Hessen
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Senioren in Hessen - Zusammenfassung

Der Anteil der Seniorinnen und Senioren in Hessen prägt wie in Gesamtdeutschland die Bevölkerungsstruktur mit epidemiologischen und sozialen Veränderungen. Von den rund 6 Millionen Menschen in Hessen sind 20 % über 65 Jahre alt. Die gestiegene Lebenserwartung führt dazu, dass die Lebensphase Alter mittlerweile oftmals mehrere Jahrzehnte umfasst. Die demografische Entwicklung in Hessen wird in der Verteilung der Altersgruppen von 1950 und bis heute besonders deutlich. Während seit 1950 der Anteil der 15-Jährigen von 23 % auf 13 % gesunken ist, lag der Anteil der mindestens 65-Jährigen 1950 lediglich bei 10 %. Anhaltend niedrige Geburtenraten und ein weiterer Anstieg der Lebenserwartung, der heute und zukünftig überwiegend auf der verringerten Sterblichkeit im Alter gründet, sorgen auch in den nächsten Jahrzehnten für eine Verschiebung der Altersstruktur zugunsten des Anteils der älteren Bevölkerung. Bis 2050 wird fast ein Drittel der hessischen Bevölkerung im Alterssegment über 65 Jahre anzusiedeln sein. Die Zahl der Hochbetagten über 80 Jahre macht dann rund 14 % aller Hessen aus.1

Die Ausdehnung und die damit verbundene Ausdifferenzierung der Altersphase ist als Gewinn zu betrachten. Viele ältere Menschen genießen ihr Leben bei guter Gesundheit und führen vielfach ein aktives Leben. Im Vergleich zu früheren Generationen weisen heute die über 65-Jährigen ein „jüngeres Verhalten“ auf. Zurückzuführen ist dies neben der wirtschaftlichen Wohlstandsentwicklung und einer besseren sozialpolitischen Absicherung des Alters ebenso auf den medizinischen Fortschritt, eine gute gesundheitliche Versorgung, aber auch eine größere Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung.

„Wir müssen ein realistisches und differenziertes Bild vom Alter zeichnen. Oft wird übersehen, dass wir in der Phase zwischen 65 und 85 einen historisch neuen Lebensabschnitt geschenkt bekommen haben. Die meisten Menschen erleben diesen Abschnitt nicht in Krankheit und Gebrechlichkeit, sondern aktiv und gesund. Diese Potenziale des Alters müssen wir stärker nutzen.“2

Vielfältige Altersbilder werden erkennbar, die sich in unterschiedlichen Lebensweisen und -lagen äußern. Letztere machen zugleich deutlich, dass zahlreiche Ältere mit gesundheitlichen Einschränkungen und begrenzten ökonomischen Ressourcen ihren Alltag bewältigen müssen. Auch im Alter liegen ungleiche Gesundheitschancen vor, die sich aus dem Zusammenhang ungünstiger sozioökonomischer Bedingungen und schlechterer Gesundheit erklären. Insgesamt weist die Altersgruppe der 65- bis 80-Jährigen eine hohe Heterogenität auf.3 Zudem liegt eine große Spanne zwischen den Menschen, die sich in der Übergangsphase von Beruf und Ruhestand befinden sowie den Hochbetagten.4 Mit Blick auf die gesundheitliche Situation Älterer stellt dies neue Anforderungen an Prävention und Gesundheitsförderung sowie an die gesundheitlichen Versorgungsstrukturen.

Eine Unterscheidung unabhängig vom biologischen Alter ist aufgrund körperlicher und geistig-seelischer Funktionen folgendermaßen möglich:

  • Unabhängig lebende Senioren
  • Hilfsbedürftige Senioren
  • Pflegebedürftige Senioren

Wie verschiedene Altersstudien für Deutschland aufzeigen, ist mit fortschreitendem Alter ein deutlicher Anstieg der Gesundheitsprobleme zu beobachten, sowohl hinsichtlich der Anzahl der Erkrankungen als auch bezüglich der Komplexität. Dominierend sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krankheiten des Bewegungsapparats. Wichtige Merkmale von Erkrankungen im Alter sind ein häufig längerer Krankheitsverlauf, eine verzögerte Genesung und eine oft unspezifische Symptomatik. Zu verzeichnen ist grundsätzlich eine Zunahme von chronischen Krankheiten und von Multimorbidität. Der Hilfe- und Pflegebedarf nimmt ebenfalls mit zunehmendem Alter zu. Gleichzeitig zeigen viele Studien, dass sich mit steigendem Alter der subjektive und objektive Gesundheitszustand voneinander unterscheidet und die Mortalität durch die persönliche Einschätzung besser als der objektive Gesundheitszustand vorhergesagt werden kann.5 Hier wird der Umgang mit einem positiven Altersbild notwendig, mit dem trotz möglicher Einschränkungen eine selbstverantwortliche Lebensführung so weit wie möglich zugelassen werden kann und Rahmenbedingungen für die Verwirklichung von Potenzialen geschaffen werden können. Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention gewinnen daher verstärkt an Bedeutung, um möglichst lang ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Die Hessische Landesregierung hat im Sommer 2011 die „Seniorenpolitische Initiative“ gestartet, um vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung die Lebenssituation älterer Menschen zu analysieren und neue Handlungskonzepte und -optionen zu entwickeln. Kernpunkte waren die stärkere Berücksichtigung der Bedürfnisse und Belange der Seniorinnen und Senioren in vielen Politik- und Lebensbereichen und der Paradigmenwechsel von einem defizitorientierten Altersbild hin zu einer Fokussierung auf die Potenziale älterer Menschen. Um ein möglichst sachgerechtes und differenziertes Bild von der Lebenssituation älterer Menschen und notwendigen Veränderungsbedarfen zu erhalten, hat die Hessische Landesregierung eine Dialogforenreihe mit zahl­reichen Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft durchgeführt. Neben der Gesundheit waren Themenfelder „Wohnen und Leben im Alter“, „Engagement und Teilhabe im Alter“, „Gut versorgt im Alter: Ambulante und stationäre Pflege“ und „Ältere Menschen mit Migrations­hintergrund“. In den Dialogforen wurden Zielsetzungen abgeleitet und in einem „Aktionsplan 2012/2013“ festgehalten.

