Pflege und Pflegerische Versorgung

Die meisten Menschen haben den Wunsch, solange wie möglich selbstständig in der vertrauten häuslichen Umgebung leben zu können. Von den heute 100-Jährigen in Deutschland lebt noch ein Drittel selbstständig zu Hause.

Mit steigendem Alter wächst das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Die altersstrukturellen Veränderungen haben damit erhebliche Implikationen auf die zukünftige Nachfrage nach Pflegeleistungen und den Versorgungsbedarf bei Pflegebedürftigkeit. In Deutschland gab es im Jahr 2013 2,63 Millionen pflegebedürftige Menschen, was gegenüber der letzten Erhebung 2011 einen Zuwachs von 125.000 bedeutet.1 Ausgehend von der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung der statistischen Ämter des Bundes und der Länder könnte die Zahl der Pflege­bedürftigen in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf rund 3,5 Millionen Menschen ansteigen2 (Abb. 34).

In Hessen ist die Anzahl der Pflegebedürftigen in den letzten zehn Jahren von 155.002 (2003)3 auf 205.126 (2013)gestiegen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Hessens beträgt 3,4 %5 gegenüber 2,9 % im Jahr 20076.

Pflegebedürftige nach Altersgruppen
Pflegebedürftige nach Altersgruppen  Foto: Anzahl pflegebedürftiger Personen in den Jahren 1999, 2013 und 2030*; * Annahme für 2030: konstante alters- und geschlechtsspezifische Pflegequote des Jahres 2013. Bevölkerungsentwicklung gemäß Variante 2 der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnung Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Pressemitteilung Nr. 7/2015.

Drei Viertel (75,2 %) aller Leistungsempfänger in Hessen wurden zu Hause versorgt und davon die große Mehrheit (71,0 %) ausschließlich durch Angehörige. Damit liegt Hessen im Ländervergleich an der Spitze und rund 4 % höher als der Bundesdurchschnitt. Von den 109.700 durch Angehörige betreuten Pflegebedürftigen waren knapp zwei Drittel (63,5 %) der Pflegestufe I zugeordnet, 28,5 % der Pflegestufe II und etwa 8 % der Pflegestufe III. 21.600 Beschäftigte in 1.066 Pflegediensten betreuten die übrigen 44.600 zu Hause versorgten Pflegebedürftigen. Davon waren 53,5 % in der Pflegestufe I und 34 % in der Pflegestufe II eingruppiert. In Pflegestufe III waren 5.600 (12,5 %) erfasst.

In stationären Einrichtungen wurden 50.800 Pflegbedürftige vollstationär betreut, davon befanden sich 39 % in der Pflegestufe I und knapp 38 % in der Pflegestufe II. Mit 11.000 Menschen waren 22 % der Pflegestufe III (einschließlich Härtefälle) zuzuordnen; 1,8 % oder 890 der in stationären Einrichtungen betreuten Pflegebedürftigen waren noch keiner Pflegestufe zugewiesen. Die Versorgung der Pflegebedürftigen in den 815 stationären Einrichtungen erfolgte durch 46.100 Beschäftigte.7 Deutschlandweit hat die Zahl der Pflegekräfte in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten im Jahr 2013 erstmals die Grenze von 1 Million überschritten (1.005.524).8

2.900 Pflegebedürftige erhielten teilstationäre Pflegeleistungen.9 Diese Leistungsempfänger erhalten in der Regel auch Pflegegeld oder ambulante Pflege und sind daher in der Gesamtzahl der Leistungsempfänger bereits erfasst.

Unterstützung für pflegende Angehörige

Was viele nicht wissen: Menschen, die Angehörige pflegen, können sich eine Pause von der Pflege nehmen – zum Beispiel für einen Urlaub oder für andere Freizeitaktivitäten. Die Pflegeversicherung übernimmt die nachgewiesenen Kosten für eine Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr, die sogenannte Verhinderungspflege.

Hinweise für pflegende Angehörige:

Gehen Sie bei den Fragen rund um die Pflege auf das Informations- und Beratungsportal www.pflege-in-hessen.de.

Alle Informationen mit Einzelbeispielen zu den Änderungen durch das 1. Pflegestärkungsgesetz (seit 1. Januar 2015) erhalten Sie unter www.pflegestärkungsgesetz.de.

Fußnote
  1. Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2013, www.destatis.de.
  2. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Juni 2015. Siehe Pressemitteilung Nr. 7/2015/ www.bib-demografie.de, Datenquelle: Statistisches Bundesamt.
  3. Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in Hessen, Studie Hessisches Sozialministerium/Hessenagentur 2010.
  4. Hessisches Statistisches Landesamt, Eckdaten Pflegestatistik 2013.
  5. Daten: Hessisches Statistisches Landesamt, Eckdaten Pflegestatistik und Bevölkerungsentwicklung.
  6. Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in Hessen, Studie Hessisches Sozialministerium/Hessenagentur 2010.
  7. Hessisches Statistisches Landesamt, Eckdaten Pflegestatistik 2013.
  8. Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2013, Personal in Pflegeeinrichtungen, www.destatis.de.  
  9. Hessisches Statistisches Landesamt, Eckdaten Pflegestatistik 2013.
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