Fit durch gesundes Essen

Jeder ist so alt, wie er sich fühlt. Gerade im Alter haben geistige und körperliche Fitness einen großen Einfluss auf den Erhalt an Alltagskompetenzen und damit die Lebensqualität. Eine vollwertige Ernährung und altersgemäße Bewegung spielen hierbei eine ganz entscheidende Rolle.

Fit im Alter
Foto: DGE e.V.

Mit dem Projekt „Fit im Alter – Gesund essen, besser leben“ soll das Ernährungswissen und die Verpflegung älterer Menschen verbessert werden. Verantwortlich für die Durchführung dieser Kampagne sind die Verbraucherzentrale Hessen, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V.

Kontakte: Frankfurt am Main: Verbraucherzentrale Hessen e. V. Weitere Informationen: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V.

Dass die Ernährung den Gesundheitszustand wesentlich beeinflusst, ist hinreichend bekannt. Viele medizinische Aspekte stehen in einem engen Zusammenhang zur ­Ernährung. Neben Nährstoffbedarf und Krankheiten, die im Zusammenhang mit der Ernährung stehen, spielen Gewohnheiten wie auch Wünsche der Seniorinnen und Senioren eine wesentliche Rolle.

Zur Einschätzung der Ernährungssituation von selbstständig im Privathaushalt lebenden Senioren wurde eine Studie „Ernährung ab 65“ durchgeführt, über die im Ernährungsbericht 2000 berichtet wurde. Sie machte deutlich, dass die Gesundheits- und Ernährungssituation von selbstständig zu Hause lebenden Seniorinnen und Senioren sich nicht wesentlich von der Gruppe jüngerer Erwachsener unterscheidet und somit nicht als kritisch einzustufen ist.

Anders stellt sich die Situation pflegebedürftiger Seniorinnen und Senioren dar. Zurzeit werden etwa zwei Drittel aller Pflegebedürftigen durch ihre Angehörigen sowie ein Drittel teilweise oder vollständig durch ambulante Pflegedienste zu Hause betreut. Das Schwerpunktthema des Ernährungsberichts 2012 war die Ernährung von (meist) hochbetagten Seniorinnen und Senioren, die in Privathaushalten gepflegt und versorgt werden. Die Ergebnisse dieser ErnSIPP-Studie „Ernährungssituation von Seniorinnen und Senioren mit Pflegebedarf in Privathaushalten“ zeigen, dass nur 29,3 % der Teilnehmer einen normalen Ernährungszustand aufweisen, weitere 57,4 % hatten ein Risiko für eine Mangelernährung und bei 13,4 % lag ­bereits eine Mangelernährung vor. Dabei wurden zwischen den Geschlechtern keine Unterschiede ersichtlich. Beim Betrachten der MNA®-Ergebnisse in Bezug zur jeweiligen P?egestufe wurde deutlich, dass mit steigender P?egestufe der Anteil der Personen mit Mangelernährung signi?kant zunahm.

Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Ernährungssituation im häuslichen Umfeld

Auch im Alter und bei Pflegebedürftigkeit ist eine bedarfsgerechte Ernährung Voraussetzung für einen guten Ernährungszustand. Oberstes Ziel ist es, möglichst lange die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Dazu ist es notwendig, das Eintreten körperlicher Funktionsstörungen zu verhindern oder zu verzögern.

Die vielen verschiedenen physiologischen Alterungsprozesse erhöhen das Risiko für eine Fehlernährung. Andererseits können körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigungen auch dazu führen, dass die Nahrungs- und Getränkezufuhr eingeschränkt wird, was sich in einer Mangelernährung manifestiert. Vor allem einer möglichen Dehydratation im Alter kann vorbeugend entgegengewirkt werden. Daher sollte die Ernährung p?egebedürftiger Seniorinnen und Senioren in Privathaushalten grundsätzlich eine besondere Aufmerksamkeit erhalten.

Die Ernährungssituation von pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren in Privathaushalten kann verbessert werden, wenn

  • Informations-, Beratungs- und Kursangebote für Pflegende verbessert und ausgeweitet werden, um die Ernährungsempfehlungen in die Haushalte zu transportieren und das teilweise geringe Ernährungswissen und -bewusstsein zu erhöhen,
  • sowohl die zu pflegenden Personen als auch ihre Angehörigen mit den Grundlagen einer vollwertigen Ernährung im Alter vertraut gemacht werden und in der Lage sind, Ernährungsprobleme frühzeitig zu erkennen,
  • als grundlegende Voraussetzung zur Steigerung des Ernährungsbewusstseins der Beteiligten eine bessere Integration des Themas „Ernährung“ in die Aus- und Weiterbildung von Hausärzten, ambulanten Pflegefachkräften und Therapeuten realistisch wird.

Durch die demografische Entwicklung mit einer starken Zunahme der Anzahl hochbetagter Menschen wird voraussichtlich auch die Zahl pflegebedürftiger älterer Menschen in den nächsten Jahrzehnten stark ansteigen. Pflege und Versorgung zu Hause sind durch die vertraute Umgebung und individuelle Betreuung meist mit größerer Zufriedenheit und größerem Wohlbefinden verbunden als der Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung und sollten daher bestmöglich gefördert werden. Eine gut organisierte und hochwertige Ernährung kann wesentlich dazu beitragen.

