Hessische Landeskonferenzen

Ein weiterer Schwerpunkt der Bemühungen zur Förderung der Erwachsenengesundheit des Landes Hessen ist die Ausrichtung jährlicher Landeskonferenzen.

Die 1. Landeskonferenz Hessen „Gesund bleiben mitten im Leben – Strategien der Gesundheitsförderung für Frauen und Männer“ am 31. Oktober 2011 mit 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eröffnete den Diskurs über die Möglichkeiten des Gender-Mainstreaming-Ansatzes. In den einführenden Impulsreferaten wurde deutlich, dass die steigenden Zahlen von psychischen Erkrankungen bei Frauen und Männern ein alarmierendes Gesundheitsproblem darstellen. Dr. Cornelia Lange vom Robert Koch-Institut (RKI) resümierte in ihrem Vortrag, dass Präventionsstrategien im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements sowie Ansätze der Work-Life-Balance dazu beitragen könnten, die Risiken und Auslöser für eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit zu reduzieren.1 Diese Strategien sollten, so Dr. Monika Köster von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), geschlechtersensibel und lebenssituationsspezifisch ausgerichtet sein. „Man muss die einzelnen Zielgruppen bzw. Bereiche wie z. B. Männer, Frauen oder Familien, Arbeitswelt, unterschiedliche Altersgruppen und Lebenssituationen sehr differenziert betrachten. Pauschalrezepte gibt es nicht, wir sollten vielmehr sehr sorgfältig differenzierend vorgehen.“2 Die ausführliche Dokumentation der 1. Landeskonferenz finden Sie auf der Homepage der HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. unter: www.hage.de/service/veroeffent ­lichungen/dokumentationen/landeskonferenz-hessen-­gesund-bleiben-mitten-im-leben.html

Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming ist als Grundsatz und Leitprinzip im Bundesgleichstellungsgesetz verankert und bedeutet, die Lebensbedingungen und Interessen von Frauen und Männern auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen zu berücksichtigen. Übertragen auf die Gesundheitsförderung und Prävention gilt es, gesundheitsfördernde Maßnahmen an den Besonderheiten und Lebenssituationen der Zielgruppe auszurichten, um diese effektiv zu erreichen.3

Die 2. Landeskonferenz Hessen „Gesund bleiben mitten im Leben – Gesundheit in der modernen Arbeitswelt – Alles nur Stress“ am 30. April 2013 mit 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern knüpfte an die erste Veranstaltung an und griff die Problematik psychosozialer Belastungen im Arbeitskontext auf. Steigende Arbeitslosigkeit, unsichere Arbeitsverhältnisse, Über- und Unterforderung, wachsender Konkurrenzdruck, ständige Erreichbarkeit, erhöhte Anforderungen an Flexibilität und Mobilität sowie ein schlechtes Betriebsklima sind Stressoren, die es Beschäftigten erschweren, ihr Leben im Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu halten. Eine Imbalance zwischen Anforderungen und Ressourcen kann zu Erschöpfungszuständen führen und die Lebensqualität der Betroffenen massiv beeinträchtigen. Wie lässt sich aber ein „gesundes“ Verhältnis zwischen Arbeit und den anderen Lebensbereichen schaffen, sodass sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber ein Gewinn entsteht? Für die Wirkung von Work-Life-Balance-Ansätzen spielen insbesondere die Führungskräfte eine wichtige Rolle. Diese können, laut Prof. Dr. Karlheinz Sonntag von der Universität Heidelberg, durch Unterstützung, Vorbildfunktion und Führungsstil die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter durch vorgelebte Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben positiv beeinflussen.4

