichen Intoxikationen kam. Die meist jugendlichen Konsumierenden mussten mit Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall bis hin zu drohendem Nierenversagen in Krankenhäusern notfallmedizinisch behandelt werden.7

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die strittige Auslegung der Bundesrepublik Deutschland, dass sogenannte Legal Highs „bedenkliche Arzneimittel“ seien seit 2014 außer Kraft gesetzt. Der EuGH hatte entschieden, dass bestimmte neue psychoaktive Substanzen dem Arzneimittelbegriff des Arzneimittelgesetzes (AMG) nicht unterliegen, weshalb ihr Inverkehrbringen nach dem AMG strafrechtlich nicht verfolgt werden kann.8 Der in den vergangenen Jahren befürchtete Eindruck, dass dass Räuchermischungen (mit synthetischen Cannabinoiden versetzte Kräuter) oder „Legal Highs“ bei Jugendlichen an Bedeutung zunehmen könnten hat sich für Hessen nicht erfüllt, wie die MoSyd-Studie in Frankfurt zeigt (Abb. 54).

Räuchermischungen Lifetime und 30 Tages Prävalenz in der Altergruppe 15 bis 18 2008 bis 2013
Räuchermischungen Lifetime und 30 Tages Prävalenz in der Altergruppe 15 bis 18 2008 bis 2013  Foto: Räuchermischungen: 2002 bis 2007 nicht erhoben; 2008: nur „Spice“. Quelle: Werse/Morgenstern/Sarvari (2014)
Fußnote
  1. Pressekonferenz der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und des Präsidenten des Bundeskriminalamtes am 21.4.2015 in Berlin.
  2. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung (2015): Drogen- und Suchtbericht, Mai 2015.
  3. Bühring, P. (2011): Illegale Drogen: Drogenabhängige überleben länger. Deutsches Ärzteblatt 2011; 108(13).
  4. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung (2015): Drogen- und Suchbericht, Mai 2015.
  5. Hessische Landesstelle für Suchtfragen e. V. (2015): Stellungnahme vom 28.5.2015. Online verfügbar unter: http://starweb.hessen.de/cache/AV/19/INA/INA-AV-020-T2.pdf  Zuletzt geprüft am: 14.10.2015.
  6. Die „Legal Highs“ werden z. B. als „Badesalze“, „Lufterfrischer“ oder „Kräutermischungen“ deklariert und als angeblich legale Alternative zu herkömmlichen illegalen Drogen angeboten. Die harmlos wirkenden Produkte enthalten jedoch meist ebenfalls Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Wirkstoffe, die auf den bunten Verpackungen nicht ausgewiesen werden. Konsumenten rauchen, schlucken oder schniefen die Produkte zu Rauschzwecken. Dazu erklärt die ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: „Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse müssen wir vor der missbräuchlichen Anwendung aller sog. ‚Legal High‘–Produkte dringend warnen. Mit dem Konsum sind unkalkulierbare gesundheitliche Risiken verbunden.“
  7. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung / Bundeskriminalamt (2015): Bundeskriminalamt und Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnen vor dem Konsum von „Legal Highs“. Gemeinsame Pressemitteilung vom 20.12.2010 in Wiesbaden/Berlin.
  8. Gerichtshof der Europäischen Union (2014): Kräutermischungen, die synthetische Cannabinoide enthalten und als Ersatz für Marihuana konsumiert werden, sind keine Arzneimittel. Pressemitteilung vom 10.7.2014 in Luxemburg.
  9. Werse, B., Morgenstern, C., Sarvari, L. (2014): MoSyD Jahresbericht 2013. Drogentrends in Frankfurt am Main. Centre for Drug Research (CDR), Frankfurt.
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