Tabak

Der Zigarettenkonsum stellt in den Industrieländern das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko und die führende Ursache frühzeitiger Sterblichkeit dar. Sowohl die Krankheitsbelastung durch Zigarettenkonsum als auch dessen Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit sind in ihrem Ausmaß historisch beispiellos. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich 4 Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen des Zigarettenkonsums.1 Allein in Deutschland sterben pro Jahr 110.000 bis 140.000 Menschen an tabak(mit)bedingten Krankheiten.2 „Rauchen ist ein bedeutender Risikofaktor für zahlreiche schwerwiegende, chronische und potenziell tödlich verlaufende Krankheiten, wie z. B. Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen“.3

Krebserkrankungen verursachen den größten Anteil der tabakbedingten Todesfälle: 52 % bei den Männern und 41 % bei den Frauen. Darauf folgen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, woran 30 % der Männer und 32 % der Frauen sterben. Atemwegserkrankungen folgen an dritter Stelle und kosten 19 % der Männer und 28 % der Frauen, die an den Folgen des Tabakkonsums sterben, das Leben.4 Im Durchschnitt leben Rauchende zehn Jahre kürzer als Nichtrauchende (Abb. 49).5

Ueberlebensraten von Rauchern und Nichtrauchern
Ueberlebensraten von Rauchern und Nichtrauchern  Foto: Doll, R. et al., 2004, Bearbeitung: Deutsches Krebsforschungszentrum, Stabsstelle Krebspravention, 2008.

Mehr als die Hälfte aller regelmäßigen Raucher stirbt vorzeitig an den Folgen ihres Tabakkonsums. Lediglich 58 % der Raucher erreichen das siebzigste Lebensjahr und sogar nur 26 % das achtzigste Lebensjahr. Im Vergleich: 81 % der Nichtraucher werden 70 Jahre und 59 % 80 Jahre alt.6 Ein Rauchstopp wirkt sich sofort positiv auf die Gesundheit aus und reduziert langfristig das Risiko für die durch das Rauchen verursachten Erkrankungen. Nach den Zahlen im Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums gilt Folgendes: Wer mit 25 bis 34 Jahren mit dem Rauchen aufhört, gewinnt zehn Lebensjahre. Ein Rauchstopp lohnt sich auch im Alter: Wer mit 55 bis 64 Jahren aufhört, gewinnt immer noch vier Lebensjahre.

Weitere Fakten zum Zigarettenkonsum:7

  • In Deutschland rauchen 25 % der erwachsenen Bevölkerung: rund 30 % der Männer und 20 % der Frauen.
  • Unter den 12- bis 17-Jährigen rauchen 10 %, wobei es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.
  • In den nördlichen Bundesländern rauchen mehr Menschen als im Süden. Die höchsten Raucheranteile unter beiden Geschlechtern haben Berlin und Bremen. In Baden-Württemberg rauchen die wenigsten Männer, in Sachsen die wenigsten Frauen (Abb. 50 und Abb. 51).
Raucherquote nach Bundesländern und Geschlecht bei erwachsenen Maennern
Raucherquote nach Bundesländern und Geschlecht bei erwachsenen Maennern  Foto: Tabakatlas 2015, DKFZ, https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/sonstVeroeffentlichungen/Tabakatlas-2015-final-web-dp-small.pdf. Daten: Mikrozensus 2013, Todesursachenstatistik 2013.
Raucherquote nach Bundesländern und Geschlecht bei erwachsenen Frauen
Raucherquote nach Bundesländern und Geschlecht bei erwachsenen Frauen  Foto: Tabakatlas 2015, DKFZ, https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/sonstVeroeffentlichungen/Tabakatlas-2015-final-web-dp-small.pdf. Daten: Mikrozensus 2013, Todesursachenstatistik 2013.

