Karies

Der DMFT-Wert, welcher die lebenslangen Karieseffekte der Zähne pro Person dokumentiert, ist auch bei den Älteren bundesweit in den letzten Jahren zurückgegangen (Abb. 31 und Abb. 32). Allerdings ist das Vorkommen von Wurzelkaries in der Seniorengruppe in den letzten acht Jahren statistisch signifikant angestiegen.

Zahngesundheitsindikatoren
Zahngesundheitsindikatoren  Foto: Dritte und Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie.

Zahnverlust und Zahnersatz

65- bis 74-jährige Seniorinnen und Senioren haben heute in Deutschland nur noch durchschnittlich 14,1 fehlende Zähne. Es ist eine Abnahme gegenüber früher (1997: 17,6 Zähne, DMS III) feststellbar. In Zukunft werden ältere Menschen immer mehr eigene Zähne besitzen. Damit sind dann andere Risiken verbunden, die speziell bei ungenügender Mundhygiene entstehen könnten (Abb. 32).

Paradontitis und Zahnverlust
Paradontitis und Zahnverlust  Foto: Dritte und Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie

Die Analyse der prothetischen Versorgung lässt in der Seniorengruppe einen deutlichen Rückgang der völligen Zahnlosigkeit (also im Ober- und Unterkiefer gleichzeitig) und somit der Totalprothesen erkennen. 2005 traf das noch auf 22,6 % der Seniorinnen und Senioren zu. In dieser Patientengruppe überwiegen nach wie vor die herausnehmbaren Zahnersatzversorgungen. Allerdings besteht offensichtlich eine Tendenz zur prothetischen Versorgung mit festsitzenden, hochwertigen, auch zunehmend als Implantat getragenen Zahnersatz­lösungen (Tab. 7).

Tab. 7: Häufigkeiten und ausgewählte Oralindikatoren bei Senioren (65 - 74 Jahre) im Bundesland Hessen

Karieswerte:  
Karieserfahrung (DMFT) 21,4 Zähne
1. Wurzelkaries:  
keine vorhanden 49,0 %
mindestens eine kariöse oder gefüllte Wurzeloberfläche** 51,0 %
2. Lückenbefunde:  
Anzahl fehlender Zähne 12,6 Zähne
Anzahl unversorgter Zahnlücken 1,9 Zähne
Anzahl ersetzter Zähne 10,7 Zähne
3. Motivmuster der Inanspruchnahme zahnärztlicher Dienste:  
beschwerdeorientiert 33,2 %
kontrollorientiert 68,8 %

Legende: Basis: n = 72 Fälle (davon 32 männlich und 40 weiblich) Aufgrund der relativ kleinen Fallzahlen (n = 72 Senioren) für das Bundesland Hessen im Rahmen der bundesweiten Gesamtstichprobe zur DMS IV sollten die Häufigkeit für Hessen ausschließlich als eine statistische Trendaussage gewertet bzw. verstanden werden; direkten nummerischen Abgleichen mit den Referenzwerten aus der Bundesstichprobe sind hier enge Grenzen gesetzt) Quelle: Sonderauswertungen aus der DMS IV-Studie des IDZ (unveröffentlichtes Material)/Feldzeit der Gesamtstudie 2005. IDZ, 2011.

Parodontalerkrankungen

Die Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV 2005) zeigt auch, dass Parodontitis bundesweit am stärksten unter den Seniorinnen und Senioren verbreitet ist. 48 % sind von einer mittelschweren und 39,8 % von einer schweren Ausprägung der Erkrankung an mindestens einem Zahn betroffen. Dies entspricht einer Zunahme von 23,7 Prozentpunkten zur vorangegangenen Erhebung von 1997 (Abb. 32).

In dem Maß, in dem Zahnverluste zurückgingen, nahmen Zahnfleischerkrankungen zu. Deshalb ist für die kommenden Jahre von einer weiteren Zunahme der Parodontitislast auszugehen. Aus den parodontal verursachten Wundflächen im Mundraum ergeben sich Infektionsrisiken für den Gesamtorganismus, was die Bedeutung dieser Entwicklung für allgemeinmedizinische Erkrankungen begründet.

Vergleich der Community Periontal Index CPI bei Senoren 65 bis 75 J
Vergleich der Community Periontal Index CPI bei Senoren 65 bis 75 J  Foto: Community Periodontal Index (CPI) individueller Parodontalindex,beschreibt den Schweregrad einer Parodontalerkrankung. Auf Bundesebene und in Hessen (n=72 Fälle, s. o.) Quelle: Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie.13

„ZPH-Projekt“ (Zahnärztliche Pflege Hessen)

Noch vor wenigen Jahren war die Alterszahnmedizin eine Nischendisziplin, mittlerweile gibt es Konzepte, wie das zur vertragszahnärztlichen Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung, sowie Initiativen auf der Ebene einzelner Länder.

Zu den Initiativen zählt in Hessen das „ZPH-Projekt“ der Landeszahnärztekammer Hessen (LZKH) in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen. Dieses läuft seit Oktober 2013 und ist auf zwei Jahre angesetzt. Inhalt dabei ist, dass in 24 hessischen Pflegeheimen Schulungszahnärzte der LZKH 2x jährlich das Pflegepersonal schulen. Neben theoretischen Aspekten wie ein Vortrag zu typischen Krankheitsbildern und Vorgehensweisen werden dem Personal praktische Übungen mit einem kostenlos vonseiten der LZKH zur Verfügung gestellten Schulungskoffer gezeigt, wie die Pflege von Zahnersatzmodellen und die Anwendung von Hilfsmitteln. Der Schulungskoffer beinhaltet CDs mit Präsentationen sowie Reinigungsmaterial für Prothesen und diverse Modelle von Zahnersatz. So kann eine gefahrlose und effektive Reinigung des Mundraumes möglich gemacht werden. Der Einfluss der Schulungen auf bestimmte allgemeine Gesundheitsparameter der in der institutionellen Pflege befindlichen Seniorinnen und Senioren wird untersucht. Zur Erzielung einer ausreichenden Datenbasis wird eine vergleichende Evaluation in weiteren 24 Heimen ohne Schulungsmaßnahmen vorgenommen.

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