Landeskonferenzen

Vonseiten des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration wurden im Rahmen der Seniorenpolitischen Initiative und angesichts der im Gesundheitsbericht 2011 erhobenen Krankheitsdaten dieser Lebensphase mit verschiedenen Partnern Projekte und Programme in den letzten Jahren ins Leben gerufen und unterstützt. Im Kontext der Initiativen der Hessischen Landesregierung zur Prävention und Gesundheitsförderung hat die Durchführung von Landeskonferenzen eine zentrale Bedeutung. Sie sind Ergebnis des Projekts „GesundLeben – GesundBleiben“ als Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen.

Hessische Landeskonferenzen

Die Hessische Landesregierung und die HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. führen seit 2011 gemeinsam jährliche Landeskon­ferenzen in den Lebensphasen „Gesund Aufwachsen“, „Gesund Bleiben“ und „Gesund Altern“ durch.

Ziel der Veranstaltungen ist es, anhand von Modellprojekten Lösungsansätze für das Land und die Kommunen aufzuzeigen sowie die Akteurinnen und Akteure stärker zu vernetzen. Die Landeskonferenzen bieten Akteuren und Interessierten aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung, Verwaltung und Politik damit eine Plattform, um in den Austausch zu treten und sich interdisziplinär mit aktuellen Thematiken ausein­anderzusetzen.

Die Dokumentationen der jährlichen Tagungen sind auf der Homepage www.hage.de abrufbar. Falls Sie gerne in den Einladungsverteiler aufgenommen werden möchten, senden Sie bitte eine E-Mail an die folgende Adresse: info(at)hage.de.

Um die Herausforderungen für die Gesundheitsförderung in der Lebensphase „Gesund Altern“ in der hessischen Öffentlichkeit zu thematisieren und zu diskutieren, wurde am 27. Januar 2011 die 1. Landeskonferenz Hessen mit dem Titel „Altersbilder im Wandel – Herausforderungen für die Gesundheitsförderung“ initiiert. Die Veranstaltung bildete die Auftaktveranstaltung im Rahmen des Projekts „GesundLeben – GesundBleiben“ der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen. Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Lehr führte in die Thematik ein und machte deutlich, dass in einer älter werdenden Gesellschaft „eine Verpflichtung abgeleitet (wird), alles zu tun, um möglichst gesund und kompetent ein hohes Lebensalter zu erreichen. Es gilt, dem Leben nicht nur Jahre zu geben, sondern den Jahren Leben zu geben.“1 Um die Herausforderungen zu meistern, hielt Frau Prof. Dr. Elisabeth Pott, ehemalige Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) fest: „Die Rahmenbedingungen sind immer ganz wichtig, was oft im Hinblick auf Gesundheitsförderung und Prävention unterschätzt wird. Für gute Prävention und Gesundheitsförderung braucht man Infrastruktur.“2

Seit 2011 bieten die Landeskonferenzen u. a. eine Plattform zur Vernetzung für Akteure, die für Gesundheit Älterer mitgedacht werden müssen. Jährlich nehmen rund 100 Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft sowie Beschäftigte und Interessierte aus den Bereichen Senioren, Gesundheit, Soziales, Bildung und bürgerschaftliches Engagement an der Landeskonferenz „Gesund Altern“ teil.

Zum Thema „Altersbilder im Wandel – Förderung und Erhalt von Lebensqualität“ fand die 2. Landeskonferenz „Gesund Altern“ am 23. April 2012 statt. Mit der Konferenz wurde der Gedanke aufgegriffen, dass es nicht nur darum geht, länger zu leben, sondern dem Leben mehr Qualität zu geben. Mit Blick auf die Altersbilder wurde vorgestellt, auf welche Weise biografische Qualität gelebt werden kann. Auf ausgewählte Settings wie die Kommune, das eigene Wohnumfeld und das Arbeitsfeld wurde hierzu Bezug genommen. Prof. Dr. Annelie Keil erläuterte die biografische Lebensqualität als Kriterium der Gesundheitsförderung und machte Folgendes deutlich: „Leben braucht Bedingungen und Strukturen, um zu entfalten, was in ihm steckt.“3 Prof. Dr. Winfried Banzer von der Goethe-Universität Frankfurt am Main machte darauf aufmerksam, dass die Lebensbedingungen sehr unterschiedlich sein können. „Wir dürfen nicht so tun, als ob es allen Menschen, die älter werden, auch finanziell gut geht. Wir wissen auch, dass Gesundheit ein soziales Problem ist. Die Schere in Deutschland wird immer größer zwischen den Menschen, die sich Gesundheit leisten können und denen, die sich Gesundheit nicht leisten können.“4