Ernährungssituation von Seniorinnen und Senioren in Einrichtungen

Etwa ein Drittel der pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren werden deutschlandweit in etwa 10.700 Einrichtungen der vollstationären Dauerpflege versorgt. Eine Herausforderung besteht im hohen Durchschnittsalter dieser Bevölkerungsgruppe. Etwa die Hälfte der Seniorinnen und Senioren, die in stationären Senioreneinrichtungen leben, ist über 85 Jahre alt. Häufig tritt bei Hochbetagten eine Mangelernährung auf oder liegt bereits beim Einzug in die Einrichtung vor. Der Ernährungsbericht 2008 präsentierte Ergebnisse der ErnSTES-Studie („Ernährung in stationären Einrichtungen für Seniorinnen und Senioren“), die die Ernährungssituation von pflegebedürftigen Heimbewohnern untersuchte. Diese Daten zeigten, dass bei den Bewohnern neben Appetitlosigkeit vor allem Kau- und Schluckbeschwerden weitverbreitet waren. Bei insgesamt 11 % dieser untersuchten Personen wurde eine Mangelernährung festgestellt, bei 48 % ein Risiko für eine Mangelernährung. Bei der Versorgung mit verschiedenen Nährstoffen lagen die Zufuhrmengen vor allem von Vitamin D, E und C sowie von Folat, Calcium und Magnesium deutlich unterhalb der D-A-CH-Referenzwerte. Mit Recht steigen daher die Anforderungen an die Verpflegung dieser heterogenen Gruppe.

Die Anforderungen an die Verpflegung in Senioreneinrichtungen reichen von den Wünschen und Bedarfen „rüstiger und selbstständiger“ Seniorinnen und Senioren bis hin zu speziellen Angeboten und Kostformen für Kranke und Pflegebedürftige. Zum einen beinhalten sie die Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen, bedarfsgerechten und gesunden Verpflegung. Zum anderen erfüllen die gemeinsamen Mahlzeiten wichtige soziale und kulturelle Funktionen, bieten Orientierung und strukturieren den Tag.

DGE
Foto: DGE e.V.

Der DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in stationären Senioreneinrichtungen gibt den Fachkräften der Bereiche Küche, Hauswirtschaft, Pflege und Service den Rahmen zur Verankerung einer vollwertigen Verpflegung. Dazu werden Kriterien zu einer gesunden Lebensmittelauswahl, der Häufigkeit ihrer Verwendung sowie der Speisenplanung und -herstellung bis hin zu einem nährstoffoptimierten Verpflegungsangebot erläutert. Zielgruppenspezifische Anforderungen an Kostformen oder die Essatmosphäre werden genauso thematisiert wie Hygienebestimmungen, Lebensmittelkennzeichnung oder Aspekte der Personalqualifikation und des Qualitätsmanagements. Seminare zur konkreten Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung in der Praxis werden im Rahmen von IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung angeboten.

Kontakte: DGE, Bonn oder Sektion Hessen – DGE e.V.

Ein vollwertiges Verpflegungsangebot, wie im „DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in stationären Senioren­einrichtungen“ beschrieben, leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Trinken – mehr als Durstlöschen

Der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen hat festgestellt, dass viele Menschen im Bereich der Ernährung einen Hilfebedarf aufweisen, der mit zunehmender Pflegebedürftigkeit ansteigt. Ältere Menschen bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme zu unterstützen und für eine bedarfs- und bedürfnisgerechte Ernährung und Flüssigkeitsversorgung Sorge zu tragen, nimmt einen breiten Raum in der täglichen pflegerischen Versorgung ein. Nach Angaben von K. Kurzmann (Externes Qualitätsmanagement Pflege, Fortbildung DGE Potsdam 10/06) sind 41 % der Bewohner (stationär) und ca. 37 % der Pflegebedürftigen (ambulant) in dieser Hinsicht mangelhaft versorgt.

Die Ergebnisse der 2010 durchgeführten ErnSIPP-Studie „Ernährungssituation von Seniorinnen und Senioren mit Pflegebedarf in Privathaushalten“ (Ernährungsbericht 2012) zeigt, dass über die Hälfte der Befragten ein Nachlassen des Durstemp?ndens angaben, was auch die Flüssigkeitszufuhr beein?usste. Insgesamt 18,4 % der Studienteilnehmer gaben an, häu?g oder gelegentlich weniger als einen halben Liter pro Tag zu trinken.

Flüssigkeitsmangel ist damit ein schwerwiegendes Problem bei Seniorinnen und Senioren. Die Folgen sind demenzartige Symptome, Schwindel, Verwirrtheit, Sehstörungen u. v. m. Zu den Aufgaben in der häuslichen Pflege zählt damit auch die Sorge für richtiges und ausreichendes Trinken, das genau auf die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen abgestimmt ist. Der heiße Sommer 2003 führte zu einigen Todesfällen in Hessen, die auf unzureichende Flüssigkeitszufuhr zurückzuführen sind, und veranlasste die Hessische Landesregierung, für Altenheime eine besondere Sorgfaltspflicht je nach Hitzestufe anzuordnen. Es bedarf hier der unterstützenden Schulung und Begleitung der Pflegenden, da die meisten zuhause gepflegt werden und Angehörige ohne professionelle Kenntnisse die Last der Pflege tragen.

DGE
Foto: DGE e.V.

Eine Fortbildungsreihe für pflegende Angehörige zum Themenbereich Trinken bietet neben Fachwissen auch konkrete praxisorientierte Handlungsanweisungen für die tägliche Pflege alter und kranker Menschen. Dazu gehören auch methodische Hinweise, wie man Bedenken gegenüber einer höheren Zufuhr begegnen kann. Ziel ist es, den Angehörigen für die Pflege von alten und kranken Menschen im häuslichen Umfeld die Bedeutung des Trinkens und der richtigen Auswahl der Getränke zu vermitteln, sodass das Trinken in den natürlichen Tagesablauf integriert und von den Pflegebedürftigen angenommen wird.

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