Mortalitätsstruktur: Die häufigsten Todesursachen im Jahr 2013

Die mit Abstand häufigsten Todesursachen in Hessen – wie auch in Deutschland – sind Krankheiten des Kreislaufsystems und Neubildungen (Krebserkrankungen). Im Jahr 2013 waren rund zwei Drittel der knapp 64.000 Todesfälle in Hessen auf diese Ursachen zurückzuführen.

Wie Abb. 92 zeigt, stellten Krankheiten des Kreislaufsystems bei Frauen einen größeren Anteil an Todesursachen dar (42 %) als bei Männern (36 %). Von Krebserkrankungen als Todesursache waren hingegen anteilig mehr Männer (28 %) als Frauen (23 %) betroffen. Als dritthäufigste Todesursache sowohl bei den Männern (8 %) als auch bei den Frauen (7 %) folgen mit Abstand Krankheiten des Atmungssystems. An vierter Stelle standen im Jahr 2013 bei Männern und Frauen unterschied­liche Todesursachen. Während knapp 5 % der Männer an Verletzungen, Vergiftungen und bestimmten anderen ­Folgen äußerer Ursachen starben, führten bei den Frauen mit rund 6 % psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen zum Tod. Als weitere Todesursachen sind – jeweils mit Anteilen unter 5 % – Krankheiten des Verdauungssystems, endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten sowie Krankheiten des Nervensystems und der Sinnesorgane zu nennen (vgl. auch Tab. 18).

die häufigsten Todesursachen nach Krankheitsgruppen und Geschlecht in Hessen 2013
die häufigsten Todesursachen nach Krankheitsgruppen und Geschlecht in Hessen 2013  Foto: Todesursachenstatistik, Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn, Darstellung und Berechnung der HA Hessen Agentur GmbH.

Tab. 18: Die häufigsten Todesursachen in verschiedenen Altersgruppen bei Männern und Frauen im Jahr 2013 in Hessen

Alter Rang ICD 10 Todesursache Anzahl der Fälle Fälle pro 100.000 Einwohner Anteil*
unter 1 1. XVI Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben 100 192,9 52,6%
  2. XVII Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien 52 100,3 27,4%
  3. XVIII Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die andernorts nicht klassifiziert sind 21 40,5 11,1%
      sonstige 17 32,7 8,9%
1 – 14 1. XVIII Neubildungen 30 3,9 35,3%
  2. XVI Krankheiten des Nervensystems und der Sinnesorgane 14 1,8 16,5%
  3. XVII Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen 10 1,3 11,8%
      sonstige 31 4,2 36,5%
15 – 44 1. XIX Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen 422 19,0 34,3%
  2. II Neubildungen 262 11,8 21,3%
  3. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 143 6,4 11,6%
      sonstige 404 18,3 32,8%
45 – 64 1. II Neubildungen 3485 194,4 43,2%
  2. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 1669 93,1 20,7%
  3. XI Krankheiten des Verdauungssystems 576 32,1 7,1%
      sonstige 2329 130,0 28,9%
65 und älter 1. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 23.136 1.916,2 42,6%
  2. II Neubildungen 12.438 1.030,1 22,9%
  3. X Krankheiten des Atmungssystems 4.181 346,3 7,7%
      sonstige 14.573 1.207,0 26,8%
Insgesamt 1. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 24.955 413,8 39,1%
  2. II Neubildungen 16.216 268,9 25,4%
  3. X Krankheiten des Atmungssystems 4.592 76,1 7,2%
      sonstige 18.130 300,6 28,4%

*) Anteil an allen Todesfällen der Alters- und Geschlechtsgruppe

Quelle: Todesursachenstatistik, Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn, Darstellung und Berechnung der HA Hessen Agentur GmbH.

Tab. 19: Die häufigsten Todesursachen in verschiedenen Altersgruppen bei Männern im Jahr 2013 in Hessen

Alter Rang ICD 10 Todesursache Anzahl der Fälle Fälle pro 100.000 Einwohner Anteil*
unter 1 1. XVI Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben 58 218,4 50,4 %
  2. XVII Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien 27 101,7 23,5 %
  3. XVIII Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die a. n. k. sind 17 64,0 14,8 %
      sonstige 13 48,9 11,3 %
1 – 14 1. XVIII Neubildungen 18 4,6 38,3 %
  2. XVI Krankheiten des Nervensytems und der Sinnesorgane 10 2,6 21,3 %
  3. XVII Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen 5 1,3 10,6 %
      sonstige 14 3,5 29,8 %
15 – 44 1. XIX Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen 330 29,6 40,7 %
  2. II Neubildungen 116 10,4 14,3 %
  3. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 96 8,6 11,8 %
      sonstige 269 24,2 33,2 %
45 – 64 1. II Neubildungen 1898 212,4 37,6 %
  2. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 1212 135,5 24,0 %
  3. XI Krankheiten des Verdauungssystems 388 43,4 7,7 %
      sonstige 1553 173,7 30,7 %
65 und älter 1. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 9648 1826,9 39,4 %
  2. II Neubildungen 6.613 1.252,2 27,0 %
  3. X Krankheiten des Atmungssystems 2.170 410,9 8,9 %
      sonstige 6.059 1.147,3 24,7 %
Insgesamt 1. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 10.958 371,1 35,9 %
  2. II Neubildungen 8.645 292,8 28,3 %
  3. X Krankheiten des Atmungssystems 2.414 81,8 7,9 %
      sonstige 8.497 287,7 27,8 %

* Anteil an allen Todesfällen der Alters- und Geschlechtsgruppe

Quelle: Todesursachenstatistik, Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn, Darstellung und Berechnung der HA Hessen Agentur GmbH.

