Verbreitung von BGF in hessischen Betrieben

Im Rahmen der Evaluation der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie wurde im Jahr 2011 u. a. eine telefonische Befragung bei 6.500 Führungskräften in deutschen Betrieben durchgeführt, in der – neben anderen Themen – auch auf konkrete Aktivitäten in der betrieb­lichen Gesundheitsförderung eingegangen wurde. Weitere Informationen über die Methoden und Ergebnisse der Befragungen finden sich in: TNS Infratest Sozialforschung (2011): GDA Dachevaluation Arbeitgeber- und Beschäf­tigtenbefragung; www.gda-portal.de/de/Evaluation/Evaluation.html 

Aus den damit erstmals vorliegenden empirischen Ergebnissen lässt sich für Hessen das folgende Bild ableiten:

Die Frage „Haben Sie für Ihren Betrieb Ziele oder eine Strategie zum Erhalt und zur Förderung der Gesundheit Ihrer Beschäftigten festgelegt?“ wird insgesamt von etwa 16 % der Betriebe bejaht. Allerdings zeigt die Verteilung auf die verschiedenen Kategorien der Betriebsgröße, dass es hier erwartungsgemäß ausgeprägte Unterschiede gibt: Mehr als die Hälfte der großen Betriebe bietet BGF-Maßnahmen an, wohingegen nur ein kleiner Teil der Kleinstbetriebe entsprechende Aktivitäten ergriffen hat (Abb. 23).

 

Verbreitung von BGF in hessischen Betrieben
Verbreitung von BGF in hessischen Betrieben  Foto: Quelle: Nationale Arbeitsschutzkonferenz (Hrsg.) (2013): Zwischenbericht zur Dachevaluation der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie. Eine Untersuchung der Kooperationsstelle Hamburg IFE und TNS Infratest.

Auf die Frage nach der Art der Angebote ergibt sich die in Abb. 24 dargestellte Verteilung auf mögliche Angebote, wobei einzelne Betriebe mehrere dieser Maßnahmen für ihre Belegschaften umgesetzt haben.

BGF Maßnahmen in hessischen Betrieben
BGF Maßnahmen in hessischen Betrieben  Foto: Quelle: Nationale Arbeitsschutzkonferenz (Hrsg.) (2013): Zwischenbericht zur Dachevaluation der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie. Eine Untersuchung der Kooperationsstelle Hamburg IFE und TNS Infratest.

Es zeigt sich allerdings, dass hinsichtlich der Verknüpfung einzelner BGF-Maßnahmen in eine betriebliche Strategie oder in ein Managementsystem die Mehrheit der Unternehmen konzeptionell noch am Anfang steht, denn beim überwiegenden Teil der Angebote handelt es sich um Einzelmaßnahmen, die nicht in übergreifende Konzepte integriert sind (Abb. 25).

Maßnahmen hessischer Betriebe zur Erreichung von Ziele und Strategien
Maßnahmen hessischer Betriebe zur Erreichung von Ziele und Strategien  Foto: Nationale Arbeitsschutzkonferenz (Hrsg.) (2013): Zwischenbericht zur Dachevaluation der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie. Eine Untersuchung der Kooperationsstelle Hamburg IFE und TNS Infratest.

Die Ergebnisse sämtlicher Studien und Befragungen weisen derzeit steigende Zahlen psychischer Erkrankungen aus. Sie dokumentieren, dass sich die psychischen Belastungen insgesamt auf einem hohen Niveau eingependelt haben und machen auf neue und komplexe Anforderungen im Arbeitsleben aufmerksam, beispielsweise im Zusammenhang mit der Diskussion um das Thema „Industrie 4.0“. Betriebe können diesen zunehmenden Belastungen begegnen, indem sie die Gesundheit und die Leistungs- bzw. Arbeitsfähigkeit ihrer Mitarbeiter aktiv fördern. Essenziell ist es hier, sowohl das individuelle Verhalten als auch die Arbeitsbedingungen, die Arbeitsabläufe und die Arbeitsorganisation usw. zu berücksichtigen. Denn insbesondere zwischen den Arbeitsbedingungen und der Gesundheit der Mitarbeiter gibt es deutliche Zusammenhänge: Schlechte arbeitsorganisatorische und arbeitstechnische Abläufe können sich negativ auf die psychische und physische Gesundheit auswirken.

Von daher wird nachhaltige Prävention im Betrieb mit den genannten direkten und indirekten Zielen der betrieblichen Gesundheitsförderung nur erreicht werden können, wenn Verhältnisprävention und Verhaltensprävention in einem systematischen und auf den Betrieb abgestimmten Prozess des betrieblichen Gesundheitsmanagements ­etabliert werden, der das gesamte Unternehmen im Blick hat und neben der BGF auch den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie die Sicherheitstechnik ­berücksichtigt.

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