Demenz

Mit dem allgemeinen Anstieg der Lebenserwartung wächst die Zahl der an Demenz oder einer anderen gerontopsychiatrischen Erkrankung leidenden Menschen. Je älter die Menschen werden, desto höher ist das Risiko, an Demenz zu erkranken. Es gibt verschiedene Formen von Demenzerkrankungen mit unterschiedlichen Präventionspotenzialen. Die häufigste ist die Alzheimer-Krankheit, an der etwa zwei Drittel aller Demenzfälle leiden. Für Hessen werden zum Jahresende 2012 106.950 Demenzerkrankte geschätzt, wobei Experten deutschlandweit von über 1.473.100 Betroffenen ausgehen.1 Unter Zugrundelegung der Bevölkerungsentwicklung ist, sofern bis dahin kein Durchbruch in der Prävention und Therapie erreicht wird, bis zum Jahr 2050 mit nahezu 3 Millionen Demenzkranken in Deutschland zu kalkulieren. Hierbei ist in Rechnung zu stellen, dass es trotz erheblicher Fortschritte im Verständnis der Ätiologie der verschiedenen Demenzprozesse immer noch schwierig ist, Demenz und besonders ihre Frühsymptome exakt zu diagnostizieren. „Mit Blick auf die Alzheimer-Demenz ist allerdings die Aussage wichtig, dass deren Entstehung bereits bis zu zwei Jahrzehnten vor Auftreten der ersten Symptome datiert.“2

Demenziell Erkrankte sind in besonderem Maße gefährdet, ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Klinisch relevant ist das überdurchschnittlich erhöhte Sturz-, Verletzungs- und Mortalitätsrisiko. So ist Demenz mittlerweile der häufigste Grund für den Einzug in ein Pflegeheim, zukünftig wird sogar mit einem Anteil von 50 % bis 80 % Demenzkranker gerechnet.3 Die Pflege dieser Menschen ist ein zentrales Thema. Dabei liegt auch eine erhebliche Belastung auf den Familien. Immerhin werden mehr als die Hälfte der Demenzkranken in Deutschland zu Hause betreut. (Abb. 30)

Demenz 2011
Demenz 2011  Foto: Unter Demenz wurden hier Morbus Alzheimer und sonstige Demenzerkrankungen zusammengefasst (vgl. HMG-Diagnosen der jeweiligen Diagnosegruppe Kapitel 7, Seite 150 und Kap. 7.1.6). Quelle: Daten gesetzlicher Krankenkassen auf der Basis von „hierarchisierten Morbiditätsgruppen“ (HMG) 2011, Statistisches Landesamt, eigene Berechnung 2013.

Die Hessische Landesregierung verwirklicht in Zusammenarbeit mit den Trägern neue Formen von Wohn- und Pflegegruppen für Demente in stationären Pflegeeinrichtungen. Die derzeitige Entwicklung der stationären Altenpflege – weg von krankenhausähnlichen Großstationen hin zu überschaubaren Wohn- und Pflegegruppen – wird genutzt, um gezielt die Voraussetzungen für die Betreuung von Dementen zu schaffen. Zu solchen Konzepten gehört auch, dass die wesentlichen Alltagselemente wie z. B. das Essen in die Wohn­gruppe verlagert und dort zu Elementen der Tagesstrukturierung werden.4

Fußnote
  1. Deutsche Alzheimer Gesellschaft (2014): Selbsthilfe Demenz. Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Berlin. Online verfügbar unter: https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf. Zuletzt geprüft am 16.10.2015. 
  2. Kruse, A. (2011): Altersbilder in der gesundheitlichen Versorgung: Prävention und Gesundheitsförderung. Dokumentation Landeskonferenz Hessen „Altersbilder im Wandel – Herausforderungen für die Gesundheitsförderung“, HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e. V. (Hrsg.), S. 13.
  3. Füsgen, I. (Hrsg.) (2010): Demenz - ein unausweichliches Altersschicksal? Fachtagung des „Zukunftsforum Demenz“ in Zusammenarbeit mit der BAGSO 18. Mai 2010 in Bonn. Dokumentationsband. Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH, Wiesbaden.
  4. Müller-Klepper, P.: Alternative Wohnform gewinnt in Hessen an Bedeutung – für Demenzkranke besonders geeignet. Pressemitteilung des Hessischen Sozialministeriums vom 19. Oktober 2010.
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