Bewegung im Alter

Ein gesundheitsbewusstes Leben hat entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität im Alter. Insbesondere ausreichende Bewegung ist unverzichtbar, um körperlich wie geistig mobil zu bleiben. Bewegung kann, wie medizinische Studien zeigen, eine entscheidende Antwort auf viele der häufigen Alterserkrankungen sein. In einer älter werdenden Gesellschaft kommt es daher ganz wesentlich darauf an, sinnvolle Angebote der gesundheitlichen Prävention und insbesondere der Bewegungsförderung für Seniorinnen und Senioren bereitzustellen.

Daher hat die Hessische Landesregierung mehrere Projekte initiiert, die Bewegung im Alltag auch für ältere Menschen fördern.

Jahr für Jahr ereignen sich in Deutschland insgesamt etwa vier bis fünf Millionen Stürze. Besonders häufig trifft es ältere Menschen: Es wird geschätzt, dass etwa ein Drittel der Menschen über 65 Jahre mindestens einmal pro Jahr hinfällt. Viele Stürze haben schlimme Folgen: Mehr als 120.000 ältere Menschen pro Jahr brechen sich dabei den Oberschenkel oder die Hüfte. Die Mobilität der Betroffenen ist danach deutlich eingeschränkt, die selbstständige Bewältigung des Alltags oft nur noch mit großen Einschränkungen möglich. Außerdem werden die Menschen unsicher, sie trauen sich immer weniger zu und ziehen sich sozial zurück. Nicht selten führen Stürze in die Pflegebedürftigkeit. Experten schätzen, dass die Kosten von Stürzen bundesweit insgesamt bei etwa 1 Milliarde Euro liegen. Mehr als 80 % dieser Stürze ereignen sich ohne Bewusstseinsstörungen in Situationen, die keine besonderen Anforderungen an die Balance stellen und die bei fitteren älteren Menschen nicht zu Stürzen führen. Sturzursache ist bei der überwiegenden Zahl aller Fälle, dass aufgrund von Bewegungsmangel die Gleichgewichtsfähigkeit und die Muskelkraft im fortgeschrittenen Alter nachlassen. Es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass ein kombiniertes Gleichgewichts- und Krafttraining das Sturzrisiko um bis zu 50 % reduziert.1

„Besondere Risiken ergeben sich im Hinblick auf Stürze – diese sind in der Gruppe der älteren im Vergleich mit den jüngeren Menschen fast um das Zehnfache erhöht. Welche praktische Konsequenz ergibt sich aus diesen Befunden? Um es deutlich zu sagen: Der Erwerb entsprechender Kompetenz in der Therapie, Rehabilitation und Pflege betagter und hoch betagter Frauen und Männer ist ebenfalls als zentrale präventive Strategie zu bewerten.“2

Regelmäßige Bewegung ist daher notwendig, um im Alter körperlich und geistig mobil zu bleiben. Vor dem Hintergrund ist es unverzichtbar, Seniorinnen und Senioren einen niedrigschwelligen Zugang zu attraktiven und nachhaltigen Maßnahmen der Bewegungsförderung zu ermöglichen.

Projekte, die die Bewegung fördern, sind zum Beispiel:

  • Die Installation von Bewegungsparcours für Seniorinnen und Senioren: Ein Bewegungsparcours ist eine Outdooranlage mit Geräten zum Trainieren verschiedener körperlicher Funktionen. Parcours für Erwachsene sind ausgestattet mit niedrigschwelligen Geräten, die leicht zu handhaben sind und auch Spaziergänger zum Ausprobieren animieren. Ohne große Kraftanstrengung können hier Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer oft in der Alltagskleidung trainiert werden. Ziel der Parcours ist es, Seniorinnen und Senioren zur gesundheitsfördernden Bewegung an der frischen Luft zu motivieren und das soziale Miteinander durch die Bewegung in Gruppen zu fördern. Die Hessische Landesregierung hat im Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie, zunächst im Rahmen eines Modellprojekts, in Darmstadt und Hanau Bewegungsparcours für ältere Menschen erprobt. Gemeinsam mit dem Landessportbund Hessen, der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Fachhochschule Darmstadt und der Hochschule Rhein-Main sowie zwei Unternehmen wurde der gesundheitliche Effekt der Parcours mit Testgruppen geprüft, mit äußerst positivem Ergebnis. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten von neu gewonnener Bewegungsfähigkeit, mehr Sicherheit im Alltag und mehr Lebensfreude durch den Kontakt in der Gruppe. Aus dem Pilotprojekt heraus sind in Hessen mittlerweile rund 150 Bewegungsparcours entstanden. Das Konzept der Bewegungsparcours für ältere Menschen wurde mit einem EU Best Practice Award ausgezeichnet, sodass auch verstärkt Anfragen aus dem europäischen Ausland zu den hessischen Bewegungsparcours vorliegen.