Nähere Informationen unter: www.soziales.hessen.de 

Im Rahmen des Dialogforums „Gesundheit und Prävention im Alter“ wurden folgende Handlungsempfehlungen abgegeben:

  • Gesundheitliche Prävention sollte möglichst frühzeitig ansetzen und über die Schwelle des beruflichen Ruhestandes hinausreichen.
  • Bewegung besitzt neben Ernährung eine Schlüsselbedeutung für die Prävention bei älteren Menschen. Zentral ist die Aktivierung zu altersgerechter Bewegung.
  • Präventionsprogramme müssen insbesondere solche Zielgruppen in den Blick nehmen, die solche Angebote nicht nutzen oder Schwierigkeiten haben, daran teilzunehmen. Dazu gehören sozial Schwache, Immobile, Nichtbeweger oder auch Bewohner von Pflegeeinrichtungen.
  • Prävention muss dort stattfinden, wo die Menschen leben. Erforderlich sind deshalb kleinräumig organisierte Angebote in der Kommune, dem Stadtteil oder der Nachbarschaft (Setting-Ansatz).
  • Prävention benötigt in fachlicher Hinsicht eine möglichst weite Vernetzung und intersektorale Zusammenarbeit.

All diese Punkte sind, neben den zielgruppengerechten Präventionsprogrammen, für die gesundheitliche Situation der Seniorinnen und Senioren in Hessen relevant. Der Setting-Ansatz, die Förderung der Alltagsbewegung sowie die Vernetzung unterschiedlichster Sektoren sind in dem Zusammenhang zielführend. Beispiele für eine sachgerechte Umsetzung in Hessen werden in „Ansätze für die Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung – Altern in Gesundheit“ aufgeführt.

Im Folgenden werden die Daten zur Lebenssituation und gesundheitlichen Lage von Menschen, die in Hessen leben und 65 Jahre und älter sind, dargestellt. Die Analysen stützen sich dabei auf Daten der hessischen und deutschen statistischen Ämter, Krankenkassendaten sowie der Gesundheits- und Altersberichterstattung der Länder und des Bundes.

Fußnote
  1. Hessisches Statistisches Landesamt (Hrsg.) (2014): Statistisches Jahrbuch Hessen 2013/14. Band 2. Bevölkerung, Bildung, Soziales und öffentliche Finanzen. Hessisches Statistisches Landesamt, Wiesbaden; Hessisches Statistisches Landesamt (Hrsg.) (2010): Bevölkerung in Hessen 2060. Ergebnisse der regionalisierten Bevölkerungsberechnung bis 2030 auf der Basis 31.12.2008. Hessisches Statistisches Landesamt, Wiesbaden.
  2. Kristina Schröder, ehemalige Familienministerin, anlässlich der Veröffentlichung des 6. Altenberichts der Bundesregierung am 17.11.2010.
  3. Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.) (2012): Nationales Gesundheitsziel „Gesund älter werden“. Gesundheitsziele.de, Kooperationsverbund zur Weiterentwicklung des nationalen Gesundheitszieleprozesses. Bundesministerium für Gesundheit, Berlin; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2013): Alte Menschen – Expertise zur Lebenslage von Menschen im Alter zwischen 65 und 80 Jahren. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung. Band 44. BZgA, Köln.
  4. Hessisches Sozialministerium (Hrsg.) (o.J.): Seniorenpolitische Initiative Hessen. Alter neu denken – Zukunft gewinnen. Hessisches Sozialministerium, Wiesbaden.
  5. Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.) (2012): Nationales Gesundheitsziel „Gesund älter werden“. Gesundheitsziele.de, Kooperationsverbund zur Weiterentwicklung des nationalen Gesundheitszieleprozesses. Bundesministerium für Gesundheit, Berlin.
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