Exzessiver Mediengebrauch

Zunehmend wird im Kontext von Suchterkrankungen das relative neue Phänomen der Internetabhängigkeit beachtet. Seit etwa zehn Jahren wird das Problem einer exzessiven Computerspiel- oder Internetnutzung erörtert. Unter verschiedenen Begriffen wie „Computerspielabhängigkeit“, „pathologischer Internetgebrauch“ oder „Internetsucht“ werden derzeit internetbezogene mediennutzungsbezogene Verhaltensweisen zusammengefasst.1 Internetabhängigkeit erfüllt nach dem aktuellen Forschungsstand fünf von neun Kriterien einer (Verhaltens-)Sucht, ist aber noch nicht als Krankheit anerkannt.

Nach der vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenen PINTA-DIARI-Studie von 2013 werden etwa 1 % der 14- bis 64-Jährigen in Deutschland als internetabhängig eingestuft. Das entspricht einer Zahl von ca. 560.000 Menschen. 4,6 % der 14- bis 64-Jährigen werden als problematische Internetnutzende angesehen. In der Regel sind Jugendliche und junge Erwachsene häufiger betroffen. In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen ist die Verbreitung am größten: 2,4 % abhängige und 13,6 % problematische Internetnutzer.2 Diese Zahlen bestätigen erste Schätzungen von Internetsucht, die bereits in der von 2009 bis 2011 durchgeführten Studie „Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA)“ erhoben wurden.3

Nahezu alle Jugendlichen nutzen das Internet regel­mäßig; der mittlere Anteil Jugendlicher mit deutlichen Suchtmerkmalen beträgt europaweit 1,2 % (Deutschland 0,9 %); als gefährdet müssen 12,7 % der Jugendlichen (Deutschland 9,7 %) gelten.4 Internetsüchtige vernachlässigen Schule, Arbeitsplatz und soziale Kontakte. Sie werden gefährlich depressiv oder aggressiv, wenn ihnen der Zugang zum Netz verwehrt wird. Auf Schlaf, Mahlzeiten und Hygiene achten sie nicht mehr, bis hin zur Verwahr­losung beschreibt Bert de Wildt die Folgen der Internetabhängigkeit.5

Internetsucht trifft nach Schätzungen von Fachleuten eine halbe bis eine Millionen Menschen in Deutschland. Ausgehend von den Zahlen der PINTA-Studie ist in Hessen davon auszugehen, dass etwa 41.500 Menschen onlinesüchtig sind.6 Das von der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen initiierte und von der Techniker Krankenkasse geförderte HLS-Projekt „webC@RE“ möchte Betroffene und Angehörige in Hessen für das Thema sensibilisieren, Hilfe anbieten und Selbsthilfeaktivitäten im Internet aufbauen.7

Fußnote
  1. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat zu diesem Thema neue Studienergebnisse vorgestellt. Vgl. dazu: http://www.drogenbeauftragte.de/drogen-und-sucht/computerspiel-und-internetsucht.html 
  2. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hatzu diesem Thema neue Studienergebnisse vorgestellt. Vgl. dazu: http://www.drogenbeauftragte.de/drogen-und-sucht/computerspiel-und-internetsucht.html 
  3. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/ Drogen_und_Sucht/Berichte/Forschungsbericht/Studie_Praevalenz_der_ Internetabhaengigkeit__PINTA_.pdf 
  4. Autor: M. Dreier, K. Wölfling, M. E. Beute: lnternetsucht bei Jugendlichen, Monatsschrift Kinderheilkunde 2014/6: S.496-502.
  5. Bert de Wildt, Digital Junkies: Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder ,2015.
  6. Studie Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA-Studie) der Universität Lübeck/Universität Greifswald 2010/2011, www.drogenbeauftragte.de 
  7. http://www.hls-webcare.org 
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