Tab. 20: Die häufigsten Todesursachen in verschiedenen Altersgruppen bei Frauen im Jahr 2013 in Hessen

Alter Rang ICD 10 Todesursache Anzahl der Fälle Fälle pro 100.000 Einwohner Anteil*
unter 1 1. XVI Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben 42 166,1 56,0 %
  2. XVII Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien 25 98,8 33,3 %
  3. XVIII Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die andernorts nicht klassifiziert sind 4 15,8 5,3 %
      sonstige 4 15,8 5,3 %
1 – 14 1. XVIII Neubildungen 12 3,2 31,6 %
  2. XVI Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien 5 1,4 13,2 %
  3. XVII Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen 5 1,4 13,2 %
      sonstige 16 4,3 42,1 %
15 – 44 1. XIX Neubildungen 146 13,2 34,8 %
  2. II Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen 92 8,3 21,9 %
  3. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 47 4,3 11,2 %
      sonstige 135 12,2 32,1 %
45 – 64 1. II Neubildungen 1587 176,6 52,8 %
  2. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 457 50,8 15,2 %
  3. XI Krankheiten des Verdauungssystems 188 20,9 6,3 %
      sonstige 776 86,4 25,8 %
65 und älter 1. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 13488 1.985,6 45,2 %
  2. II Neubildungen 5825 857,5 19,5 %
  3. X Krankheiten des Atmungssystems 2011 296,0 6,7 %
      sonstige 8514 1.253,4 28,5 %
Insgesamt 1. IX Krankheiten des Kreislaufsystems 13997 454,7 41,9 %
  2. II Neubildungen 7571 246,0 22,7 %
  3. X Krankheiten des Atmungssystems 2178 70,8 6,5 %
      sonstige 9633 312,9 28,9 %

* Anteil an allen Todesfällen der Alters- und Geschlechtsgruppe

Quelle: Todesursachenstatistik, Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn, Darstellung und Berechnung der HA Hessen Agentur GmbH.

Werden die Todesursachen im Jahr 2013 differenzierter auf Ebene der Einzeldiagnosen nach ICD-101 betrachtet, dann ist bei beiden Geschlechtern die chronische ischämische Herzkrankheit die häufigste Todesursache. Daran starben in Hessen rund 9,5 % der Männer und gut 8,2 % der Frauen. Mit einem Anteil von 6,7 % die zweithäufigste Todesursache bei den Männern ist der akute Myokardinfarkt bzw. der Herzinfarkt zu nennen. Bei den Frauen war dies mit einem Anteil von 5,8 % die Herzinsuffizienz. An dritter Stelle der häufigsten Todesursachen standen bei den Männern mit einem Anteil von 6,5 % die bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge und bei den Frauen mit 4,9 % die Demenz. Die zehn häufigsten Todesursachen zusammengenommen, sind bei Männern und bei Frauen für mehr als 40 % aller Todesfälle verantwortlich (Tab. 16).

Tab. 16: Die zehn häufigsten Todesursachen (nach ICD-10) bei Männern und Frauen in Hessen, 2013

Einzeldiagnosen nach ICD-10 Männner Frauen
     
Chronische ischämische Herzkrankheit 9,5 % 4,7 %
Akuter Myokardinfarkt 6,7 % 4,7 %
Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge 6,5 % 3,4 %
Sonstige chronische obstruktive Lungenkrankheit 3,9 % 3,1 %
Herzinsuffizienz 3,3 % 5,8 %
Bösartige Neubildung der Prostata 3,2 % -
Bösartige Neubildung der Brustdrüse (Mamma) - 3,9 %
Nicht näher bezeichneter Diabetes mellitus 2,4 % 2,6 %
Hypertensive Herzkrankheit - 4,2 %
Nicht näher bezeichnete Demenz 2,3 % 4,9 %
Bösartige Neubildung des Kolons 2,1 % -
Pneomonie, Erreger nicht näher bezeichnet 2,0 % -
Vorhofflattern und Vorhofflimmern - 2,8 %

Quelle: Todesursachenstatistik, Statisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn. Darstellung und Berechnung der HA Hessen Agentur GmbH.