Nicht nur das aktive Rauchen ist gefährlich beziehungsweise tödlich, sondern auch das Passivrauchen. Entgegen mancher Behauptungen enthält der Tabakrauch, „der beim Passivrauchen eingeatmet wird, […] die gleichen ­giftigen und krebserregenden Substanzen wie der vom Raucher inhalierte Rauch“.8

Menschen, die mit einem Rauchenden zusammenleben oder an ihrem Arbeitsplatz Tabakrauch ausgesetzt sind, haben selbst auch ein erhöhtes Risiko (25 % bis 30 %) an z. B. Herzkrankheiten zu erkranken. An den langfristigen Folgen von Passivrauchen sterben in Deutschland jedes Jahr mehr als 3.300 Menschen. Rund 2.150 davon sterben an koronarer Herzkrankheit und über 770 Nichtraucher ­erleiden einen passivrauchbedingten Schlaganfall.9

Diese zahlreichen Erkrankungen und Todesursachen gehen mit volkswirtschaftlichen Belastungen für die Allgemeinheit einher. Hier spricht man von direkten und indirekten Kosten. In Deutschland liegen die Gesamt­kosten des Tabakkonsums für die Gesellschaft aktuell bei jährlich rund 80 Milliarden Euro.10 Davon sind etwa ein Drittel Kosten für das Gesundheitssystem (direkte Kosten) und zwei Drittel Kosten für die Volkswirtschaft durch Produktionsausfälle und Frühverrentung (indirekte Kosten).

2014 wurden in Deutschland knapp 80 Milliarden Fertigzigaretten geraucht. Das heißt: Jede Bundesbürgerin bzw. jeder Bundesbürger hat statistisch betrachtet 986 Zigaretten geraucht.11 Hinzu addieren sich noch knapp 40 Milliarden selbstgedrehte Zigaretten. Diese starke Verbreitung des Rauchens in der Bevölkerung weist somit weiterhin auf erhebliche Präventionsnotwendigkeiten, vor allem auf struktureller Ebene, hin. Aufgrund des hohen Konsumniveaus reagieren verschiedene europäische Länder mit weitreichenden Regulierungen. Nach Großbritannien und Irland hat nun auch Frankreich ab 2016 neutrale Verpackungen ohne Markennamen und Logos für Zigaretten angekündigt.12  

Das Nichtraucherschutzgesetz ist eine nachhaltige gesetzgeberische Maßnahme, die deutschlandweit in unterschiedlichen Ausprägungen in Kraft ist. Auch mit dem Hessischen Nichtraucherschutzgesetz (HessNRSG) wurde ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Passivrauchenden im öffentlichen Raum geleistet. Ein Rückgang der Herzinfarkte aufgrund solcher Verbote wurde ebenso in Hessen wie auch in vielen Ländern beobachtet. In Schottland war der Effekt in Europa am größten, dort bewirkte das Rauchverbot einen Rückgang der Herzinfarkte um 17 %, in Frankreich um 15 %, in Italien und Irland um 11 %. Auch Studien aus den USA zeigen, dass ein striktes Rauchverbot am Arbeitsplatz sowie in öffentlichen Gebäuden die Herzinfarktrate bis zu einem Drittel senkt. Dort sank die Herzinfarktrate schon im ersten Jahr um 17 %. Ebenfalls sank die Zahl der Krankenhausaufnahmen in den Folgejahren.13 Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Studien, die dies belegen. Damit kann gezeigt werden, dass ein gesetzgeberisches Rauchverbot, also eine Maßnahme im verhältnispräventiven Bereich, eine der wirkungsvollsten Maßnahmen ist.14 Karrieren von Rauchenden beginnen meist schon im jugendlichen Alter. Hier haben sich in den letzten Jahren positive Entwicklungen gezeigt. Die Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen liegt heute bei 10 % und ist damit deutlich geringer als noch 2001 mit 28 %.15 Auch dies ist ein Beleg, dass die vorgenommenen Maßnahmenbündelungen der letzten Jahre im verhältnispräventiven Bereich, wie z. B. Steuererhöhungen, rauchfreie Schulen, Heraufsetzung der Altersgrenzen, Abbau von Zigarettenautomaten, Nichtraucherschutzgesetze und partielle Werbeverbote, ihre gewünschten Wirkungen zeigen.16 Allerdings probieren Jugendliche zunehmend gesundheitsgefährdende neue Trends wie E-Inhalationsprodukte und Wasserpfeifen aus. Im Jahr 2014 haben 15 % der nicht rauchenden Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren die vergleichbar gesundheitsgefährdenden E-Inhalationsprodukte konsumiert, knapp ein Drittel der Jugendlichen hat bereits Wasserpfeife geraucht. Diese Entwicklung muss in den Fokus suchtpräventiver Maßnahmen einbezogen werden. Es ist deshalb begrüßenswert, dass das Verbot der E-Zigaretten und E-Shisha im Rahmen des Jugendschutzgesetzes erfolgen wird.

