Pflegestützpunkte in Hessen

Die Landesregierung hat mit der Allgemeinverfügung vom 8. Dezember 2008 die Einrichtung von Pflegestützpunkten (PSP) nach § 92 c Abs. 1 Satz 1 SGB XI bestimmt, mit dem Ziel, pflegerische und soziale Versorgungs-, Betreuungs- und Beratungsangebote besser aufeinander abzustimmen und zu vernetzen. Neben der sozialrecht­lichen Beratung informieren sie Bürgerinnen und Bürger auch über mögliche Betreuungs- und Hilfsangebote.

Sie sollen für die wohnortnahe Versorgung und Betreuung in Betracht kommende gesundheitsfördernde, präventive, kurative, rehabilitative und sonstige medizinische sowie pflegerische und soziale Hilfs- und Unterstützungsangebote koordinieren. Kirchliche und gesellschaftliche Träger und Organisationen werden genauso eingebunden wie Selbsthilfe und bürgerschaftliches Engagement. In den Stützpunkten soll das ehrenamtliche Engagement von Angehörigen und Freiwilligen unterstützt und gefördert werden. Damit wird die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für Pflege betont.1

Zunächst ist ein PSP in jeder Gebietskörperschaft (Landkreis oder kreisfreie Stadt) einzurichten, was die Einrichtung von 26 PSP in Hessen erfordert. Die Umsetzung der Allgemeinverfügung erfolgt unter der Federführung der Pflege- und Krankenkassen unter Beteiligung der Kommunen.2 Hierzu wurde der Rahmenvertrag für die Arbeit und Finanzierung der PSP am 1. Mai 2009 zwischen den Landesverbänden der Pflege- und Krankenkassen und den kommunalen Spitzenverbänden abgeschlossen. Träger der PSP sind immer die Landesverbände der Pflegekassen in Hessen und die jeweilige Gebietskörperschaft.

Pflegestützpunkte haben sich in Hessen etabliert. In den Landkreisen Groß-Gerau, Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Werra-Meißner, Hochtaunus, Main-Kinzig, Vogelsberg, Marburg-Biedenkopf, Main-Taunus, Schwalm-Eder, Rheingau-Taunus, Waldeck-Frankenberg und Wetterau sowie den Städten Darmstadt, Gießen, Offenbach a. M., Frankfurt a. M., Fulda, Kassel und Wiesbaden sind Pflegestützpunkte eingerichtet (Stand: 1.01.2015). Mehrere Kommunen denken über eine Ausweitung des Angebotes nach.

Wissenschaftliche Begleitung der Pflegestützpunkte

Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt hat die PSP in ihrem Aufbau und ihrer Entwicklung wissenschaftlich begleitet.3 Die wissenschaftliche Begleitung von der ersten Stunde an umfasste die Frage, wie viele Pflegestützpunkte benötigt werden, um den Beratungsbedarf zu decken, über die Themen Qualitätssicherung, Vernetzungsplanung und interne Arbeitsorganisation bis zur Entwicklung von Handlungsempfehlungen zum Auf- und Ausbau von Pflegestützpunkten.

Mit den Mitgliedern des Steuerungsausschusses gem. § 10 des Rahmenvertrags wurde für die Arbeit und ­Finanzierung der PSP ein indikatorengestütztes Bemessungsverfahren erarbeitet, um für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt zu ermitteln, wie hoch der spezifische Personalbedarf für Beratung entsprechend § 92 c SGB XI ist. Das Verfahren und die bisherigen Ergebnisse wurden am 23. Juli 2010 den Mitgliedern des Landespflegeausschusses vorgestellt und nach Diskussion von ihnen angenommen. Das entwickelte Bemessungsverfahren ist als ein Angebot für die Verhandlungen zum Abschluss von Pflegestützpunktverträgen vor Ort zu verstehen. Es ist offen prozessual angelegt und kann somit an regionale Entwicklungen angepasst werden.

Fußnote
  1. Pressemitteilung Hessisches Sozialministerium (HSM) vom 2. Februar 2010, „Die Pflegestützpunkte ermöglichen es, die guten Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für Pflege in Hessen zu koordinieren und zu vernetzen“.
  2. Hierzu wurde der Rahmenvertrag für die Arbeit und Finanzierung der PSP am 1. Mai 2009 zwischen den Landesverbänden der Pflege- und Krankenkassen und den kommunalen Spitzenverbänden abgeschlossen.
  3. Institut für Wirtschaft und Kultur (IWAK) (2012): Wissenschaftliche Begleitung der Implementierung der Pflegestützpunkte in Hessen. Online verfügbar unter: http://www.sozialnetz.de/global/show_document.asp?id=aaaaaaaaaaagksa . Zuletzt geprüft am 19.10.2015.
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