In Hessen waren im Jahr 2013 nur noch 15 % aller gestorbenen Personen unter 65 Jahre alt. Im Jahr 2003 lag dieser Anteil noch bei knapp 18 %. Mit Blick auf die Todesursachen dieser Altersgruppe zeigen sich Verschiebungen in der Rangfolge. Am häufigsten waren Neubildungen für den Tod verantwortlich. Jede zweite Frau und jeder dritte Mann in Hessen unter 65 Jahren starb an einer Krebs­erkrankung. Die zweithäufigste Todesursache in dieser Altersgruppe waren Krankheiten des Kreislaufsystems, gefolgt von Verletzungen, Vergiftungen und bestimmten anderen Folgen äußerer Ursachen. Knapp 12 % der Männer unter 65 Jahren kamen durch Letztere ums Leben. Bei den Frauen lag der Anteil dieser Todesursache dagegen nur bei 7 %(Abb. 93).

Die häufigsten Todesursachen bei Personen unter 65 Jahren in Hessen 2013
Die häufigsten Todesursachen bei Personen unter 65 Jahren in Hessen 2013  Foto: Todesursachenstatistik, Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn, Darstellung und Berechnung der HA Hessen Agentur GmbH.

In Hessen lag das durchschnittliche Alter der im Jahr 2013 gestorbenen Männer bei 75,1 Jahren. Frauen starben durchschnittlich mit 81,4 Jahren, d. h. über sechs Jahre später als Männer. Da z. B. Krankheiten des Kreislauf­systems im hohen Alter häufiger auftreten, führt dies u. a. zu den unterschiedlichen Häufigkeiten der Todes­ursachen bei Männern und Frauen.

Soll die Entwicklung der Sterblichkeit näher untersucht werden, muss eine Standardisierung über das Alter erfolgen, ansonsten würden durch den unterschiedlich starken Besatz der einzelnen Altersjahrgänge die Ergebnisse ­verzerrt. Werden die Todesursachen 2003 und 2013 verglichen, dann zeigt sich eine Abnahme der Gesamtsterblichkeit. Starben im Jahr 2003 in Hessen noch 644 Personen je 100.000 Einwohner an Krankheiten, Verletzungen oder Vergiftungen, so waren dies im Jahr 2013 nur noch 547 Personen. Auch bei den „äußeren Ursachen“ als Todesursachen ist eine Abnahme der Sterblichkeit zu beobachten. Zu den äußeren Ursachen zählen Unfälle, Suizide oder tätliche Angriffe. 2003 kamen je 100.000 Einwohner 38,8 Personen durch äußere Ursachen zum Tode. Im Jahr 2013 waren dies nur 26,7 Personen. Eine Betrachtung nach ausgewählten Todesursachen zeigt ebenfalls einen Rückgang der Sterblichkeit bei Krankheiten des Kreislaufsystems (-28 %) und Neubildungen (-11 %). Die Sterblichkeit aufgrund von Krankheiten des Atmungssystems ist hingegen nur leicht zurückgegangen (-2 %). Besonders auffallend ist die starke Zunahme der Todesursache „psychische und Verhaltensstörungen“. Hinter dieser Kategorie verbirgt sich mit einem Anteil von 84 % die Krankheit Demenz. Im Jahr 2013 sind 23,4 pro 100.000 Einwohner an psychischen oder Verhaltensstörungen gestorben; 2003 waren dies nur 6,3 (siehe Tab. 17). Diese starke Abweichung spiegelt einen statistischen Effekt wider, da die Demenz erst seit einiger Zeit als Grundleiden bzw. Todesursache anerkannt und von den Ärzten entsprechend angegeben wird.

Tab. 17: Sterbefälle je 100.000 Einwohner (altersstandardisiert) in den Jahren 2003 und 2013 nach europäischer Kurzliste der Todesursachenstatistik

  2003 2013 Veränderung
Krankheiten, Verletzungen und Vergiftungen 644,3 547,4 -15,0 %
Infektiöse und parasitäre Krankheiten 9,3 11,4 22,6 %
Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Störungen mit Beteiligung des Immunsystems 2,9 2,8 -3,4 %
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten 30 23,7 -21,0 %
Psychische und Verhaltensstörungen 6,3 23,4 271,4 %
Krankheiten des Nevensystems und der Sinnesorgane 15,6 17,5 12,2 %
Krankheiten des Kreislaufsystems 265,8 190,3 -28,4 %
Krankheiten des Atmungssytems 37,7 37 -1,9 %
Krankheiten des Verdauungsystems 32,9 25,1 -23,7 %
Krankheiten der Haut und der Unterhaut 0,3 0,8 166,7 %
Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes 1,9 2,2 15,8 %
Krankheiten des Urogenitalsystems 9,6 10,3 7,3 %
Komplikationen der Schwangerschaft, Geburt und des Wochenbetts - - -
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben 2,8 3,1 10,7 %
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien 3,3 2,9 -12,1 %
Symptome und abnorme klinische (Befunde) und Laborbefunde, die andernorts nicht klassifiziert sind 14,2 14 -1,4 %
Äußere Ursachen 36,8 26,7 -27,4 %

Legende: Art der Standardisierung: Alte Europastandardbevölkerung. Quelle: Todesursachenstatistik, Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn, Darstellung Berechnung der HA Hessen Agentur GmbH.

Fußnote
  1. Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems.
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