Positive Effekte des Maßnahmenbündels der Tabakprävention sind17:

  • Der Zigarettenkonsum in Deutschland sank innerhalb von fünf Jahren von 86,6 Milliarden Zigaretten im Jahr 2009 auf 79,5 Milliarden Zigaretten im Jahr 2014.
  • Jugendliche rauchen erheblich weniger als früher.
  • Überzeugte Rauchende gibt es nur wenige: Rund 65 % versuchen im Laufe ihres Lebens, mit dem Rauchen aufzuhören.

Allerdings bedarf es auch in den kommenden Jahren Anstrengungen, um den Zigarettenkonsum weiter zu senken.

Fußnote
  1. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) (2015): Tabakkonsum und gesundheitliche Folgen. Online verfügbar unter: https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Tabakkonsum_und_gesundheitliche_Folgen.html  Zuletzt geprüft am: 13.10.2015.
  2. Hessisches Ministerium für Soziales und Integration (2011): Hessischer Gesundheitsbericht – Tabak. Online verfügbar unter: http://www.sozialnetz.de/awca/b.asp?id=cao  Zuletzt geprüft am: 13.10.2015.
  3. Robert Koch-Institut (2012): Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“ – Rauchen. Online verfügbar unter: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsF/Geda2012/rauchen.pdf?__blob=publicationFile 
  4. DKFZ: Deutscher Tabakatlas 2015, Zahlen und Fakten.
  5. Hessisches Sozialministerium (2011): Tabak. In: Hessischer Gesundheitsbericht. http://www.sozialnetz.de/awca/b.asp?id=cao . Zuletzt geprüft am: 13.10.2015.
  6. Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg: Fakten zum Rauchen, Heidelberg 2008.
  7. DKFZ: Deutscher Tabakatlas 2015, Zahlen und Fakten.
  8. Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) (2015): Passivrauchen und gesundheitliche Folgen . Online verfügbar unter: https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Passivrauchen_und_gesundheitliche_Folgen.html  Zuletzt geprüft am: 13.10.2015.
  9. Deutsches Krebsforschungszentrum (2008): Gesundheitsschäden durch Rauchen und Passivrauchen. Online verfügbar unter: http://www.dkfz.de/de/rauchertelefon/download/FzR_Gesundheitsschaeden.pdf  Zuletzt geprüft am: 14.10.2015.
  10. DKFZ: Deutscher Tabakatlas 2015, Zahlen und Fakten.
  11. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Jahrbuch Sucht 2015, http://www.dhs.de/datenfakten.html 
  12. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (2015): Drogensituation in Deutschland. Viel Schatten, wenig Licht. Pressemitteilung vom 13.5.2015 in Berlin/Hamm.
  13. Deutsches Ärzteblatt (2009): Rauchverbot senkt Herzinfarktrate um ein Drittel. Online verfügbar unter: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/38218  Zuletzt geprüft am: 13.10.2015.
  14. Hessisches Ministerium für Soziales und Integration (2011): Hessischer Gesundheitsbericht – Tabak. Online verfügbar unter: http://www.sozialnetz.de/awca/b.asp?id=cao  Zuletzt geprüft am: 13.10.2015.
  15. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2015): Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen. Online verfügbar unter: http://www.rauchfrei-info.de/informieren/verbreitung-des-rauchens/raucherquote-bei-kindern-jugendlichen/  Zuletzt geprüft am: 14.10.2015.
  16. Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e. V. (2003): Forum zur Entwicklung und Umsetzung von Gesundheitszielen in Deutschland. Bericht. Ergebnisse von AG 6 – Tabakkonsum reduzieren. Online verfügbar unter: http://gesundheitsziele.de/cms/medium/249/030214_bericht_final1_ag6.pdf   Zuletzt geprüft am: 14.10.2015.
  17. Zahlen aus: DKFZ, Tabakatlas 2015, Zahlen und Fakten.
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