Aufgrund der Aktualität der Thematik und der hohen gesundheitspolitischen Bedeutung griff auch die 3. Landeskonferenz Hessen „Gesund bleiben mitten im Leben – Depressionen im Erwerbsleben – Gesundheit zwischen Anpassung und Widerstand“ am 11. Juni 2014 mit 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Thema psychische Erkrankungen - insbesondere Depressionen und Burnout – auf. Prof. Dr. Dr. René Hurlemann führte mit seinem Vortrag „Burnout und Depression. Wenn der Seele die Luft ausgeht“ in die Veranstaltung ein. Er begann mit einer Darstellung des arbeitsbezogenen Syndroms „Burnout“: „Wenngleich augenblicklich keine einheitliche Definition des Begriffes Burnout existiert […], so wird Burnout häufig in der klinischen Praxis diagnostiziert. Nach Schätzungen der Betriebskrankenkassen sind ca. 9 Millionen Deutsche von Burnout betroffen. Für den Betroffenen geht das Syndrom mit erheblichem subjektivem Leiden, gravierenden gesundheitlichen Einschränkungen und einer verminderten Arbeitsleistung einher. Ein wesentlicher ätiopathologischer Faktor für die Entstehung des Burn-out ist beruflicher Stress.“5 Depressive Störungen zählen zu den häufigsten und am stärksten tabuisierten Erkrankungen. Ihre wachsende Bedeutung lässt sich aktuell sowohl aus den Daten zu Arbeitsunfähigkeitszeiten als auch aus den Rentenstatistiken ablesen. Gleichzeitig stehen nach Badura (2014) Unternehmen heute vor den Herausforderungen, einem erhöhten Wettbewerbsdruck standzuhalten, mit der sinkenden Belastbarkeit der Mitarbeiter aufgrund der ­Alterung der Gesellschaft umzugehen und exzellente ­Mitarbeiter zu finden und zu binden. Gesundheitsbewusstsein, ein gutes Betriebsklima und die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie sind Faktoren, die der heute auf den Arbeitsmarkt drängenden Generation Y besonders wichtig sind. Deshalb gilt es nach Prof. em. Dr. Bernhard Badura (2014) mögliche Ursachen für Präsentismus und Absentismus zu ergründen und zu bekämpfen sowie eine gute Mitarbeiterführung und eine Kultur der Achtsamkeit für Gesundheit zu entwickeln.6 Die Landeskonferenzen mit dem Fokus auf psychische Erkrankungen zielten darauf ab, die Entstigmatisierung von depressiven Störungen voranzubringen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Impulsvorträgen und Forenbeiträgen für die Krankheit „Depression“ zu sensibilisieren und den offeneren Umgang damit zu fördern. Zukünftig sind weitere jährliche Konferenzen geplant, welche durch Aufklärung, einen offenen Austausch unter den Akteuren und die Bildung von Netzwerken einen Beitrag zur Gesunderhaltung der Hessinnen und Hessen in der mittleren Lebensphase leisten wollen.

Hessischer Gesundheitspreis

Um den Wettbewerb in gesundheitsförderlichen Lebenswelten zu stärken, innovative Ideen der Öffentlichkeit vorzustellen und den Austausch von Erfahrungen zu fördern, ruft die Hessische Landesregierung bereits seit 2012 den mit einem Preisgeld dotierten Hessischen Gesundheitspreis in den Kategorien „Gesund Aufwachsen“, „Gesund Bleiben“ und „Gesund Altern“ aus. Wirkungsvolle Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention können somit dem Entstehen von Krankheiten zuvorkommen oder gesundheitliche Probleme in ein späteres Lebensalter hinauszögern. Die Stärkung von Gesundheitsförderung und Prävention ist ein Beitrag zur Steigerung der individuellen Gesundheit und Lebensqualität des Einzelnen sowie zum Erhalt der Leistungsfähigkeit einer alternden Gesellschaft. Die bereits ausgezeichneten Preisträger haben eine Leuchtturmfunktion und einen Vorbildcharakter für andere gesundheit.

Nähere Informationen zu den bisherigen Preisträgern und dem Bewerbungsverfahren finden Sie unter www.hage.de/gesundheitspreis.html  sfördernde Projekte.

Fußnote
  1. Lange, C. (2011): Psychische Gesundheit von Frauen und Männern im mittleren Lebensalter. Dokumentation Landeskonferenz Hessen „Gesund bleiben mitten im Leben – Strategien der Gesundheitsförderung für Frauen und Männer“. HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e.V. (Hrsg.), S. 16, Online verfügbar unter: http://www.hage.de/service/veroeffentlichungen/dokumentationen/landeskonferenz-hessen-gesund-bleiben-mitten-im-leben.html 
  2. Köster, M. (2011): Podiumsdiskussion. Dokumentation Landeskonferenz Hessen „Gesund bleiben mitten im Leben – Strategien der Gesundheitsförderung für Frauen und Männer“. HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e.V. (Hrsg.), S. 60. Online verfügbar unter: http://www.hage.de/service/veroeffent­lichungen/dokumentationen/landeskonferenz-hessen-gesund-bleiben-mitten-im-leben.html
  3. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2011): Gender Mainstreaming in der Gesundheitsförderung/Prävention. Gesundheitsförderung konkret, Band 10, S. 3.
  4. Sonntag, K. (2011): Work-Life-Balance und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Power-Point-Präsentation. Landeskonferenz: Gesund bleiben mitten im Leben. Gesundheit in der modernen Arbeitswelt – Alles nur Stress?!
  5. Hurlemann, R. (2014): Burnout und Depression. Wenn der Seele die Luft ausgeht. Zusammenfassung des Vortrags vom 11. Juni 2014. Landeskonferenz Hessen: Gesund bleiben mitten im Leben – Depressionen im Erwerbsleben – zwischen Anpassung und Widerstand.
  6. Badura, B. (2014): Kultur der Achtsamkeit für Gesundheit in der erschöpften Arbeitswelt. Power-Point-Präsentation. Landeskonferenz: Gesund bleiben mitten im Leben. Gesundheit in der modernen Arbeitswelt – Alles nur Stress?! Online verfügbar unter: www.hage.de  
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