In das bundesweite Gesundheitsziel „Gesund älter werden“ im Handlungsfeld der Gesundheitsförderung und Prävention, „körperliche Aktivität und Mobilität älterer Menschen zu stärken bzw. zu erhalten“, war das Thema „Altersbilder im Wandel – Förderung und Erhalt von Mobilität“ der 3. Landeskonferenz am 2. Juli 2013 eingebettet. Hintergrund war, dass körperliche Aktivität und Mobilität sowohl für die Aufrechterhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens, als auch für die Minderung von Risiken chronischer Erkrankungen relevant sind. Mit Blick auf die soziale Teilhabe, aber auch auf die eigene körperliche Beweglichkeit wurde deutlich, dass Mobilitätsmöglichkeiten vor Ort im Alter eine besondere Rolle spielen. Dies wurde von Frau Dr. Heidrun Mollenkopf von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) e. V. unterstrichen: „Wenn die Mobilität freiwillig reduziert wird (…) dann sind die Menschen trotzdem zufrieden. Aber wenn die Reduktion erzwungen und unfreiwillig ist, sei es auf dem Land, weil es kaum Möglichkeiten gibt, (…) dann steigt die Unzufriedenheit.“5

Nicht nur für Berufstätige in der Pflege, auch für die pflegenden Angehörigen, die überwiegend der Altersgruppe 60+ angehören, und nicht zuletzt für die Pflegebedürftigen spielt die Gesundheitsförderung im Hinblick auf das nationale Gesundheitsziel „Gesund älter werden“ eine wichtige Rolle. Dies machte die 4. Landeskonferenz „Gesund Altern“ mit dem Schwerpunkt „Förderung und Erhalt von Gesundheit in der Pflege“ am 2. Juli 2014 deutlich. Mit der Landeskonferenz wurde für das Thema sensibilisiert und Grundlagen der Gesundheitsförderung für die unterschiedlichen Zielgruppen werden dargestellt. Für die pflegenden Angehörigen hielt Frau Prof. Dr. Marianne Brieskorn-Zinke fest: „Ich glaube wirklich nicht, dass die Hilfe für pflegende Angehörige in zusätzlichen Kursen liegt, sondern in der Möglichkeit, dass eine Pflegefachperson Zeit hat, den Angehörigen zu beraten, nämlich dann, wenn er es braucht. In dem Moment, in dem eine Besonderheit im Tagesablauf geschehen ist, braucht der pflegende Angehörige eine Unterstützung.“6

Die 5. Landeskonferenz am 1. Juli 2015 war dem Thema „Förderung und Erhalt von Gesundheit – Altersübergänge gemeinsam gestalten“ gewidmet. Als Satellitenveranstaltung zum 11. Deutschen Seniorentag thematisierte die Veranstaltung den Übergang von der Erwerbstätigkeit in die Altersrente. Ziel der Konferenz war es, Möglichkeiten für eine gelingende Neuorientierung aufzuzeigen. Keine Lebensphase bringt so gravierende Veränderungen mit sich wie der Wechsel vom Erwerbsleben in den Ruhestand. Auf der einen Seite geht es um den Erhalt der Gesundheit. Auf der anderen Seite gilt es mit der veränderten Lebenssituation – Ausgliederung aus dem Beruf mit Folgen für Familie und Partnerschaft sowie ökonomische Auswirkungen fertigzuwerden. Dies sind wichtige Anknüpfungspunkte für Gesundheitsförderung und Prävention.

Frau Professor Ursula Lehr, ehemalige Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, verdeutlichte in ihrem Vortrag, dass das Berufsende von den Menschen sehr ambivalent empfunden werden kann. Einige begrüßen das Berufsende, andere wiederum geraten in eine Krise. Bei der Gestaltung der nachberuflichen Phase gilt es sich ein „neues Netz von Gewohnheiten zu schaffen“. Das aktive Altern hat hier eine große Bedeutung.

Die Dokumentationen der Landeskonferenzen sind unter: http://www.hage.de/service/veroeffentlichungen/dokumentationen.html  abrufbar.

Fußnote
  1. Lehr, U. (2011): Älter werden – aktiv bleiben: eine Herausforderung in unserer Zeit zunehmender Langlebigkeit. Dokumentation Landeskonferenz Hessen „Altersbilder im Wandel – Herausforderungen für die Gesundheitsförderung“, HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e. V. (Hrsg.), S. 10.
  2. Pott, E. (2011): Podiumsdiskussion. Dokumentation Landeskonferenz Hessen „Altersbilder im Wandel – Herausforderungen für die Gesundheitsförderung“, HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e. V. (Hrsg.), S. 41.
  3. Keil, A. (2012): Hauptsache gesund und ohne Befund? Biografische Lebensqualität als kritische Instanz der Gesundheitsförderung. Dokumentation Landeskonferenz Hessen „Altersbilder im Wandel - Förderung und Erhalt von Lebensqualität“, HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e. V. (Hrsg.), S. 19.
  4. Banzer, W. (2012): Podiumsdiskussion. Dokumentation Landeskonferenz Hessen „Altersbilder im Wandel – Förderung und Erhalt von Lebensqualität“, HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e. V. (Hrsg.), S. 71.
  5. Mollenkopf, H. (2013): Podiumsdiskussion. Dokumentation Landeskonferenz Hessen „Altersbilder im Wandel – Förderung und Erhalt von Mobilität“, HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e. V. (Hrsg.), S. 35.
  6. Brieskorn-Zinke, M. (2014): Podiumsdiskussion. Dokumentation Landeskonferenz Hessen „Altersbilder im Wandel – Förderung und Erhalt von Gesundheit in der Pflege“, HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e. V. (Hrsg.), S. 51.
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