Der Leitfaden zur Einrichtung von Bewegungsparcours ist auf der Webseite www.soziales.hessen.de  abrufbar.

Mit dem Pedelec in Bewegung bleiben – ein Einführungskurs in das Elektrofahrrad

„Mit dem Pedelec in Bewegung bleiben“ hat Bewegungsförderung und Bewegungserhalt bei älteren Menschen in Verbindung mit Verkehrssicherheit im Blick. Seit 2011 sind bereits etliche Aktivitäten rund um das Elektrofahrrad, sog. Pedelecs, mit der HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) e .V. durchgeführt worden. Mit der Idee, Menschen ab 60 Jahren für das Radfahren mit Elektroanschub zu begeistern und zu motivieren, bringt das Projekt ältere Menschen in Bewegung bzw. versucht diese mithilfe der Pedelecs zu erhalten.

Weitere Informationen unter www.hage.de/aktivitaeten/gesund-altern.html.

  • Hochbetagte in Bewegung bringen. In Hessen wird im Rahmen eines weiterführenden Modellprojektes die Umsetzung von Sturzprophylaxekursen exemplarisch getestet. Die dabei gemachten Erfahrungen in der Planung, Durchführung und Organisation sollen genutzt werden, um flächendeckend Sturzprophylaxekurse zu etablieren. In diesen Gruppen wird ein gezieltes Bewegungsprogramm angeboten, das die Selbstständigkeit im höchsten Alter erhält und Pflegebedürftigkeit verhindert. So wird die Muskelkraft trainiert, die alte Menschen brauchen, um eine Treppenstufe hochsteigen oder sich vom Sitzen zum Stehen nach oben drücken zu können. Das Gleichgewicht wird gefördert, um das Sturzrisiko zu reduzieren, und die Gehfähigkeit wird geübt, um die Mobilität auch im allerhöchsten Alter zu erhalten. Ziel ist es, in Frankfurt möglichst viele „Aktiv bis 100“-Gruppen zu organisieren, damit jeder interessierte Einwohner über 80 Jahre die Chance hat, aktiv zu werden.
  • Weitere Informationen erhalten Sie bei Miriam Schreck, E-mail: miriam.schreck@dtb-online.de, Tel. 069/67801-172 oder unter www.dtb-online.de/portal/hauptnavigation/gymwelt/aeltere.html

Aktiv bis 100 – Hochaltrige in Bewegung bringen

Das Frankfurter Projekt „Aktiv bis 100“ stellt sich der Herausforderung, betagte Menschen über 80 Jahren, die zuhause leben und sich bisher nie in ihrem Leben aktiv bewegt haben, zu motivieren, eine Bewegungsgruppe „Aktiv bis 100“ in einem Sportverein zu besuchen. Das Projekt, das von einem Netzwerk verschiedener gemeinnütziger Einrichtungen in Frankfurt durchgeführt und vom Deutschen Turner-Bund koordiniert wird, ist bereits nach kurzer Laufzeit so erfolgreich gewesen, dass es mit dem Frankfurter Sportpreis ausgezeichnet worden ist. Nach zwei Jahren Projektzeit mit Koordination des Deutschen Turner-Bundes ist es seit 2013 in Händen des Turngau Frankfurt e. V. und erfreut sich weiterhin reger Teilnahme und stetigen Zulaufs.

Fußnote
  1. Niederer, D., Beck, V., Vogt, L., Thiel, C., Maulbecker-Armstrong, C., Banzer, W. (2013): Bewegungsparcours, Sturzrisiko und gesundheitsbezogene Lebensqualität – Effekte einer 3-monatigen Bewegungsintervention. In: Zeitschrift für Gerontologie Geriatrie (2013), Band 45, Nr. 6, S. 543-547.
  2. Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, anlässlich der Landeskonferenz Hessen „Altersbilder im Wandel“, www.hage.de 
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